Fußball

Samstagskicker schreiben Erfolgsgeschichte

Dieses Team stellte sich beim Redaktionsbesuch dem Fotografen. Dem Kader gehören aber noch viel mehr Spieler an. Foto: Andreas Dach
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Dieses Team stellte sich beim Redaktionsbesuch dem Fotografen. Dem Kader gehören aber noch viel mehr Spieler an.
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Trainingsbesuch beim VfB Hobby. Schon seit Jahrzehnten wird samstags in Reinshagen Fußball gespielt.

Remscheid. Das Schild ist unübersehbar, wenn auch nicht mehr vollumfänglich aktuell. Samstagskicker steht da. „Wir spielen immer. Seit 1960. Von 11.30 Uhr bis 13.30 Uhr“. Angebracht ist es am Zaun des Nebenplatzes des Stadions Reinshagen und steht für eine außergewöhnliche Gemeinschaft von Fußballern. Mittlerweile haben sie sich dem VfB Marathon Remscheid angeschlossen, nennen sich VfB Hobby. Und gespielt wird von 12 bis 13.30 Uhr. Aber sonst . . .

Als Rolf Gräfe, Horst Laufenberg und die leider schon verstorbenen Manfred Lange und Kurt Orlowski vor 61 Jahren die Idee zum regelmäßigen Kick hatten, konnte niemand ahnen, dass es ein Selbstläufer werden würde. Einer mit einer eigenen Geschichte. Mit ganz treuen Seelen. Und extrem viel Herzlichkeit. Man mag sich. Man foppt sich. Man trägt die Trikots der unterschiedlichsten Lieblingsmannschaften zur Schau. Auch an diesem Samstag, als nebenan auf dem Naturrasenplatz die Vorbereitungen zum Footballspiel des AFC Amboss anlaufen.

Dieter Wagenknecht, mit 79 Jahren der Älteste in der Runde, hat einen Dress von Atlético Madrid übergestreift. „Den habe ich mal bei einem Meisterschaftsspiel auf Mallorca bekommen“, sagt er. Andreas Tacka beweist trikotmäßig, dass er mit dem HSV sympathisiert. Auch in schwierigeren Zweitliga-Zeiten. „Wir nehmen halt jeden bei uns auf“, sagt jemand. Wer es war, lässt sich nicht genau verifizieren. Tacka bleibt dem Team trotz solcher Frotzeleien schon seit Jahrzehnten treu. Er fühlt sich halt wohl. Wie alle anderen auch.

35 Grad im Schatten oder 20 cm Schnee halten die Samstagskicker von VFB Hobby nicht auf

Gespielt wird bei jedem Wetter. „Wir hatten schon 20 Zentimeter Schnee“, steuert Detlef Wild bei. Der langjährige Reinshagener Platzwart, mittlerweile in der Sporthalle Neuenkamp tätig, ist „nur“ noch passives Mitglied. Die Knochen lassen das Fußballspielen nicht mehr zu. Wichtiger Ratgeber ist er trotzdem, schaut gerne vorbei. Auf Eisschollen wurde gekickt. Wie auch bei 35 Grad im Schatten. Wirklich ausgesetzt haben die Samstagskicker nur ganz, ganz selten. Höchstens mal, wenn der Platz durch ein Turnier besetzt war. Oder die Leichtathleten sich dort für eine Veranstaltung warm gemacht haben.

Dieter Wagenknecht und Detlef Wild (v. l.) beim Blick auf alte Mannschaftsfotos der Samstagskicker.

Dann überprüfte man Ausweichmöglichkeiten nach Hons-, Hacken- oder Schaberg. Wenn dort nichts ging, glühten die Telefone. „Die WhatsApp-Gruppe hat es nun um einiges leichter gemacht“, berichtet Wagenknecht, seit 1968 dabei, von schnellem Austausch untereinander. Mit Marcel Maar und einem Pepe („Von einigen weiß ich nur den Vornamen“) hatte er die gute Idee des Gründerquartetts seinerzeit vorangetrieben. Die Mitglieder des VfB-Hobbyteams sind zwischen 16 und 79 Jahren alt. An diesem Samstag sind einige noch in Urlaub. Aber das ist normal. Dann wird das Spielfeld halt kleiner gemacht. Wie jetzt, da auch langjährige Kreisliga-Fußballer wie Maximilian Spataro und Aziz Machrouh dem Team angehören. Jeder hat schon mal jemanden mitgebracht. So konnte man die vielen Jahre gut gestalten, „auch wenn es „Höhen und Tiefen gegeben hat“, wie Wagenknecht zugibt.

Man hat in der Vergangenheit an Turnieren teilgenommen

„Wer bei uns erscheint und sich vernünftig verhält, ist herzlich willkommen“, lautet die Maxime der Hobbyfußballer. Mit dieser Einstellung hat man gute Erfahrungen gemacht, teilweise sogar an Turnieren und Freundschaftsspielen teilgenommen. Verletzungen haben über die lange Zeit Seltenheitswert gehabt. Man achtet aufeinander, übt gegenseitig Rücksicht. Dass es ausgerechnet beim Besuch der RGA-Sportredaktion zu einer schmerzhaften Achillessehnenverletzung kommt, ist Pech. Am kommenden Samstag werden trotzdem wieder alle da sein. Und wenn es nur zum Zuschauen ist. Wie im Fall von Ralf Dietrich. Er ist längst nicht mehr aktiv am Ball. Die Gemeinschaft mag er nicht missen. Jetzt aber geht er vorzeitig. „Meine Frau hat Suppe gemacht“, sagt er. Das hat natürlich Vorrang. Selbst bei den Samstagskickern muss man Prioritäten setzen . . .

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