Rollhockey

Rollhockey: Der Machtkampf in Europa eskaliert

Gehen die Akteure auf der internationalen Rollhockeybühne zu Boden oder gibt es in Europa noch eine Einigung? Archivfoto: Holger Battefeld
+
Gehen die Akteure auf der internationalen Rollhockeybühne zu Boden oder gibt es in Europa noch eine Einigung? Archivfoto: Holger Battefeld
  • Peter Kuhlendahl
    VonPeter Kuhlendahl
    schließen

Analyse: Länder mit Rollhockey-Profiteams geben den Ton an – die Amateure drängen auf Veränderungen

Remscheid. Wie auch in Deutschland ruht in fast ganz Europa seit mehr als einem Jahr der komplette Rollhockey-Spielbetrieb. Einzig im Profibereich in Südeuropa rollt die Kugel. Dafür fliegen auf der Funktionärsebene des Kontinents so richtig die Fetzen. Mittlerweile hat sich auch der Weltverband eingeschaltet. Eine Bestandsaufnahme.

Worum geht es bei dem Konflikt auf der europäischen Ebene?

Der Verband für den Rollhockey-Sport in Europa ist der World Skate Europe (WSE). Der wurde beziehungsweise wird seit Jahren von den Funktionären aus den Ländern dominiert, in denen die Sportart professionell betrieben wird. Dies sind Spanien, Italien und Portugal. Die restlichen Nationen wurden fast immer, ohne vorher gehört zu werden, vor vollendete Tatsachen gestellt. Wie zum Beispiel wenn es um Spielmodi bei Europameisterschaften und im Europapokal ging. Die „kleineren“ Rollhockey-Länder fühlten sich benachteiligt und klagten über fehlende demokratische Verhältnisse.

Im letzten Jahr schien aber Besserung in Sicht, oder?

Im Frühjahr 2020 zogen sich die damaligen Funktionäre aus dem WSE-Komitee zurück. Doch anders als erhofft, wurden sämtliche Positionen wieder ausschließlich mit Spaniern, Italienern und Portugiesen besetzt. Zum ersten Mal regte sich richtiger Widerstand im restlichen Europa. Schließlich konnten Deutschland und Frankreich je einen Funktionär entsenden. Für Deutschland war dies der Remscheider Thomas Ullrich.

Gab es dann die erhoffte Zusammenarbeit im WSE-Komitee?

Die hat es laut Ullrich nie gegeben: „Die Mitsprache beschränkte sich ausschließlich auf die Teilnahme an Sitzungen.“ Aus diesem Grund hatten sie auch keinen Einfluss auf die Entscheidung, die Anfang des Jahres zu dem Tropfen wurde, der das Fass endgültig zum Überlaufen brachte.

Thomas Ullrich lässt in Europa nicht locker. Archivfoto: GF

Was war Anfang 2021 passiert?

Aufgrund der Corona-Pandemie, die Reisebeschränkungen, Quarantäne-Regelungen sowie Verbote von Training und Wettkampf zur Folge hatte, mussten alle Amateur-Mannschaften endgültig ihre Teilnahme am Europapokal, der zu diesen Zeitpunkt noch auf „Eis“ lag, absagen. Für ihre Teilnahme hatten die Clubs zuvor rund 15 000 Euro an Startgeldern an die WSE bezahlt. Die Bitte um die Rückerstattung des Geldes – die Clubs wären auch mit einem Teil zufrieden gewesen – verhallte ungehört.

Wie waren die weiteren Reaktionen?

Acht Nationen setzten daraufhin eine gemeinsame Erklärung auf. Der Grundtenor war, dass es dringend demokratische Strukturen geben müsse. Dafür hatten sie auch ein entsprechendes Konzept erstellt. Für Thomas Ullrich hatte der Brief der acht Nationen dann Folgen. Er erhielt keine Einladungen mehr zu Videokonferenzen oder sonstige Informationen und Benachrichtigungen. Außerdem gab es die Antwort des WSE-Präsidenten Fernando Claro, dass ein demokratisch besetztes Komitee nicht mit den Statuten des Rollhockey Weltverbandes World Skate vereinbar seien. „Was auch immer wir tun. Es wird uns alles negativ ausgelegt und führt nur dazu, dass wir noch weniger beteiligt werden“, erklärt Ullrich, der vom nationalen Verband DRIV aus dem Komitee abgezogen wurde.

Einschüchtern lassen sich alle Beteiligten aber nicht, oder?

Mit Sicherheit nicht. Eine Nationalmannschaft nach der anderen hat mittlerweile ihre Teilnahme an der Europameisterschaft abgesagt. Deutschland, die Schweiz, Belgien, Österreich, die Niederlande und Frankreich haben dies bereits offiziell gemacht. Weitere Länder werden folgen. Die Gründe dafür sind dabei nicht nur sportlicher Natur, da weiter gar nicht oder – wie in einigen Ländern wieder möglich – nur sehr eingeschränkt trainiert werden kann. Die Absagen können als Reaktion auf die Sturheit des Komitees verstanden werden.

Gibt es weitere Pläne der Länder?

„Wir haben einen intensiven und zukunftsorientierten Austausch untereinander. Gerne schlagen wir ein neues Rollhockey-Kapitel in Europa auf“, betont Ullrich. Was dies bedeuten könnte, wird auch bereits signalisiert. Ein großes europäisches Turnier mit wesentlich mehr Teilnehmern als bei der offiziellen Europameisterschaft könnte Wirklichkeit werden. Ullrich: „Und dies nicht nur bei den Männern, sondern auch bei den Frauen und im Nachwuchsbereich.“

Der Machtkampf in Europa kann den Weltverband doch nicht kalt lassen, oder?

Der Weltverband, dessen Vorsitzender übrigens ein Italiener ist, war von Anfang im Verteiler des Schriftverkehrs. Vor wenigen Tagen hat er nun alle Beteiligten zu einer Videokonferenz geladen. „Dabei war diesen sehr schnell klar, dass es noch einige weitere Treffen geben muss“, erklärt Ullrich. Der Weltverband betont, wie wichtig es sei, dass es in Europa eine Rollhockey-Familie bleiben würde. Dies wollen natürlich auch die Profi- wie die Amateur-Nationen. „Klar ist, dass wir aufeinander zugehen. Aber die Profis müssen sich bewegen. So wie bisher kann es nun mal nicht weitergehen“, findet Thomas Ullrich deutliche Worte und ist gespannt, wie es in den nächsten Wochen und Monaten weiter gehen wird.

Rubrik

Immer dienstags greifen wir spezielle Themen auf und haken nach. Gibt es Fragen, welche unbeantwortet sind? Oder Dinge, die unbedingt eingeordnet werden müssen? Dem nehmen wir uns gerne an. Heute geht um den großen Zwist im europäischen Rollhockey. Mittendrin steckt dabei Thomas Ullrich vom Bundesligisten IGR Remscheid.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Das steht in der Handball-Landesliga an.
Das steht in der Handball-Landesliga an.
Die HGR ereilt die nächste personelle Hiobsbotschaft
Die HGR ereilt die nächste personelle Hiobsbotschaft
Die HGR ereilt die nächste personelle Hiobsbotschaft
Bei diesem Derby geht es immer hoch her
Bei diesem Derby geht es immer hoch her
Bei diesem Derby geht es immer hoch her
Fußball: Pokaltermine stehen fest
Fußball: Pokaltermine stehen fest

Kommentare