Fußball

„Ich bin schon gefettet und aufgepumpt“

Der traurige Herr Fuß Ball möchte endlich raus aus der Tonne und hofft auf ein baldiges Ende der Coronaeinschränkungen. Symbolbild: Michael Sieber
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Der traurige Herr Fuß Ball möchte endlich raus aus der Tonne und hofft auf ein baldiges Ende der Coronaeinschränkungen.
  • Andreas Dach
    VonAndreas Dach
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Der Fuß Ball schaut auf ein problematisches Jahr zurück – Kumpels wie Volley und Hand geht es nicht besser

Remscheid. Wie treffen Sie in einem arg zerknirschten Zustand an, Herr Ball. Sie wirken einigermaßen platt. Die letzten Wochen und Monate sind nicht spurlos an Ihnen vorbei gegangen.

Fuß Ball: Wie hätten sie das auch tun sollen angesichts der Corona-Pandemie und der damit verbundenen Zwangspause? Ich war mit einigen Kumpels in einem Ballnetz eingesperrt, welches in einem muffigen Materialraum untergebracht war. Da darf man doch schon einmal auf trübe Gedanken kommen, oder nicht?

Dass ihr Typ nicht gefragt ist, kennt man so ja auch gar nicht.

Ball: Mich gibt es schon seit Ewigkeiten, und man liebt mich. Das kann auf Schulhöfen sein, in Gärten, bei offiziellen Veranstaltungen – überall komme ich im Normalfall zum Einsatz. Dass man auf mich mal verzichtet, passiert höchstens in Sommerpausen. Aber selbst da nehmen mich die Fußballer zum Teil mit zum Ballermann nach Mallorca oder zur Abschlusstour nach Holland. Wenn einige dann ein paar Bierchen zu viel konsumiert haben, passiert es schon mal, dass ich im Meer oder hinter dem Deich lande. Aber man holt mich immer wieder zurück. Schließlich werde ich heiß und innig geliebt.

War es denn nicht ein angenehmes Gefühl, mal nicht mit Tritten malträtiert zu werden?

Ball: Es ist bestimmt nicht immer vergnügungssteuerpflichtig, wenn man mich volley nimmt oder ich mit Schmackes an Pfosten und Latte geknallt werde. Auch Schnee, Matsch und Eis sorgen nicht unbedingt für Wohlfühlatmosphäre. Andererseits: Die Emotionen zu beobachten, die dabei im Publikum geweckt werden, ist schon etwas Besonderes. Und dann gibt es ja auch die Künstler am runden Leder. Wenn du bei einem Freistoß quasi in den Winkel gestreichelt oder per Hackentrick zum Nebenspieler weitergeleitet wirst – da bekomme selbst ich Gänsehaut.

Corona begleitet Sie, wie viele andere auch, schon länger als ein Jahr. Wissen Sie noch, wie alles losging?

Ball: Na klar. Als die Meldungen Ende 2019 aus China kamen, haben wir noch darüber gewitzelt. Die Spieler dort gelten nicht wirklich als Erfinder des Fußballs. Wenn da meine Ball-Kollegen mal ein paar Tage Pause haben – wen stört das? So dachte ich. Doch dann schwappte die Pandemiewelle auch zu uns herüber, und so langsam wurde jedem die Tragweite bewusst. Spätestens, als der lokale Sport Mitte März 2020 auch die ersten Folgen zu spüren bekam.

Die Dämme sind ziemlich flott gebrochen.

Ball: Das hat ja dann nicht nur uns getroffen, sondern auch unsere Kumpels namens Hand, Foot, Volley, Tennis oder Basket. Auch andere Sportarten haben die ganze Corona-Wucht zu spüren bekommen. Zunächst haben wir alle noch gedacht, dass die Pause kurz ist. Vielleicht ein paar wenige Wochen dauern würde. Inzwischen wären wir schon froh, wenn es im Herbst 2021 wieder auf die Anlagen und in die Stadien gehen könnte. Spätestens dann soll man uns nur noch zur Seite legen müssen, wenn die Plätze nach Dauerregen mal überflutet oder tief verschneit sind und nichts geht. Oder weil gerade ein neuer Kunstrasen verlegt wird und vielleicht keine Ausweichanlage zur Verfügung steht.

Bedeutet: Sie sind heiß.

Ball: Aber hallo. Ich bin gefettet, aufgepumpt und in praller Vorfreude. Man muss mich und meine Kollegen nur aus dem Ballnetz oder aus der Tonne holen, dann sorgen wir für Spaß. Und zwar von der ersten Sekunde an. Schließlich ist das unsere vordringlichste Aufgabe. Ich will meinen Job machen und dafür sorgen, dass es allen gut geht, die mich lieben. Mich Fuß Ball also.

Wenn Sie im Profisport beheimatet wären, hätte es keine Zwangspause gegeben.

Ball: Ich schaue mir das gerne aus der Ferne an. Der Profifußball ist ein gewaltiges Geschäftsmodell. Neid kommt da bei mir nicht auf. Viele sehen es zwar kritisch, dass in der Bundesliga gekickt wird. Aber man muss anerkennen, dass das Modell funktioniert. Mit ständigen Tests und Kontrollen. Mit wenigen Ausnahmen kann gespielt werden. Dass Teams, wie gerade erst Hertha BSC, für einige Zeit in Quarantäne gehen mussten, ist die absolute Ausnahme. Für mich wäre das trotzdem nichts. Ich bevorzuge es eindeutig, im Amateurbereich eingesetzt zu werden. Da ist zwar auch nicht alles Gold, was glänzt, aber es ist natürlicher, ursprünglicher und echter.

Was macht Ihnen Hoffnung, dass es in absehbarer Zeit endlich wieder losgehen kann?

Ball: Ich setze auf die Vernunft aller. Als zwischen den Lockdowns mal wieder Sport getrieben werden konnte, haben sich längst nicht alle an die Regeln gehalten. Einige Zuschauer trugen die Masken unter dem Kinn. Andere wurden sogar arg keck, als sie von Ordnern auf ihr Fehlverhalten angesprochen worden sind. Dass einzelne Mannschaften trotz Verbots sogar trainiert haben, war ebenfalls nicht zielführend. All das muss sich ändern. Denn nur dann kann meine große Stunde wieder schlagen. Hoffentlich bald.

Persönlich

Laut Wikipedia ist der Ball ein rundes, üblicherweise kugelförmiges, seltener ovales, elastisches Spielzeug oder Sportgerät aus Leder, Gummi oder Kunststoff. Er wird für unterschiedliche Spielarten genutzt. Die meisten Anhänger hat der Fußball. Durch Aufpumpen auf einen bestimmten Druck entsteht die Kugelform.

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