Fußball

FCR-Erfolgsrezept: Jeder spielt für jeden

Die Tabelle nach dem FCR-Remis in Bonn. Viel spannender hätte es an der Spitze nicht zugehen können.
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Die Tabelle nach dem FCR-Remis in Bonn. Viel spannender hätte es an der Spitze nicht zugehen können.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
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Der Weg vor 30 Jahren in die 2. Fußball-Bundesliga – Teil 7 mit dem Sieg gegen Bad Honnef und dem 0:0 in Bonn

Remscheid. Von Woche zu Woche stieg im Frühling 1991 die Spannung in der Fußball-Oberliga. Auf dem Weg in die 2. Bundesliga, den wir in dieser Serie mit Original-Spielberichten von damals noch einmal dokumentieren, absolvierte der FC Remscheid ein Nachholspiel nach dem anderen und pirschte sich an die Tabellenspitze heran. Das enorme Pensum zehrte aber an den Kräften.

FCR – Bad Honnef 2:0 (1:0) „Tilners Regiekünste“, geschrieben von Wolfgang Röhrig

„Wir hatten heute keine Chance.” Heinz Hornig, Trainer beim FV Bad Honnef, mußte nach Schlusspfiff die 0:2 (0:1)-Niederlage seiner Mannschaft beim FC Remscheid neidlos anerkennen. 1200 Zuschauer erlebten gestern Abend mit, wie sich die Remscheider immer mehr der Tabellenspitze der Oberliga Nordrhein nähern. Hornig ist sicher: „Remscheid wird Meister.”

Mit viel Power startete der FCR in die Partie. Allerdings ersatzgeschwächt, denn mit Frank Kayser, André Kröning und Viktor Bridaitis fehlten verletzungsbedingt gleich drei Leistungsträger. Nur Bridaitis saß auf der Bank. Er kam erst nach einer Stunde Spielzeit für Carsten Pröpper. Der blonde Mittelfeldspieler litt unter den Auswirkungen einer Magen- und Darmgrippe. Detlef Pirsig: „Wir müssen ihm hoch anrechnen, daß er dennoch spielen wollte.”

Pröppers Einstellung ist ein Punkt des Erfolgsrezepts: Hier spielt jeder für jeden. Das ist nötig, denn von Spiel zu Spiel präsentierten sich zuletzt immer wieder andere Spieler mit kleinen Formschwächen. Doch langsam wird das Gefälle kleiner.

Gestern Abend profitierte der FCR erneut von der überragenden Leistung eines Martin Tilners. Er rackerte im Mittelfeld, forderte immer wieder den Ball, bestimmte den Spielrhythmus und lenkte die Mannschaft. An ihm orientierten sich die Mitspieler.

Stark spielte auch Sigitas Jakubauskas in seiner ungewohnten Rolle als linker Außenverteidiger. Schade, daß Landsmann Stanis Tamulevicius vor ihm nie Bindung zum Spiel fand. Er wirkte überhastet und unkonzentriert.

Dem FCR half sicher das frühe Tor durch Jo Schmidt (3.) nach herrlicher Vorarbeit von Peter Gemein. Danach konnten die Remscheider ihr Spiel spielen. Sie ließen Ball und Gegner laufen, taten nur so viel wie eben möglich. Aber in den entscheidenden Situationen fast immer das Richtige. Noch einmal Heinz Hornig: „Diese Mannschaft kommt spielerisch über die Runden. Das ist ihr großer Vorteil!“

Bonner SC – FCR 0:0 „FCR kam nochmal davon“, geschrieben von Wolfgang Röhrig

Beim 0:0 gegen den Bonner SC ist der FC Remscheid noch einmal davongekommen. Als der oft recht eigenartig pfeifende Kölner Schiedsrichter Sporck die Partie abpfiff, konnten die Remscheider froh sein, wenigstens einen Punkt bei den erstaunlich kampf- und spielstarken Bundeshauptstädtern geholt zu haben. Vor allem in der Schlussviertelstunde verzeichneten die Bonner drei hochkarätige Torchancen.

