Fußball

FCR: Im Stile einer Klasse-Mannschaft

Beschwingt vom 4:0 gegen den Wuppertaler SV nahm der FCR auch die Hürde Viktoria.
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Beschwingt vom 4:0 gegen den Wuppertaler SV nahm der FCR auch die Hürde Viktoria.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
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Der Weg vor 30 Jahren in die 2. Fußball-Bundesliga – Teil neun mit dem Kölner Doppelpack

Remscheid. Vom Jäger zum Gejagten. Diesen Wandel erlebten die Oberliga-Fußballer des FC Remscheid Anfang Mai 1991. Denn mit der berauschenden 4:0-Gala gegen den bis dato punktgleichen Spitzenreiter Wuppertaler SV hatten sie vier Spieltage vor dem Ende der regulären Saison die Pole Position übernommen. Zur Erinnerung: Nur der Oberliga-Meister durfte an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga teilnehmen.

Es sollte, wie viele wissen, am Ende reichen für den FCR. Letztmals gelang ihm der Sprung in die Zweitklassigkeit, den wir mit den Original-Spielberichten von damals in dieser Serie noch einmal aufleben lassen wollen.

Viktoria Köln - FCR 1:2 (0:1) „FCR ist nicht zu stoppen“, geschrieben von Andreas Dach

Der FC Remscheid läßt sich auf dem Weg zur Meisterschaft nicht beirren. Nach dem 2:1 (1:0)-Sieg bei Viktoria Köln trennen die Mannschaft von Detlef Pirsig „nur“ noch drei Spiele vom Oberliga-Titel. Am „Tag der Arbeit“ war allerdings ein gehöriger Batzen Arbeit zu bewältigen, ehe der FCR zwei wichtige Punkte im Sack hatte. Die Matchwinner: Sigitas Jakubauskas und Martin Tilner. Beide erzielten ihre Treffer in ganz wichtigen Augenblicken.

Der Litauer (30.), als Remscheid gehörig unter Druck stand. „Tilli“ (85.), als Viktoria in der Schlussphase mit dem Mute der Verzweiflung gegen die drohende Niederlage ankämpfte. Der zehnte Saisontreffer des Spielmachers, der neben Bridaitis, Jakubauskas und Kosanovic zu den stärksten Remscheidern gehörte.

Einmal mehr avancierte Sigitas Jakubauskas zum Matchwinner der Remscheider gegen die Amateure des 1. FC Köln.

Daß der FCR drei Tage nach dem „Überspiel“ gegen den WSV nicht wieder an die obere Grenze gehen konnte, war klar. Dass er die Partie trotzdem letztlich im Stile einer Klassemannschaft nach Hause schaukelte, spricht für die gute Moral. Sicher – die Anfangsminuten hatten es in sich. Viktoria, gestärkt durch 11:1-Punkte in Folge, legte los wie die Feuerwehr. Merfeld knapp drüber (3.), Rother (er wird mit dem FC in Verbindung gebracht) per Kopfball an die Latte, Merfeld in die Arme von André Stocki (28.) - Detlef Pirsig hielt es nicht mehr lange auf der Bank. „Ihr müßt energischer draufgehen“, meckerte er. Publikumsliebling Sigitas Jakubauskas nahm sich seine Worte zu Herzen. Er schlich sich davon, donnerte aus 20 Metern einfach drauf: 0:1! Und die Begegnung stand urplötzlich auf dem Kopf.

Viktoria geschockt, Remscheid gestärkt. Obwohl André Kröning nach der Pause mit Leistenbeschwerden draußen bleiben mußte, stand der Erfolg nicht mehr auf der Kippe. Erst recht nicht, als Thomas Krisp ausrastete und Viktor Bridaitis völlig unmotiviert umtrat (65.). Rot für den Mönchengladbacher Ex-Profi – richtig! Warum Schiedsrichter Hans-Jürgen Baier allerdings nicht auf den Elfmeterpunkt zeigte, sondern den Tatort vor den Strafraum verlegte, bleibt sein Geheimnis. So fiel die endgültige Entscheidung schließlich Martin Tilner in den Schoß. Er machte vor, wie man einen Konter erfolgreich abschließt. Ein Blick, ein Schuss – geschafft! Und Jo Schmidt staunte. Der „Turbo“ war in einer ähnlichen Situation noch kurz zuvor gescheitert. Viktorias Anschlusstreffer durch Herren (85.) bedeutete indes nur noch Ergebniskosmetik. Auch wenn FCR-Libero Uwe Freitag schimpfte: „Plötzlich hatte es wohl keiner mehr nötig, sich nach hinten zu orientieren.“

