Fußball und Segeln

Jetzt sieht sich Hakan Arzu die Spiele aus der Luft an

Erst war es lange Jahre der Fußball, jetzt ist das Segelfliegen die neue große Leidenschaft des Hakan Arzu. Foto: Thomas Gerlach
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Erst war es lange Jahre der Fußball, jetzt ist das Segelfliegen die neue große Leidenschaft des Hakan Arzu.
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Der langjährige Fußball-Spieler und -Trainer Hakan Arzu hat erfolgreich eine Ausbildung zum Segelfliegen absolviert.

Von Andreas Dach

Früher sind Sie als Fußballtrainer an der Seitenlinie manchmal in die Luft gegangen. Inzwischen geht es weiter hoch hinaus. Sie steuern Segelflugzeuge. Wie ist es dazu gekommen?

Hakan Arzu war viele Jahre Coach in Bergisch Born.

Hakan Arzu: Mein Sohn Sinan macht eine Ausbildung zum Kampfpiloten. Die hat bei der Bundeswehr mit einer Segelflugausbildung begonnen. An einem Wochenende hat er mich nach Oerlinghausen im Teutoburger Wald mitgenommen. Das hat mir unglaublichen Spaß gemacht.

Und dann?

Arzu: Zuhause bin ich gleich ins Internet gegangen und habe mich nach einem ortsansässigen Verein umgeschaut. Ich habe an den Ansprechpartner geschrieben und hatte schon einen Tag später eine Antwort von Christian Ronge. Ich sollte einfach auf dem Flugplatz des LSV Radevormwald vorbeikommen.

Was Sie selbstverständlich gemacht haben.

Arzu: Aber klar. Man bot mir einen Schnupperkurs mit fünf Flügen an. Ich habe abgelehnt und gesagt, dass ich nicht zu schnuppern brauche. Ich war mir sicher.

Ganz schön hartnäckig.

Arzu: Am 1. August 2020 habe ich die Anmeldeunterlagen erhalten, sie ausgefüllt und zwei Stunden später vor Ort wieder abgegeben. Am nächsten Tag war ich auf dem Flugplatz. David Neuber als Lehrer hat mich zu meinem ersten Segelflug mitgenommen. Der hat 35 Minuten gedauert. Er wollte erproben, wie belastbar ich körperlich bin. Steilflug, Abkippen, Schnellflug – es hat mir unglaublichen Bock gemacht, das zu erleben.

Kurze Zeit später begann Ihre Ausbildung.

Arzu: Ich war anfangs viel zu verkrampft. Das ging echt in den körperlichen Bereich. Mit Muskelkater am nächsten Tag, weil ich mich am Steuerknüppel festgekrallt habe. Heute weiß ich, dass das gar nicht nötig ist und man mit viel Gefühl fliegen muss und die Bedienung sogar schon mit zwei Fingern möglich ist.

Wie lange hat es gedauert, bis sie zur Prüfung zugelassen wurden?

Arzu: Insgesamt 79 Flüge mit Starts und Landungen habe ich bis zum 20. Juni dieses Jahres mit dem Lehrer absolviert. Habe Seilrissübungen kennengelernt, das Fliegen von Vollkreisen, den Langsamflug, den Schnellflug mit einer Geschwindigkeit von bis zu 270 Kilometern pro Stunde, den Kompassflug und vieles mehr. Nach 45 Stunden durfte ich erstmals selbst hinter das Steuer.

Gibt es eine offizielle Zahl an Flügen, die man hinter sich bringen muss, bis man die A-Prüfung machen darf?

Arzu: Das ist schülerabhängig. Jüngere Schüler, die fitter sind als ich alter Sack, waren schon nach 60 Flügen so weit. Beim mir hat es halt 19 Flüge mehr gebraucht.

Und dann kommt der Tag X?

