Para-Sport

Der Para-Sport hat unter der Pandemie gelitten

Der gebürtige Remscheider Torsten Burmester ist seit einem Jahr Generalsekretär des Behindertensportverbandes. Foto: Roland Keusch
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Der gebürtige Remscheider Torsten Burmester ist seit einem Jahr Generalsekretär des Behindertensportverbandes.
  • Peter Kuhlendahl
    VonPeter Kuhlendahl
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Analyse: Aktive kehren aus Lockdown nicht zurück – Am Wochenende gibt es einen Wettkampf in Remscheid.

Remscheid. Vom sportlichen Lockdown betroffen war besonders auch der Sport für Menschen mit Handicap. Auch im Parasport ging lange Zeit ob der Pandemie nichts mehr. Nach der langen Pause findet am kommenden Wochenende mit der 15. Auflage des BRSNW-Kurzbahn-Cups im Sportbad am Park in Remscheid endlich wieder ein Wettkampf statt. An gleicher Stätte steigt Mitte November die Deutsche Meisterschaft der Schwimmer mit Handicap.

Die letzte internationale Großveranstaltung waren vor einige Wochen die Paralympics in Tokio. Dort spielte mit Torsten Burmester ein gebürtiger Remscheider eine wichtige Rolle. Der 58-Jährige ist seit einem Jahr Generalsekretär des Deutschen Behindertensportverbandes und des nationalen Paralympischen Komitees. Burmester hat der RGA-Sportredaktion vor einigen Tagen einen Besuch abgestattet. Eine gute Gelegenheit einer Analyse zum Thema Parasport.

Torsten Burmester war als Leiter der deutschen Delegation drei Wochen vor Ort: „Manche Dinge waren nicht so streng geregelt, wie bei den Olympischen Spielen zuvor.“ Sehr wichtig war in seinen Augen, dass er während seines Aufenthaltes gemerkt hat, dass sich die japanische Gesellschaft sehr für die Menschen mit Handicap geöffnet hat. Das Interesse vor Ort sei sehr groß gewesen.

Wie war die Resonanz in der Heimat?

Durch die Zeitverschiebung habe es bei den öffentlich-rechtlichen Sendern sehr große Zeitfenster in den Vormittagsstunden für Liveübertragungen gegeben. „Die Einschaltquoten waren gut. Und welchen Stellenwert der Parasport hatte, wird auch daran deutlich, dass wegen einer wichtigen Entscheidung, sogar auf die Ausstrahlung des Mittagsmagazins verzichtet wurde“, berichtet Burmester.

Sind die Verantwortlichen mit dem sportlichen Abschneiden zufrieden?

Im Großen und Ganzen ja. Zwar habe man insgesamt weniger Medaillen gesammelt im Vergleich mit den Spielen in Rio im Jahr 2016. „Aber der Medaillenspiegel spielt für mich eine untergeordnete Rolle. In den Einzelsportarten gab es sehr viele sehr gute Leistungen. Einige Enttäuschungen gab es aber in den Mannschaftssportarten“, erklärt der Generalsekretär.

Die Spitzensportler konnten trainieren. Wie ist die Situation auf der Breitensportebene im Parabereich?

Da haben die Verantwortlichen Sorgen. Es gibt erste statistische Erhebungen, dass es aufgrund des Lockdowns einen allgemeinen Mitgliederrückgang von 15 Prozent gegeben habe. Zum Vergleich: Beim Sport ohne Handicap gibt es einen Rückgang, der zwischen 3,5 und vier Prozent liegt.

Woran liegt das?

Hauptgrund ist die Altersstruktur der Aktiven. Die Wurzeln des Parasports in Deutschland liegen im Kriegsversehrten-Sport. Viele Aktive im hohen Alter kehren nun aus dem Lockdown nicht mehr zurück. „Sie haben ihren Abschied vom Sport nun das eine oder andere Jahr vorgezogen“, vermutet Burmester.

Wie wollen die Verbände dem Mitgliederschwund entgegentreten?