FCR - 1. FC Köln Amateure 1:0 (1:0) „Späte Entscheidung - nervenstarker Sigi“, geschrieben von Andreas Dach

Hoher Besuch im Stadion Lennep. Leverkusens Manager Reiner Calmund und Dortmunds Co-Trainer Michael Henke nahmen Carsten Pröpper („Das belastet mich schon etwas“) kritisch unter die Lupe. Sie bekamen nicht nur einen kampfstarken Spielmacher zu sehen, sondern auch Spannung, Dramatik und Nervenkitzel. Die Entscheidung beim 1:0 (0:0) des FC Remscheid gegen die Amateure des 1. FC Köln fiel erst in der 82. Minute.

Dafür verantwortlich: Nicht etwa ihr „Beobachtungsobjekt“, sondern der Mann mit der Nummer fünf. Sigitas Jakubauskas. Der clevere Litauer mit dem untrüglichen Torinstinkt. Als 1700 entsetzte Fans immer wieder auf die Uhr schauten, schon nicht mehr an den soooooo wichtigen Erfolg glaubten, schlich sich „Sigi“ in den Strafraum, hob das Anspiel seines Landsmannes Viktoras Bridaitis cool ins Netz. Die 82. Minute - und Riesenjubel in Lennep. Die Meisterschaft winkt.

Ralf Kessen zuckte erleichtert mit den Schultern: „Ein Arbeitssieg.“ Der Rackerer traf den Punkt. Das Marathonprogramm (14 Spiele in 42 Tagen) zeigte nämlich seine Wirkung. „Colonia“ igelte sich mit Mann und Maus hinten ein, der FCR sah sich einem Bollwerk gegenüber. Alle Schüsse, alle gut gemeinten Aktionen prallten ab. Wie von einer Gummiwand. Und als Michael Griehsbach doch den „Weg zum Erfolg“ gefunden zu haben schien, spielte Schiri Giesen nicht mit. Alle hatten gesehen, daß „Griesis“ Knaller im Strafraum am Abwehrarm von Udo Henn gelandet war (34.). Nur der Schwarzkittel aus Odenthal nicht. „Das war kein Handspiel“, bekundete er später im Brustton der Überzeugung, verweigerte den fälligen Elfmeter.

So mußte Detlef Pirsig leiden. Am Tag zuvor hatte er noch die 0:4-Pleite des Nord-Meisters Wolfsburg in Hoisdorf beobachtet, gestern wurden auch ihm Stress-Symptome fühlbar nahegebracht. „Gegen eine defensive Truppe ist es schwer zu spielen“, hielt er mit Kritik hinter dem Berg. Vielleicht fehlte ihm auch sein „Assi“ Friedhelm Vos. Der war mit Block und Bleistift in Göttingen, machte sich dort Notizen.

Statistik

Das Spiel bei Viktoria

FC Remscheid: 1 Stocki, 2 Griehsbach, 3 Freitag, 4 Kosanovic, 5 Jakubauskas,

6 Bridaitis, 7 Kessen, 8 Pröpper, 9 Kröning (46. 12 Schmidt), 10 Gemein (76. 13 Kayser), 11 Tilner.

Schiedsrichter: Hans-Jürgen Baier (Troisdorf).

Zuschauer: 1400.

Tore: 0:1 (30.) Jakubauskas, 0:2 (85.) Tilner, 1:2 (88.) Herren.

Rote Karte: Krisp (65.)

Gelbe Karten: Griehsbach, Bridaitis, Kessen, Gemein.

Das Spiel gegen Köln II

FC Remscheid: 1 Stocki, 2 Griehsbach (46.12 Schmidt), 3 Freitag, 4 Kosanovic, 5 Jakubauskas, 6 Bridaitis, 7 Kessen, 8 Pröpper, 9 Kröning (82. 15 Tamulevicius), 10 Gemein, 11 Tilner.

Schiedsrichter: Giesen (Odenthal).

Zuschauer: 1700.

Tor: 1:0 Jakubauskas (82.).

Zeitverweise: Kosanovic (74.) - Neuß (65.).

Gelbe Karten: Jakubauskas - Neuß.zwei

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