Arzu: Eigentlich war ich an diesem 25. Juni nur zum Helfen auf der Anlage in Radevormwald. Habe Flugzeuge mit angeschoben und mich mit weiteren Dingen eingebracht. Aber dann haben die Prüfer die Gunst der Stunde genutzt und mich gefragt, ob ich mal eine Runde fliegen möchte. Erst mit dem einen, dann mit dem anderen. Beide haben danach die Ampel auf Grün gestellt. Ich hatte es geschafft. Und durfte dann gleich auch zum ersten Mal alleine fliegen. Meine Pumpe hat sich fast überschlagen. Es war keiner mehr bei mir in der Maschine, der helfend hätte eingreifen können. Ein unglaubliches Gefühl. Ich bin insgesamt dreimal 20 Minuten geflogen.

Und sind danach mit einem speziellen Fliegerritual beglückwünscht worden.

Arzu: Als ich gelandet bin, waren rund 30 Vereinsmitglieder auf dem Platz, die kurzfristig zusammengetrommelt worden waren, was ich aber gar nicht wusste. Zuerst bekommt man einen Strauß mit Disteln und Dornen in die Hand gedrückt, den man anfassen muss. Danach wird man mit drei oder vier Eimern Wasser übergossen und bekommt schmerzhafte Popoklatscher. Trotz allem – in mir waren nur Glücksgefühle.

Wie sieht es mit dem theoretischen Teil aus?

Arzu: In der Winterpause hatte es einen Zoom-Unterricht mit etwas 100 Stunden gegeben, in welchem alles vermittelt wurde, was wichtig ist. Von der Meteorologie bis zur Navigation. Die eigentliche Prüfung folgt im nächsten Jahr in Düsseldorf. Da muss man bei einem Multiple-Choice-Test von 930 Fragen 75 Prozent richtig beantworten. Gelingt das, kommt noch einmal ein externer Lehrer für zwei Flüge. Hebt er den Daumen, habe ich die Lizenz und darf deutschlandweit sowie im Ausland fliegen. Eine Sprechfunkprüfung muss ich dafür auch noch absolvieren.

Wie oft sind Sie mittlerweile alleine geflogen?

Arzu: Zehnmal! Allesamt mit dem Schulflugzeug. Es folgt bald eine Einweisung mit dem Soloflugzeug, das ist dann deutlich sportlicher.

Was sagt Ihre Familie zu dem neuen sportlichen Hobby?

Arzu: Alle freuen sich sehr mit mir. Ich glaube, mein Sohn Sinan ist sogar noch stolzer als ich.

Orientiert man sich in der Luft an bekannten Orten?

Arzu: Zumindest am Anfang habe ich das gemacht. Vor allem an Sportplätzen. Ah, da ist ja der Kollenberg. Und dort, dort ist ja die Brede.

Was ist das Schwierigste beim Fliegen?

Arzu: Der Start und die Landung. Beides ist eine große Herausforderung. Alles andere geht dann leichter. Wobei man bei aller Freude manchmal auch sehr nachdenklich wird. Beim Fliegen wird man noch deutlicher mit dem Waldsterben konfrontiert. Es ist unglaublich, wie viele braune Flecken man sieht.

Und was macht der Fußball? Keine Ambitionen mehr?

Arzu: Ich habe kürzlich mal beim Training des SSV Bergisch Born vorbeigeschaut und hallo gesagt. Ich bleibe dem Fußball auf jeden Fall verbunden. Vielleicht schaue ich mir demnächst ja mal ein Spiel aus der Luft an . . .

Zur Person

Hakan Arzu wurde am 2. Juli 1966 in Istanbul geboren. Im Alter von zwei Jahren ist er mit seiner Familie nach Deutschland gekommen. Hier lebt er mit Ehefrau Barbara in Lennep. Die gemeinsamen Kinder Sinan und Deniz sind bereits aus dem Haus. Als aktiver Fußballer war er unter anderem für die Spvg. Rade und TuRa Pohlhausen am Ball, als Trainer die meiste Zeit beim SSV Bergisch Born.

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