Handball

Jan Biesenroth: Nach Herz-Muskel-Entzündung kehrt er jetzt an neuer Stelle zurück

Beim TSV Aufderhöhe kam Biesenroth prima zurecht und fühlte sich im berüchtigten „Bunker“ extrem wohl. Gerne wäre er auch dort geblieben. Foto: Moritz Alex
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Beim TSV Aufderhöhe kam Biesenroth prima zurecht und fühlte sich im berüchtigten „Bunker“ extrem wohl. Gerne wäre er auch dort geblieben.
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Hinter Jan Biesenroth liegen Monate, in denen es um die Gesundheit statt um Sport ging. „Ich habe mir eingebildet, es ginge auch ohne Handball“, sagt der Remscheider, der bewusst Abstand nahm. Ohne Handball ging es letztlich dann aber doch nicht. Jetzt ist ein neues Kapitel aufgeschlagen.

Von Fabian Herzog

Solingen. Man sagt ihm nach, sich handballerisch immer mal wieder zwischen Genie und Wahnsinn zu bewegen. Auch in Sachen Spielklassen pendelte Jan Biesenroth zwischen den Extremen. Der Remscheider hat für den Lüttringhauser TV in der Bezirksliga gespielt, seine Tore aber auch schon für den TuS Wermelskirchen oder zuletzt den TSV Aufderhöhe in der Verbands- und Oberliga geworfen. Nun ist Biesenroth in seine Heimatstadt zurückgekehrt, um sich sportlich wieder eher in den Niederungen zu bewegen. Mit dem Remscheider TV geht der wurfgewaltige Rückraumspieler in der Kreisliga auf Torejagd.

In Aufderhöhe hatte Biesenroth, der im Juni 2019 vom Landesligisten Wuppertaler SV zum Oberliga-Aufsteiger gewechselt war, eigentlich gut Fuß gefasst. Spätestens, als Heino Kirchhoff und Aki Ktenidis den Trainerposten von Elmar Müller übernommen hatten, „lief es für mich super“, erzählt der 29-Jährige. Bei den Solingern fühlte er sich rundum wohl, war in der Mannschaft angekommen und hatte „zu allen ein super Verhältnis“. Doch dann bremste ihn im Oktober 2020 nicht etwa die Corona-Pandemie aus, sondern schwerwiegende gesundheitliche Probleme. „Ich hatte eine Herz-Muskel-Entzündung“, berichtet Biesenroth, für den im ersten Moment feststand: „Damit ist das Kapitel Handball abgeschlossen.“ Ein Gedanke, mit dem er sich nur schwer abfinden konnte: „Das hat mich schon sehr frustriert.“

Passiert ist es vor fast genau einem Jahr. Nachdem er „ein paar Tage angeschlagen“ war, wollte er sich das erste Meisterschaftsspiel des TSV gegen den TV Lobberich nach einer einmonatigen Corona-Pause seiner Mannschaft nicht entgehen lassen. Eine Nachholpartie an einem Mittwochabend. „Als ich zwei Bahnen gelaufen bin, habe ich gemerkt: Irgendwas stimmt da doch nicht“, erinnert sich Biesenroth.

Richtig stutzig wurde er aber erst in den Nächten danach, als ihn seine Frau mit den Worten weckte: „Du atmest ganz komisch.“ Ein Besuch beim Hausarzt und vor allem der bei einem Herzspezialisten in Köln brachten nach einigen Monaten dann die Diagnose, die sich für den Vollblut-Handballer wie ein Schock anfühlte.

Ich habe mir ein- gebildet, es ginge auch ohne Handball.

Jan Biesenroth

Als Reaktion zog sich Biesenroth zurück, wollte bewusst Abstand zum Handball aufbauen und sich auf seine Familie konzentrieren. 2019 haben er und seine Frau Stefanie, die beim LTV Handball spielt, in Remscheid ein Haus gekauft. Töchterchen Mila (2,5) macht das Glück der beiden perfekt. Nur der Sport fehlte. „Ich habe mir eingebildet, es ginge auch ohne Handball“, sagt Biesenroth, der mit vier Jahren beim RTV angefangen hatte. Mit jedem Tag erwies sich das aber mehr und mehr als Trugschluss. Die Sehnsucht und das „Kribbeln in den Fingern“ wurde immer größer.

Dem war sich auch Christian Rother bewusst, als er von seinem besten Kumpel Biesenroth gefragt wurde, ob er ihm bei Arbeiten am Haus helfen könne. „Dann trainierst du als Gegenleistung aber auch mal bei uns mit“, antwortete der ehemalige Kreisläufer der HG Remscheid, der sich mittlerweile – wiederum ebenfalls als Freundschaftsdienst für Kumpel und Trainer Pascal Kühn – auch dem RTV angeschlossen hatte. Dieser Verlockung konnte Biesenroth nicht widerstehen. „Wir wollten immer noch mal wieder in einer Mannschaft spielen“, sagt der Rechtshänder, der schon beim TuS mit Rother, der Patenonkel seiner Tochter ist, gemeinsame Sache gemacht hat.

Mehrere Jahre ging Jan Biesenroth für den TuS Wermelskirchen auf Torejagd, erlebte dort aber weniger Höhen als Tiefen. Archivfoto: batte

Wer ihn kennt, weiß, dass es nicht bei der einen Trainingseinheit geblieben ist. Obwohl in der Kreisliga auf die Nutzung von Harz verzichtet wird, ist Biesenroth voll eingestiegen und in seinem Element: „Es macht schon Bock.“ Vor allem das Mannschaftsgefüge gefällt dem 29-Jährigen: „Wir haben eine extrem junge Truppe, alle so um die 20. Da kann ich viel weitergeben.“

Und die Herz-Problematik? „Ich mache mir da keinen Kopf“, sagt er. „So lange ich selber nichts bemerke, ist alles in Ordnung.“ Klar achte er jetzt noch genauer auf sich und höre intensiver in seinen Körper rein. „Aber wovor soll ich Angst haben?“, fragt Biesenroth. Ein Handballer zwischen Genie und Wahnsinn eben.

Stationen

Angefangen beim RTV, führte Jan Biesenroths Weg in der Jugend über den Hastener TV nach Lüttringhausen. Im Seniorenbereich wechselte er mit Trainer Ralf Trimborn dann nach Heiligenhaus und wieder zurück zum LTV. Es folgten seine Jahre in Wermelskirchen (erst HCW, dann TuS) und vor dem Engagement beim TSV ein Abstecher beim Wuppertaler SV. Dort hat er auch zwei Jahre die Frauen trainiert und ist mit denen in die Landesliga aufgestiegen.

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