Interview

Ruhepol setzt auf Musketier-Mentalität

Paolo Bizzarri hat klare Vorstellung und Ziele. Beides möchte er mit dem Amboss in die Tat umsetzen. Foto: IB
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Paolo Bizzarri hat klare Vorstellung und Ziele. Beides möchte er mit dem Amboss in die Tat umsetzen.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
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Interview der Woche mit Paolo Bizzarri, dem neuen Headcoach des Football-Oberligisten Amboss Remscheid.

Als Carsten Weber vor wenigen Wochen dem AFC Remscheid Amboss mitteilte, einem Angebot des Zweitligisten Hildesheim Invaders nicht widerstehen und kurzfristig wechseln zu wollen, war bei der Suche nach einem neuen Headcoach guter Rat teuer. Fündig wurde der Football-Oberligist in den eigenen Reihen. Er beförderte mit Paolo Bizzarri den bisherigen Offensive Coordinator zusätzlich zum Cheftrainer.

Herr Bizzarri, erzählen Sie doch mal aus Ihrer Sicht, wie es dazu kam, dass Sie den Headcoach-Posten übernommen haben.

Paolo Bizzarri: Ich bin ja bereits seit Ende 2019, Anfang 2020 beim Amboss. Meine erste Saison war pandemiebedingt zwar dann erst letztes Jahr, aber da haben wir uns gut präsentiert. Und als dann jetzt die Anfrage kam, musste ich nicht lange nachdenken. Denn ich weiß ja, worauf mich einlasse, und stehe unter Vollfeuer.

Was sind Sie denn für ein Typ? Dem Namen nach fließt südländischen Blut durch Ihre Adern, was für ordentlich Temperament stehen könnte.

Bizzarri: Ich bin in Düsseldorf geboren, aber meine Eltern sind Italiener. Ich habe auch die italienische Staatsangehörigkeit. Vom Typ her bin ich aber nicht der, der quer über den ganzen Platz brüllt und an der Seitenlinie herumtobt. Ich kann auch laut sein, wenn es sein muss. Aber mein Führungsstil ist verhältnismäßig ruhig. Natürlich bin ich im Spiel auch angespannt. Aber es hilft in meinen Augen nicht, wenn ich als zusätzlicher Unruhefaktor auftrete.

Kannten Sie den Amboss eigentlich, bevor Sie nach Remscheid gewechselt sind?

Bizzarri: Dadurch, dass ich lange selber gespielt habe, in verschiedenen Vereinen Assistenz- und Headcoach war und 20 Jahre als Schiedsrichter aktiv war, bin ich ein paar Tage in der Szene unterwegs. Natürlich gab es dadurch auch immer mal Berührungspunkte mit dem Amboss. Ich erinnere mich zum Beispiel noch an ein Spiel mit den Mönchengladbach Mavericks in Remscheid (im Jahr 2008, Anmerkung der Redaktion), als es um den Aufstieg in die Regionalliga ging. Da war das Stadion Reinshagen voll – und wir hatten das bessere Ende für uns. Aber den Amboss habe ich als hartes und faires Team kennengelernt.

Wie kam es dann vor etwas mehr als zwei Jahren zum Wechsel?

Bizzarri: Ich war zuvor bei den Schiefbahn Riders. Erst Assistenzcoach, danach Headcoach. Dann hat Thomas Rockel, der von den Riders zum Amboss gewechselt war, meinen Namen ins Spiel gebracht, als die Remscheider Verstärkung im Trainerstab suchten. Dann haben die mich angerufen, und wir haben uns über die Ausrichtung und Ziele des Vereins gesprochen. Das gefiel mir sehr gut. Die Ausbildung der Spieler sollte in der 4. Liga im Vordergrund stehen. Natürlich kann man sich mit Amerikanern vollstopfen, wie es manch andere Teams machen. Aber ich persönlich glaube, dass es auf lange Sicht nicht der richtige Weg ist.

Diesbezüglich haben Sie schon Erfahrung gesammelt.

