Motorsport

„Rambo“ entwickelt sich zum Seriensieger

Früher gab Philipp Albuschat auf dem Rasenmähertrecker Gas, heute ist es ein selbst aufgebauter Golf V GTI mit 200 PS. Fotos: Rolf-Dieter Koch
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Früher gab Philipp Albuschat auf dem Rasenmähertrecker Gas, heute ist es ein selbst aufgebauter Golf V GTI mit 200 PS.
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Philipp Albuschat holt sechs Titel in sieben Jahren und wird zwischendurch Meister.

Von Fabian Herzog

Remscheid. So langsam wird´s eng in der Partyhütte der Familie Albuschat. Sechs Mal in den vergangenen sieben Jahren hat Philipp Albuschat die Deutsche Amateur-Rundstreckenmeisterschaft des Neuen Automobil- und Verkehrs-Club (NAVC) gewonnen. Jedes Mal landete der ergatterte Pokal zwar zunächst im Kinderzimmer seiner zwölfjährigen Tochter Nele, dann aber eben irgendwann auch im Gartenhäuschen, das so zum begehbaren Trophäenschrank umfunktioniert wurde. In seinem Golf V GTI (Baujahr 2004, 200 PS) ist der Familienvater, der mit Ehefrau Mirjam auch noch einen Sohn (Linus, drei Jahre alt) hat, eine Klasse für sich.

Wenn Philipp Albuschat im Cockpit sitzt, ist seine Welt in Ordnung.

Nur 2017 hat der 33-Jährige den Titel nicht geholt – weil er ausnahmsweise mal gar nicht an den Start gegangen war. Albuschat konzentrierte sich auf seine berufliche Karriere und bildete sich weiter. Streng genommen blieb der KFZ-Mechatroniker, der bei Audi Messink in Wermelskirchen seit 16 Jahren arbeitet, phasenweise die alleinige Werkstattleitung innehatte und mittlerweile fast das „Mädchen für alles“ ist, aber auch in dieser Phase in der Erfolgsspur: Denn er machte sich innerhalb von sieben Monaten in Vollzeit selbst zum Meister. Diesmal nicht auf der Rennstrecke, sondern bei der Handwerkskammer Düsseldorf.

Albuschat mag es eben, wenn es schnell geht. Gas geben, das war schon immer sein Ding. „Ich habe Benzin im Blut“, sagt er lächelnd und erinnert sich nur zu gerne an seine Motorsport-Anfänge. Im Alter von 15 Jahren nahm ihn ein Bekannter mit zu einem Rundstreckenrennen nach Bitburg, wo er auf einem alten Armeegelände auch ohne Führerschein hinters Steuer durfte. „Da bin ich in einem 75-PS-Polo direkt Dritter geworden.“ Vom einen auf den anderen Tag war er mit dem Motorsportvirus infiziert. Oder, wie er es selbst formuliert: „Da war es um mich geschehen.“

Motor, Getriebe und Karosserie blieben, dennoch entstand ein völlig neues Rennauto

Statt mit dem Rasenmähertrecker hinterm Haus fuhr Albuschat plötzlich auf Strecken in ganz Deutschland. Und das völlig unbekümmert und zum Teil im Kamikazestil: „Ich habe Zweikämpfe gesehen, wo gar keine waren“, erzählt er schmunzelnd. Schnell hatte Albuschat einen Spitznamen weg: Rambo. . .

Mit der Zeit reifte nicht nur der Hückeswagener selber, auch sein Fahrstil wurde kontrollierter. Parallel entwickelten sich seine Autos. Das erste eigene war ein Golf II, einige Jahre später wurde der aktuelle Golf V GTI angeschafft. Innerhalb von sechs Wochen wurde dieser, unter anderem in einer kleinen angemieteten Werkstatt in Born, komplett „bis auf die letzte Schraube“ zerlegt. Wobei bewusst darauf geachtet wurde, dass man die Voraussetzungen für die Rennen der Serienklasse einhält. Bedeutet: Motor, Getriebe und Karosserie müssen serienmäßig bleiben.

Ich werde lieber in einem sauberen, spannenden Rennen Zweiter, als unangefochten Erster.

Philipp Albuschat

Überraschend kommt seine PS-Leidenschaft nicht. Schon sein Vater Frank, der mit den Fritzsche-Zwillingen Heinz-Otto und Jürgen eine Schulklasse besuchte, war begeisterter Motorsportler. Im Autocross, das es in dieser Form heutzutage kaum noch gibt, war er 1982 und 1983 Europameister. „Er hat mich schon mit vier Jahren zur Nordschleife am Nürburgring mitgenommen“, erinnert sich der Sprössling, dessen Opa LKW-Fahrer war.

Trophäenjäger: Albuschat kann sich vor Pokalen kaum retten.

Albuschat selbst wurde von Jahr zu Jahr erfolgreicher. Zum Teil an der Seite des Hückeswageners Stefan Heimchen avancierte er zum Abosieger der Deutschen Amateur-Rundstreckenmeisterschaft, vermisste zuletzt aber ein bisschen die Gegenwehr. „Ich werde lieber in einem sauberen, spannenden Rennen mit vielen Zweikämpfen Zweiter als unangefochten Erster“, sagt der 33-Jährige, der sich deswegen vorstellen kann, die Klasse demnächst zu wechseln. Ob sich das dann auch auf den Platzmangel in der Partyhütte auswirkt, wird sich zeigen.

Nürburgring

Von 2010 bis 2013 arbeitete Albuschat aufgrund seiner Fachkompetenz bei der VLN-Langstreckenmeisterschaft als Chefmechaniker eines Teams und war so 2012 auch Teil des legendären 24-Stunden-Rennens. Also in der Boxengasse. „Ich habe fast 72 Stunden nicht geschlafen“, erzählt er schwärmend. „Das hat schon mega Bock gemacht.“

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