Interview der Woche

Er spielt und spielt und spielt . . .

Armin Dittmann kann sich ein Leben ohne Tischtennis auch nach einem halben Jahrhundert an der Platte nicht vorstellen. Archivfoto: batte
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Armin Dittmann kann sich ein Leben ohne Tischtennis auch nach einem halben Jahrhundert an der Platte nicht vorstellen.
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Armin Dittmann ist seit mehr als 50 Jahren für die Tischtennis-Abteilung der SG Kolping Remscheid aktiv.

Remscheid. Das Gespräch führte Peter Kuhlendahl

Herr Dittmann, in vielen Sportarten ist die Weihnachtspause beendet, und es wird wieder um Punkte gespielt. Warum im Tischtennis nicht?
Armin Dittmann: Der Westdeutsche Tischtennis-Verband hat empfohlen, die Saison zunächst einmal zu unterbrechen. Auf freiwilliger Basis. Teams, die gegeneinander antreten wollen, können spielen. Hintergrund ist natürlich die Pandemie. Aber warum die Funktionäre anders als in anderen Sportarten so entschieden haben, vermag ich nicht zu sagen.
Kann es daran liegen, dass viele Teams einen hohen Altersdurchschnitt haben und man die älteren Spieler schützen möchte?
Dittmann: Das glaube ich eigentlich nicht. Natürlich kann man Tischtennis bis ins hohe Alter spielen und auch unser Team in der Bezirksliga hat einen hohen Altersdurschnitt. Aber auch in unserer Liga gibt es Teams, die einen Schnitt von knapp über 20 Jahren haben.
Wie und wann könnte es denn nun weitergehen?
Dittmann: Am 31. Januar will der Verband entscheiden, wie und ob es weitergeht.
Was glauben Sie, was passiert?
Dittmann: Das kann man kaum beantworten. Aber was soll sich in den nächsten Tagen groß bei der Pandemie im Vergleich zum aktuellen Stand zum Positiven verändern, um weiterzuspielen? Ich glaube nicht, dass es weiter geht. Andere aber schon. Wie zum Beispiel Bastian Rosbach vom Landesligisten Remscheider TV. Mit ihm habe ich vor ein paar Tagen telefoniert.
Die Hinrunde ist zumindest beendet worden. Es könnte also im Falle eines Abbruchs eine sportliche Wertung geben. Befürworten Sie das, und was bedeutet das für die SG Kolping Remscheid?
Dittmann: Da es in der letzten Saison durch den langen Lockdown keine Wertung gab, ist es wichtig, dass es nun sportliche Entscheidungen gibt. Aktuell stehen wir auf dem ersten Relegationsplatz im Verbleib um den Klassenerhalt.
Was bedeutet diese Platzierung?
Dittmann: Es könnte sein, dass wir die Klasse direkt halten. Es könnte aber auch sein, dass irgendwann später Relegationsspiele angesetzt werden. Aber das glaube ich nicht.
Aus rein sportlicher Sicht käme ein Abbruch also nicht ganz ungelegen, oder?
Dittmann: Wir haben aktuell große personelle Probleme. Markus Neumann und Günther Koch plagen sich mit hartnäckigen Verletzungen. Falls das Duo ausfallen würde, hätten wir kaum noch eine Chance, ein Spiel zu gewinnen. Ein Abbruch käme uns ehrlich gesagt nicht ungelegen.
Sie haben bereits angedeutet, dass der Altersdurchschnitt Ihrer Mannschaft hoch ist. Haben Sie sich schon Gedanken gemacht, wie es dann in der nächsten Saison weitergeht?
Dittmann: Jünger wird keiner. Und wenn ich für mich spreche, werde ich mich auch sportlich nicht mehr verbessern. Wir werden aber in der derzeitigen Konstellation weiter spielen.
Weil es auch mehr als nur Sport ist?
Dittmann: Vielleicht auch deshalb. Es ist natürlich gesellig. Wir haben in den Heimspielen immer Getränke da und sitzen auch mit dem Gegner noch zusammen. Egal wie hitzig es zuvor in den Partien war. Und dann geht unser Team im Anschluss noch Essen. Selbst wenn es richtig spät wird. In Lennep gibt es aber zum Beispiel einen Imbiss, wo wir immer was bekommen.
All das fehlte natürlich im langen sportlichen Lockdown im vergangenen Jahr. Gab es da auch bei Ihnen die Überlegung, ganz aufzuhören?
Dittmann: Zu keinem Zeitpunkt. Im Gegenteil. Wenn man über 50 Jahre dabei ist, und man monatelang nicht spielen kann, muss man einfach weiter machen.
Und wie war es, als es endlich weiterging?
Dittmann (lacht): Für mich war es eine Katastrophe. Es ging gar nichts mehr. Ich hatte das Gefühl, ich musste alles neu erlernen. Ich trainiere immer sehr viel. Regelmäßig drei Mal in der Woche. Spieler, die aus beruflichen Gründen kaum trainieren, hatten da viel weniger Probleme.
Wie ist es eigentlich um den Nachwuchs im Verein bestellt?
Dittmann: Das ist ein ganz großes Problem. Es gibt zwar den einen oder anderen Nachwuchsspieler. Aber im Grunde kommt gar nichts nach. Tischtennis ist zum einen für Jugendliche einfach uninteressant. Auf der anderen Seite ist es wichtig, dass die, die Interesse haben, entsprechend trainiert werden. Das können aber nur wenige Vereine leisten. Ich kann mich an meine Jugendzeit erinnern. Da standen wir mit 50 Leuten in der Halle und waren froh, dass wir mal an die Platte durften. Und im Anschluss sind wir zum Training der Senioren geblieben. Da konnte man sich unglaublich viel abschauen. Heute sitzen Nachwuchsspieler, falls sie mal bleiben, in der Halle und schauen nur auf ihr Smartphone.
Wie sind Sie überhaupt zum Tischtennis gekommen?
Dittmann: Ich wohnte damals in Güldenwerth. Beim VfB Marathon habe ich Fußball gespielt. Dann haben mich Freunde mit zum Tischtennis genommen. Ich habe in der Halle in der Palmstraße bei Kolping angefangen.
Und haben nie den Verein gewechselt? Warum?
Dittmann: Das kam für mich nie infrage. Natürlich gab es immer mal wieder Anfragen. Als ich immer ablehnte oder gar nicht reagierte, wurde es zunächst weniger. Und dann kamen gar keine mehr.

Zur Person

Armin Dittmann wurde am 19. Dezember 1958 in Remscheid geboren. Dort arbeitet er seit 40 Jahren als kaufmännischer Angestellter bei der Firma Kirschen Werkzeuge. Dittmann ist geschieden und hat eine 34 Jahre alte Tochter und einen 31 Jahre alten Sohn. Mit seiner Lebensgefährtin wohnt Dittmann in Halver. Neben dem Tischtennis interessiert er sich sehr für Fußball. Als Fan des MSV Duisburg hat er auch lange ein Dauerkarte des Traditionsvereins gehabt.

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