Fußball - Serie

Pirsigs Truppe behielt die Nerven

Am 13. Mai berichteten Andreas Dach, Joachim Herrmann (beide Text) und Michael Sieber (Fotos) ausführlich vom tags zuvor perfekt gemachten Meistertitel des FC Remscheid in der Fußball-Oberliga. Fotos: RGA-Archiv
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Am 13. Mai berichteten Andreas Dach, Joachim Herrmann (beide Text) und Michael Sieber (Fotos) ausführlich vom tags zuvor perfekt gemachten Meistertitel des FC Remscheid in der Fußball-Oberliga.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
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Der Weg des FC Remscheid vor 30 Jahren in die 2. Fußball-Bundesliga – zehnter Teil

Remscheid. Bis zum Schlussakt der Saison 1990/91 blieb der Kampf um die Spitze der Fußball-Oberliga megaspannend. Der FC Remscheid durfte sich keinen Ausrutscher leisten, um die lauernde Konkurrenz aus Aachen auf Distanz zu halten und den Sprung in die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga zu schaffen. Auch die letzten beiden Partien der regulären Spielzeit lassen wir 30 Jahre später in unserer Serie mit den originalen Artikeln von damals Revue passieren.

TuS Langerwehe – FCR 0:2 (0:1) „Selbsttor machte Weg zum Sieg frei“, geschrieben von Joachim Herrmann (Auszüge)

„Remscheid hat verdient gewonnen. Die Mannschaft hat einfach spielerische Mittel, die wir nicht haben“, kommentierte Langerwehes Trainer Hermann Grümmer am Donnerstag die 0:2-Niederlage seiner Mannschaft. Tatsächlich drohte dem FC-Tor nur wenig Gefahr, und die war auch noch hausgemacht durch einige Leichtsinnsfehler von Kosanovic, die Heinz Meyer (14.) und Federau (30.) in Schußposition brachten. (. . . )

Sonst souverän in der Kontrolle von Ball und Gegner ließen die Pirsig-Schützlinge aber über weite Strecken selbst Druck und Biß vermissen. Abgesehen von einer Glanzparade beim Schuß des agilen und einfallsreichen Bridaitis und Glück beim Nachschuß von Gemein (22.) sowie ebenso viel ..Dusel“ bei Kosanovic’ Lattenknaller (25.) bekam TuS-Torwart Rodriguez wenig Arbeit. So brauchten die Remscheider schon die Hilfe von Langerwehes Abwehrspieler Czomba zur glücklichen Führung. im Stile eines Klassestürmers köpfte der ohne jede Not im Tiefflug einen Flankenball von Kessen unhaltbar ins eigene Tor. (. . . )

„Super herausgespielt (Grümmer) war dagegen der zweite FC-Treffer, der den Gastgebern endgültig den K.o. versetzte. Jo Schmidt, der mit schnellem Antritt mehrfach für Gefahr sorgte, setzte sich mit einem Steilpaß von Freitag am rechten Flügel ab, wartete geduldig, bis Jakubauskas in Stellung gelaufen war und bediente den Litauer mit einer präzisen Flanke. (. . .).

FCR – Bayer Leverkusen Am. 1:0 (0:0) „Der Biß der Klapperschlange“, geschrieben von Andreas Dach

Das elfte Saisontor von Marlin Tilner kam einer Erlösung gleich. Als der exzellente Techniker in der 58. Minute das Leder am langen Leverkusener Keeper Ewen vorbeidrückte, schien eine Zentnerlast von Spielern, Trainern und Betreuern zu fallen. Der Rest war beim 1:0 (0:0)-Sieg des FC Remscheid gegen die auswärtsstärkste Mannschaft der Liga Formsache. Vorbei der „magische Aachener Druck“, der lange Zeit wie ein prall gefüllter Sack auf den Schultern des neuen Oberliga-Meisters zu lasten schien, vorbei die ungeheure Anspannung, die nach zwei nicht gegebenen Elfmetern für Unruhe gesorgt halte.

Der vorletzte Schritt: In Langerwehe setzten sich die Remscheider mit 2:0 durch.

Erst entschied der Unparteiische Pyzalla nach einem Foul von Radschuweit an Peter Gemein auf Weiterspielen (35.), dann erschien ihm das Handspiel von Marx nach einem Schuß von Viktor Bridaitis (39.) nicht strafstoßverdächtig.

Hektik und Nervosität – sogar das berühmt-berüchtigte Abwehrbollwerk erschien in einigen Phasen angesichts Leverkusener Schnörkellosigkeit nicht ganz frei von Problemen. Ohne daß die Fohlen vom Bayer-Kreuz allerdings für Extremsituationen vor Stockis Kasten gesorgt hätten. Letztlich war der Erfolg verdient, weil der FC Remscheid geduldig auf seine Chance wartete und dann im entscheidenden Moment gefährlich wie eine Klapperschlange zubiß.

