Fußball

Ein Feldspieler, der mit 49 im Tor steht

Verrechnet: Das kann selbst einem Marco Wronischewsky (in Grün) passieren. In diesem Fall bei einer Partie gegen Born. Foto: Andreas Bornewasser
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Verrechnet: Das kann selbst einem Marco Wronischewsky (in Grün) passieren. In diesem Fall bei einer Partie gegen Born.
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Je öller, je döller – Marco Wronischewsky gibt beim BV 10 Remscheid eine gute Figur ab.

Von Andreas Dach

Remscheid. Man staune und man wundere sich: Was ist das nur für ein fußballverrückter Typ, dieser Marco Wronischewsky? Eigentlich hatte der 49-Jährige seine Laufbahn schon vor Jahren beendet. Nach einem Achillessehnenriss am Essener Uhlenkrug, wo er für Schwarz-Weiß in der Oberliga spielte, rieten ihm die Mediziner dringend an, künftig aufs Fußballspielen zu verzichten. Er gehorchte. Zwei Jahre lang. Dann packte es „Wroni“ wieder. Der Abwehrspieler, der in der Defensive alle Positionen bekleiden kann, kehrte zurück aufs Spielfeld: „Ich bin kein Typ, der sich so schnell unterkriegen lässt.“

Mittlerweile steht er im Tor, beim BV 10 Remscheid in der Kreisliga A. Dass die als Abstiegskandidaten gehandelten Zehner überraschend auf dem sechsten Tabellenplatz stehen und die sechstwenigsten Tore kassiert haben – sicher zu einem großen Teil auch Verdienst Wronischewskys. Als gelernter Feldspieler und im formidablen Fußballeralter von 49 Jahren im Tor – das schreit geradezu nach einer Erklärung.

Wir hoffen sehr auf einen Kunstrasen!

Marco Wronischewsky, BV 10

Der Remscheider sorgt für eine eher unspektakuläre Aufklärung: „Beim Wuppertaler SV musste ich bei der B- und bei der A-Jugend auch mal ins Tor und habe damals nicht schlecht dabei ausgesehen.“ Daran erinnerte man sich beim BV 10, als die Not zu Saisonbeginn groß war. Ein Schlussmann hatte sich nach Italien verabschiedet, von einem anderen hatte man sich getrennt. Wie gut, dass man einen Co-Trainer im Verein hat, der diese Lücke seitdem bestens ausfüllt. Eine Geschichte wie aus dem Märchen.

Beim BV 10 fühlt sich Marco Wronischewsky sehr wohl.

„Ich musste anfangs schon ein wenig umdenken“, gibt Wronischewsky zu. Und nennt Fragen, die er sich gestellt hat und die primär etwas mit dem Stellungsspiel zu tun haben. Wann kommst du raus? Wann machst du die kurze Ecke zu? Wann bietest Du die lange an? Er muss befriedigende Antworten gefunden haben. Erst 34-mal hat es beim BV 10 geklingelt – in 17 Partien. Ein guter Wert.

Auch für die Familie, die Pferde und den Job muss noch Zeit über bleiben

Bis zum Saisonende wird er sich als Bälle haltender Co-Trainer noch bei den Gelb-Schwarzen zur Verfügung stellen. Und dann? „Das muss man sehen“, sagt Wroni. „Wir hoffen sehr, dass wir in Neuenkamp bald einen Kunstrasen bekommen. Sonst wird es schwierig, hier etwas aufzubauen.“ Wir – damit meint er Cheftrainer Ramazan Dagdas und sich selbst. Die beiden bilden ein kongeniales Gespann. „Rama ist richtig wahnsinnig“, meint Wronischewsky. Worte, die von größtem Respekt geprägt sind. „Hut ab, was der noch auf dem Platz leistet.“ Auch Dagdas hält für den BV 10 noch die Knochen hin, als Feldspieler. Und ist noch ein paar Jährchen älter als sein Trainerpartner. „Wir halten den Laden hier zusammen“, findet Wroni. „Früher haben wir gegeneinander gespielt, jetzt gehen wir hier gut miteinander um.“

Im Juli dieses Jahres wird Wronischewsky 50 Jahre. Zeit zu altern hat er nicht. Der dreifache Vater, der seit fünf Jahren geschieden ist, hat mit Freundin Yvonne vor zwei Jahren eine Tochter bekommen (Mailine). Sie hält ihre Eltern ordentlich auf Trab. Wenn es die Kleine nicht ist, dann sind da schließlich auch noch der Beruf („Ich arbeite im ALDI-Zentrallager in Radevormwald“) und die beiden Pferde, die Wronischewsky besitzt.

Und hin und wieder schaut er sich auch mal ein Spiel des FC Remscheid an. Das hat einen Grund namens Dylan Oberlies. Der vielseitig verwendbare Spieler des Fußball-Landesligisten ist Wronischewskys Neffe („Der Sohn meiner Schwester“). Seine Einschätzung: „Dylan ist ein genauso positiv verrückter Spieler wie ich. Ein guter Fußballer, der nur zuletzt ein bisschen Verletzungspech hatte.“

Persönlich

Marco Wronischewsky wurde am 20. Juli 1972 in Remscheid-Lennep geboren. Hinter ihm liegt eine lange Fußballer-Laufbahn. Seine ersten Stationen in der Jugend waren beim Hastener TV und beim VfB Marathon. In der Folge brachte er es bis in den Kader von Zweitligist Fortuna Düsseldorf, kam aber nicht zum Einsatz. Anders als beim FCR, Viktoria Köln und SW Essen.

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