Triathlon

Benjamin Lenatz muss die Paralympics abhaken

Andere wären an den vielen gesundheitlichen Rückschlägen zerbrochen. Nicht so der Hückeswagener Benjamin Lenatz. Foto: FL
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Andere wären an den vielen gesundheitlichen Rückschlägen zerbrochen. Nicht so der Hückeswagener Benjamin Lenatz.
  • Andreas Dach
    VonAndreas Dach
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Behindertensportler reist nicht nach Tokio – Sport bleibt wichtiger Bestandteil seines Lebens

Remscheid/Hückeswagen. Es war sein großer Traum. Der Teilnahme an den Paralympischen Sommerspielen hatte der Hückeswagener Behindertensportler Benjamin Lenatz vieles, wenn nicht sogar alles untergeordnet. Mittlerweile ist klar: Die Wettbewerbe in Tokio, die zwischen dem 24. August und dem 5. September stattfinden und an denen 400 Athleten aus 21 Nationen teilnehmen, werden definitiv ohne den Paratriathleten stattfinden, der in seiner Vorbereitung durch eine Krebserkrankung entscheidend zurückgeworfen worden war.

„Bei der Nominierung, die vor Kurzem stattgefunden hat, wurde ich nicht aufgezählt“, sagt Lenatz. „Mir haben noch ein oder zwei gute Ergebnisse gefehlt, die ich aufgrund meiner Erkrankung nicht erzielen konnte. Zudem wäre ich durch sie und die Nebenwirkungen nicht leistungsfähig genug gewesen.“

Der Hückeswagener war auf einem richtig guten Weg gewesen, seit er ab November 2019 den Fokus komplett auf die Paralympics gerichtet hatte. Seine Leistung wurde immer besser. Tokio 2020 war greifbar nahe. Dann kam der Krebs. Mit allem, was ihn so tückisch macht. Als wären Nebenwirkungen, Zweifel und angeknackste Psyche nicht genug gewesen, gesellte sich auch noch die Coronapandemie dazu. Aus Tokio 2020 wurde Tokio 2021 – für Benjamin Lenatz letztlich unerreichbar.

„Ich kann nicht verhehlen, dass es mir nicht weh tut, das Ziel nicht erreicht zu haben“, gibt Lenatz zu. Es war für mich immer präsent gewesen. Poster im Trainingsraum, Motivation bei schwierigen Einheiten, tolle Ergebnisse bei Sportereignissen in aller Welt, Menschen und Unterstützer, die ihm immer das Vertrauen geschenkt haben – es gab so viele positive Ansätze. Doch Lenatz musste und muss umdenken.

Nebenwirkungen in den Griff bekommen und auf Wunder hoffen

Er wird die Wettbewerbe vor dem Fernseher erleben und sich vorstellen, wie es für ihn in Fernost gelaufen wäre. Mit kompletter Fitness und ohne Blutkrebs. Benjamin Lenatz ist nachdenklich geworden. Noch mehr, als er dies immer gewesen ist. Dazu ist eine große Portion Demut gekommen. Zu viel ist in den vergangenen Jahren auf ihn eingeprasselt. Der Quad-Unfall, der zu seiner Querschnittslähmung geführt hat. Die Krebserkrankung. Das verpasste Tokio-Ziel. Und jetzt auch noch die Flutkatastrophe, die für ihn und seine Frau in Hückeswagen zu einer zwei Nächte langen Evakuierung führte.

Eine Menge Holz. Doch Lenatz war, ist und bleibt ein Kämpfer. Er will die Nebenwirkungen (noch) besser in den Griff bekommen. Er sagt: „In knapp zwei Jahren wird dann sehr wahrscheinlich versucht, die Chemotherapie, die ich in Tablettenform bekomme, abzusetzen.“ Der Sport wird weiterhin ein großer Bestandteil seines Lebens bleiben. Weil er seiner Therapie positive Effekte verleiht, weil er Spaß macht und weil er andere Menschen motiviert. „Vielleicht gibt es für mich ja ein kleines Wunder“, sagt er. Soll heißen: Ganz abschreiben sollte man den Paratriathleten Benjamin Lenatz auf nationaler und internationaler Ebene trotz der unfassbaren Schicksalsserie nicht.

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