Knappe zehn Minuten, nachdem Peter Gemein die größte Möglichkeit des Spiels kläglich vergeben hatte. An der Flanke von Jo Schmidt grätschte er vorbei (47.), bekannte hinterher halb spaßend, halb ernst: „Ich bin so blind.“ l.everkusens Amateure enttäuschten nicht, mußten immerhin auf die drei Stars Stammann, Pagé und Schröder verzichten. Mehr als einige Weitschüsse (von Ahlen) sprangen aber nicht heraus.

Randgeschichte: „Zum Feiern hat der neue Meister noch keine Zeit“, geschrieben von Joachim Herrmann

Für Freudentänze waren sie körperlich und nervlich zu kaputt, aber wohl auch zu diszipliniert, um den Gewinn des Meistertitels in der Oberliga Nordrhein hemmungslos zu begießen. „Zum Feiern bleibt keine Zeit’*, mahnte auch Trainer Detlef Pirsig nach dem mühsamen 1:0-Erfolg gestern über die .Amateure von Bayer Leverkusen. Denn schon am Mittwoch beginnt mit dem Auswärtsspiel beim Nord-Vizemeister Göttingen 05 die letzte und - nach der erfolgreichen Aufholjagd der letzten Wochen - gleichermaßen schwierige Etappe auf dem Weg zum Ziel, das da Aufstieg in die zweite Bundesliga heißt.

Die besten Wünsche auch vom Gegner Leverkusen (Trainer Kentschke: „Wir sind ja froh, wenn wir einen schweren Gegner los werden.“) begleiten den FC dabei. Doch ob die Gesänge der Fans („Auf, auf, aufsteigen wir“) in Erfüllung gehen, steht dahin. „Die anderen können auch gut Fußball spielen: Wir brauchen ein bißchen Glück“, beschrieb Pirsig die Chancen. Er hatte im übrigen den richtigen „Riecher“, als er am Samstag nach Herne fuhr; denn dort wurde mit dem SC Verl der Westfalenmeister und Gegner in der Aufstiegsrunde gekürt. „Es ist einfach super, was die Mannschaft bisher geleistet hat“, brach es in der Pressekonferenz schließlich aus dem sonst eher gelassenen Remscheider Trainer heraus.

Geschlaucht von den vielen Nachholspielen zuvor rettete sich der FCR gegen Leverkusen über die Ziellinie.

Rekordverdächtig ist zweifellos die Tatsache, daß die Mannschaft nur elf Tore in 32 Spielen zugelassen hat. Nicht minder bemerkenswert aber die Erfolgsserie der letzten „englischen Wochen“, die natürlich ihre Spuren hinterlassen haben. So wird es Pirsig im heutigen Training langsam angehen lassen, seinen Schützlingen Zeit geben, den Akku wieder aufzuladen. Dienstag nachmittag wird bereits die Reise nach Göttingen angetreten, um sich in einem Hotel in aller Ruhe auf das erste Aufstiegsspiel vorzubereiten.

Beim kommenden Gegner tauchten allerdings gestern Zweifel auf, ob man auch mitspielen darf. Der DFB soll den Tabellendritten Holstein Kiel aufgefordert haben, die Kaution für die zweite Liga zu hinterlegen, weil Göttingen möglicherweise keine Lizenz erhalten werde. Bemerkenswert war gestern nach dem Schlußpfiff der Appell von Leverkusens Manager Reiner Calmund an die Remscheider Fußballfreunde. Es sei doch enttäuschend, meinte er. daß bei diesem so wichtigen letzten Punktspiel so wenig Stimmung im Lenneper Stadion gewesen sei. „Wenn es in die Aufstiegsrunde geht, zählen die Zuschauer als zwölfter oder dreizehnter Mann mit. Sie müssen aber von der ersten Minute an die Mannschaft unterstützen.“

Statistik

Spiel in Langerwehe

Remscheid: 1 Stocki; 2 Griehsbach, 3 Freitag, 4 Kosanovic, 5 Jakubauskas, 6 Schmidt, 7 Kessen (81. Min. 12 Kayser), 9 Bridaitis, 11 Tilner, 8 Pröpper, 10 Gemein (81. Min. 14 Tamulevicius).

Tore: 0:1 (45.) Czomba (Selbsttor), 0:2 (55.) Jakubauskas.

SR: Frorath (Köln).

Zuschauer: 1 100.

Gelbe Karten: D. Meyer,

Rodriguez, Geuenich – Kessen, Jakubauskas.

Zeitstrafe: Kessen (70.).

Spiel gegen Bayer Leverkusen Amateure

Remscheid: 1 Stocki; 2 Griehsbach, 3 Freitag, 4 Kosanovic, 5 Jakubauskas, 6 Schmidt, 7 Kessen, 9 Bridaitis (65. Min. 14 Kröning), 11 Tilner, 8 Pröpper (88. Min. 12 Kayser), 10 Gemein.

Tor: 1:0 (58.) Tilner.

SR: Pyzalla (Oberhausen).

Zuschauer: 2500.

Gelbe Karten: Bridaitis, Jakubauskas, Gemein – Wollenberg.

Zeitstrafe: Stöver (41.).

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