Zum Beispiel durch Werbung für den Parasport an den Regelschulen. Kinder und Jugendliche mit und ohne Handicap werden da ja zusammen unterrichtet.

Die hiesige Region befindet sich bis auf wenige Ausnahmen, was den Parasport betrifft, ein wenig im Dornröschenschlaf. Woran liegt das?

Oft sind es architektonische Gründe in den Hallen. „Gerade für Rollstuhlfahrer müssen die barrierefrei sein. Das ist oft immer noch sehr schwierig“, sagt Burmester, der in Remscheid den Hastener TV als positives Beispiel erwähnt. Der HTV, der in der vergangenen Woche in Münster mit der NRW-Sportplakette für seinen Aktivitäten im Reha- und Behindertensport ausgezeichnet wurde, bietet bald auch Tennis für Rolli-Fahrer an.

Das Sportbad am Park in Remscheid ist als Sportstätte ein positives Beispiel.

Genau aus diesem Grund finden dort bereits seit Jahren die Deutschen Kurzbahn-Meisterschaften statt. Coronabedingt sind die im 2020 abgesagt worden. In diesem Jahr soll die Veranstaltung vom 12. bis 14. November über die Bühne gehen.

Titelträger werden oft nach einem Punktesystem ermittelt. Das macht es für die Zuschauer nicht einfach.

Dies liegt einfach daran, dass es in den einzelnen Klassen oft zu wenige Starter gibt. Deshalb gewinnt oft nicht der, der als Erster anschlägt. „Das ist leider nicht zu ändern“, erklärt Burmester. Bei den Paralympics sei das bekanntlich anders, weil dort die Klassen natürlich gefüllt sind.

Am nächsten Wochenende wird es beim BRSNW-Cup im Bad noch undurchsichtiger. Da schwimmen Aktive mit und ohne Handicap gegeneinander.

Bei diesem zweitägigen Wettkampf, der vom Behinderten- und Rehabiltationssportverband NRW veranstaltet und von der SG Remscheid ausgerichtet wird, steht der gemeinsame sportliche Wettstreit im Mittelpunkt. Burmester: „Das ist unglaublich wichtig.“

Wo finden Vereine oder auch Sportler mit Handicap Informationen zum Parasport?

Es gibt einige Seiten im Internet, auf denen man fündig wird. Hier eine Auflistung:

www.parasport.de

www.brsnw.de/rehasport-suche

www.dbs-media-de/handbuch-behindertensport

Für den Remscheider Torsten Burmester stand der Sport ansonsten immer im Mittelpunkt.

Der 58-Jährige hat im Jahr 1982 am Leibniz-Gymnasium in Remscheid sein Abitur gemacht. Es schloss sich ein Studium der Sportwissenschaft an der Sporthochschule in Köln an. Burmester hat beim Remscheider TV mit dem Handballspielen begonnen und stand später unter anderem bei der HSG Hilgen/Niederwermelskirchen zwischen den Pfosten. Nach dem Studium begann seine berufliche Tätigkeit für die Friedrich-Ebert-Stiftung und den SPD-Parteivorstand. Nach der Wahl von Gerhard Schröder zum Bundeskanzler wurde er dessen persönlicher Referent. „Dem Sport war ich aber weiter immer eng verbunden“, betont Burmester. Wie zum Beispiel im Bundesinnenministerium. Und außerhalb der Politik. So war er Vizepräsident der Berliner Handballerverbandes und Aufsichtsratmitglied der Handball-Bundesliga. Zum Generalsekretär des Behindertensportverbandes wurde er vor einem Jahr.

Rubrik

Immer dienstags greifen wir spezielle Themen auf und haken nach. Gibt es Fragen, welche unbeantwortet sind? Oder Dinge, die eingeordnet werden müssen? Dem nehmen wir uns an. In dieser Woche geht es um die Sport für Menschen mit Handicap. Dazu war mit Torsten Burmester ein interessanter Gesprächspartner in der Redaktion zu Gast.

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