Fußball-Analyse

Kräfteverhältnisse haben sich verschoben

Beim letzten Derby Anfang Oktober ging es im Röntgen-Stadion zwischen dem FCR und dem SV 09/35 zur Sache. Foto: Michael Sieber
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Beim letzten Derby Anfang Oktober ging es im Röntgen-Stadion zwischen dem FCR und dem SV 09/35 zur Sache.
  • Peter Kuhlendahl
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In der Fußball-Landesliga ist die Hinrunde beendet – der SV 09/35 steht aktuell vor dem FCR.

Remscheid. Als Bezirksligist VfB Marathon Remscheid vor ein paar Tagen im Kreispokal knapp in der Verlängerung gegen den Landesligisten SV 09/35 Wermelskirchen verlor, erklärte Marathon-Coach Dominik Müller, er sei schon stolz, dem besten Team des Kreises so lange Paroli geboten zu haben. Diese Pole-Position hat über Jahrzehnte der FC Remscheid gepachtet. Aktuell haben sich die Kräfteverhältnisse der beiden Landesligisten verschoben. Oder etwa nicht? Dies ist unter anderem Thema nachfolgenden Analyse. Dazu gibt es eine Bestandsaufnahme der Liga nach dem Ende der Hinrunde und einen Ausblick, wie es angesichts der Corona-Pandemie weiter gehen könnte.

Ist der SV 09/35 aktuell die Nummer eins im Fußballkreis?

Wenn man einen Blick auf die Tabelle wirft und die jüngsten Ergebnisse in den Spielen gegeneinander betrachtet, dann ja. Im August bezwangen die Wermelskirchener im Finale des Kreispokals den FCR im Röntgen-Stadion mit 1:0. Mitte Oktober gelang ihnen an gleicher Stätte in der Meisterschaft wieder das Kunststück beim 2:1. Wenn man sich die aktuelle Tabelle anschaut, wird auch hier Hierarchie deutlich. Nach dem Remis im Nachholspiel am vergangenen Samstag gegen Überruhr rangiert das Team weiter im Quartett der Spitzenteams. Und falls das Nachholspiel in Duisburg auch gewonnen wird, würde der SV 09/35 auf den zweiten Tabellenplatz springen. Der FC Remscheid rangiert nach der Hinrunde mit aktuell vier Punkten Rückstand auf den Kreisrivalen auf dem sechsten Platz.

Was sind die Gründe für den Erfolg der Wermelskirchener?

Die Mannschaft hat bisher das gezeigt, was fast alle in der Liga vermissen lassen: Konstanz. Und hat sich auch von Rückschlägen nicht aus der Ruhe bringen lassen. So musste das Team vor einigen Wochen aufgrund von vier Corona-Fällen im Kader in eine Zwangspause in der Meisterschaft einlegen und musst auch das Training unterbrechen. Trainer Sebastian Pichura scheint ein eingeschworenes Team geschaffen zu haben.

Wird der Höhenflug anhalten und gibt es nun neue Ziele?

Der SV 09/35 hat in den jüngsten beiden Landesligaspielen geschwächelt. Auf die 2:6-Pleite in Speldorf folgte eben das Remis gegen den Tabellenletzten. Die Antwort, wohin die Reise geht, wird es in den nächsten Wochen geben. Das Restprogramm vor der Winterpause hat es aber in sich. Am kommenden Sonntag ist der aktuelle Tabellenführer aus Mülheim zu Gast. Dann empfängt man im Viertelfinale des Kreispokals den FCR. Vier Tage später geht es dann zu den hochgehandelten SF Hamborn und schließlich zum Nachholspiel nach Duisburg. Die Verantwortlichen selbst sind immer realistisch geblieben. „Wir wollen uns ein Punktepolster für die Winterpause anlegen“, hatte Trainer Sebastian Pichura bereits vor einigen Wochen betont und spielte damit auch darauf an, dass in dieser Saison von den 14 Teams in der Landesliga gleich vier Mannschaften absteigen müssen.

Wie geht man bei FCR damit um, aktuell die Nummer zwei zu sein?