Einmal mehr war es FCR-Torhüter André Stocki, der mit seinen Glanzparaden eine mögliche Niederlage verhinderte. Stocki war der einzige Remscheider, der dank einer guten Leistung es verdient hat, positiv erwähnt zu werden. Alle anderen Akteure blieben deutlich unter ihren Möglichkeiten.

Mit Fotos von Holger Battefeld und Texten von Wolfgang Röhrig berichtete der RGA am 22. April 1991 vom 0:0 in Bonn.

Dabei fing das Spiel für die Gäste vielversprechend an. Schon nach 90 Sekunden traf Viktor Bridaitis nach einem Traumpass von Carsten Pröpper nur den Pfosten. Danach herrschte dicke Luft im Bonner Strafraum. Aber der Ball wollte nicht über die Torlinie.

Mit zunehmender Spieldauer verkrampfte das Remscheider das Spiel. Bonn machte sich frei und spürte förmlich, dass an diesem Nachmittag dem großen Favoriten beizukommen war. Plötzlich agierte auch die FCR-Abwehr nicht mehr so souverän wie in den letzten Wochen. Selbst so erfahrene Spieler wie Zdenko Kosanovic und Uwe Freitag patzten gewaltig.

Was der FCR in der zweiten Halbzeit bot, war schlichtweg schlecht. Die Mannschaft erspielte sich nicht eine einzige echte Chance. Immer wieder wurde der Ball stur in die Mitte gespielt. Die Flügel blieben stumpf und fast jeder Remscheider verlor gegen sein aufopferungsvoll kämpfenden Gegenspieler die Zweikämpfe.

Zudem lief ihnen die Zeit davon. Hektik kam auf und am Ende trabten die elf mit sich unzufriedenen Remscheider vom Feld. Trainer Detlef Pirsig: „Einige Spieler werden zur Zeit mit der Situation nicht fertig. Solch einen Stress wie zur Zeit haben viele von uns noch nie erlebt. Daran müssen wir arbeiten.“ Pirsig ist zuversichtlich, dass sich bis zum nächsten Spiel auch wieder die körperliche Verfassung verbessert.

Der FCR leistete sich einen am Leistungsvermögen gemessen unnötigen Punktverlust. Aber der Flop ist zur jetzigen Zeit korrigierbar. Schon am Mittwoch (18.45 Uhr in Lennep) soll gegen Langerwehe das in Bonn Versäumte nachgeholt werden.

Statistik

Das Spiel gegen Bad Honnef

Remscheid: 1 Stocki, 2 Griehsbach, 3 Freitag, 4 Kosanovic, 5 Jakubauskas. 6 Schmidt, 7 Kessen, 8 Pröpper (ab 58. 12 Bridaitis), 9 Tamulevicius (ab 78. Grabienski), 10 Gemein, 11 Tilner.

SR: Möllney (Essen).

Zuschauer: 1200.

Tore: 1:0 (3.) Schmidt, 2:0 (72.) Jakubauskas (Handelfmeter).

Zeitstrafe: Dahr.

Gelbe Karten: Kessen, Bridaitis – Gerhards, Dahr.

Das Spiel in Bonn

FC Remscheid: 1 Stocki: 2 Griehsbach (ab 68. 12 Tamulevicius), 3 Freitag, 4 Kosanovic, 5 Jakubauskas, 6 Bridaitis, 7 Kessen. 8 Pröpper (ab 82. 13 Grabienski), 9 Schmidt, 11 Tilner.

SR: Sporck (Köln).

Zuschauer: 800.

Zeitstrafen: Bridaitis, Grabienski (beide FCR).

Gelbe Karten: Jakubauskas, Tamulevicius, Kosanovic (FCR) – Ahlberg, Chawada (Bonn).

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