Bizzarri: Mit den Mönchengladbach Mavericks sind wir damals bis in die 1. Liga hochmarschiert und haben es bis ins Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft geschafft. Aber danach gab es dann den Verein nicht mehr, weil das Konzept eben ein anderes und der Sponsor plötzlich weg war. Und damit dann auch das Team. Beim Amboss ist das anders und in meinen Augen genau richtig. Für Einsteiger ist der Verein ideal. Denn selbst wenn du wenig Ahnung von dem Sport hast und ihn nur aus dem Fernsehen kennst, bekommst du bei uns das Einmaleins des Footballs beigebracht.

Worauf legen Sie als Headcoach dabei Wert?

Bizzarri: Ich würde nicht sagen, dass ich ein Disziplin-Fanatiker bin. Aber ich lege natürlich großen Wert auf eine hohe Trainingsbeteiligung. Denn wir sind kein Fußballverein, wo du mal hingehen kann und mal nicht. Wir brauchen schon alle. Und ich propagiere immer den alten Spruch der Musketiere: einer für alle, alle für einen. Wobei das „einen“ für das Team steht, für das alle arbeiten.

Grob skizziert: Wie stellt sich der Amboss dieses Jahr auf?

Bizzarri: Leider hat sich Marc Schnabl ja beim Fußball einen Kreuzbandriss zugezogen und fällt für uns damit als Spieler aus. Er wird aber neben Marcel Dorndorf, Dirk Frei, Sven Engelmann und Patrick Giesa das Trainerteam ergänzen. Mit Marvin Schatz haben wir zudem einen richtigen Abgang zu verzeichnen, den es zu Erstligist Cologne Crocodiles verschlagen hat. Durch einige Quer- und Neueinsteiger haben wir damit einen 45-Mann-Kader zur Verfügung und sind immer noch unterbesetzt. Damit wird es halt eng. 50 oder mehr Spieler wären schon schön.

Lassen Sie uns zum Abschluss noch über die Ziele sprechen. Was wollen Sie mit dem Amboss erreichen?

Bizzarri: Ziel ist ein dehnbarer Begriff. Dadurch, dass wir uns jetzt wieder neu aufstellen mussten, ist mir schon klar, dass wir erst einmal eine positive Saison anstreben. Also mehr Siege als Niederlagen. Wir treten aber keine Spiele an, um sie zu verlieren. Egal, wie viele Amis da auf der Gegenseite auflaufen. Denen werden wir dann auf den Zahn fühlen und mal gucken, was passiert. Langfristig wollen wir auf jeden Fall auch die Regionalliga in Angriff nehmen. Ich würde gerne mit den Jungs in die dritthöchste Klasse aufsteigen, allerdings ohne dafür Amis einzukaufen. Aber ob das dieses Jahr schon klappt, weiß ich nicht.

Zur Person

Paolo Bizzarri wurde am 15. Januar 1967 in Düsseldorf geboren. Er ist verheiratet und hat eine 16-jährige Tochter. 1982 begann er mit dem Footballspielen – im damals ersten Schülerteam der Düsseldorf Panther. 20 Jahre lang streifte er deren Trikot über und legte eine beeindruckende Spielerkarriere hin. 1985 wurde Bizzarri mit den Düsseldorfern Deutscher Jugend-Meister, ein Jahr später holte er auch in seinem ersten Seniorenjahr den nationalen Titel. „Es hat viel harte Arbeit bedurft, um mit 1,63 Meter anerkannt zu werden“, erinnert er sich. Doch es gelang dem pfeilschnellen Receiver, der zu Hochzeiten 4,4 Sekunden auf 40 Yards lief. 1991 avancierte Bizzarri zum Topscorer der Bundesliga, insgesamt wurde er viermal Deutscher Meister und gewann mit den Panthern 1995 auch den Eurobowl. Als Trainer begann er bei der 2. Mannschaft der Düsseldorfer und sammelte anschließend Erfahrung bei den Troisdorf Jets, Mönchengladbach Mavericks und Schiefbahn Riders, ehe er sich dem Amboss anschloss.

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