Aussagen dazu gibt es keine. Allerdings verheimlichte man nicht, dass die Schadenfreude vor einer Woche groß war, als man den Spitzenreiter aus Mülheim klar mit 3:0 bezwang und die Wermelskirchener in Speldorf untergingen. Auch die unschönen Szenen, die sich nach dem Derby Anfang Oktober auf dem Rasen abspielten, machten deutlich, dass sich die beiden Clubs – auch wegen einiger personeller Querverbindungen – nicht unbedingt grün sind. So kam es nicht nur zu Rudelbildungen, Provokationen und verbalen Entgleisungen, sondern auch zu Handgreiflichkeiten.

Mit dem bisherigen Verlauf der Saison dürfte der FCR nicht zufrieden sein. Woran lag es?

Die Hinrunde der Remscheider ähnelte einer Achterbahnfahrt mit Höhenflügen und steilen Abstürzen. Die mangelnde Konstanz dürfte auch daran liegen, dass FCR-Trainer Marcel Heinemann aufgrund von verletzten, erkrankten oder gesperrten Spielern nie auf die gleiche Formation setzen konnte. Als Beispiel sei Vincenzo Lorefice genannt. Der verletzungsanfällige Stürmer konnte noch nicht eine Minute spielen.

In den letzten Spielen zeigte die Formkurve aber deutlich nach oben. Gibt es Gründe?

Es ist zwar eine platte Fußballweisheit, aber gegen vermeintlich schwächere Teams der Liga hat sich der FCR immer schwer getan. Selbst das Spiel in die Hand zu nehmen, ist nicht unbedingt die Stärke des Teams, das lieber auf die Konter seiner pfeilschnellen Offensivkräfte setzt. Dazu kam zuletzt auch eine taktische Systemumstellung des Coaches.

Was ist nun noch möglich?

Auch für die Remscheider gilt angesichts der erhöhten Abstiegsquote, möglichst schnell auf der sicheren Seite zu sein. Ansonsten wird angesichts der zuletzt guten Auftritte gegen die vermeintlichen Topteams der Liga auch wieder ein wenig Richtung Tabellenspitze geschielt. Endgültig richtungweisend dürften die beiden noch ausstehenden Spiele vor der Winterpause in Klosterhardt und gegen Burgaltendorf werden. Sollten auch hier Erfolge eingefahren werden, ist alles möglich. Die Liga scheint in dieser Saison ausgeglichen wie nie.

Die sich verschärfende Corona-Pandemie dürfte bei allen für Sorgenfalten auf der Stirn sorgen.

Aufgrund einer Änderung der Spielordnung im Sommer findet eine sportliche Wertung statt, wenn die Hinrunde beendet sei. Das wäre sie am vergangenen Wochenende eigentlich auch gewesen. Allerdings stehen aufgrund von Ausfällen wegen Coronafällen noch drei Nachholspiele aus. Das letzte am 11. Dezember. Eine Woche nach dem eigentlichen Beginn der Winterpause, die dann drei Monate dauern wird. Alle Beteiligten hoffen nun, dass bis dahin auch gespielt werden kann. Sämtliche noch ausgetragenen Partien würden dann auch in eine mögliche Wertung kommen. Auch die Partien der Rückrunde, die ab dem kommenden Sonntag stattfinden.

Was passiert, wenn es wegen der hohen Inzidenzen vorher einen sportlichen Lockdown gibt?

Dann gehen alle mit einer großen Ungewissheit in die lange spielfreie Zeit. Allerdings hoffen alle, dass die Pandemie im Frühjahr – erst Anfang März soll es weitergehen – ihre Dynamik verloren hat. Die Staffeln waren ja auch bewusst klein gehalten worden, um die Saison auch mit einer langen Unterbrechung zu einem sportlichen Ende zu bringen.

Rubrik

Immer dienstags greifen wir spezielle Themen auf und haken nach. Gibt es Fragen, welche unbeantwortet geblieben sind? Oder Dinge, die eingeordnet werden müssen? Dem nehmen wir uns ausführlich an. In der aktuellen Analyse schauen wir auf die Fußball-Landesliga und die beiden dortigen beheimateten Teams aus dem Fußballkreis Remscheid.

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