Diskuswerfen bei Olympia

Auch als Olympionikin hat man Träume

Diskuswerferin Marike Steinacker setzt bei den Olympischen Spielen in Tokio zu einem Versuch an. Foto: Swen Pförtner/dpa
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Diskuswerferin Marike Steinacker setzt bei den Olympischen Spielen in Tokio zu einem Versuch an.

Die Wermelskirchener Diskuswerferin Marike Steinacker ist zurück von den Spielen in Tokio

Von Kathrin Kellermann

Remscheid. Daran wird sich Marike Steinacker wohl für den Rest ihres Lebens erinnern: Wie sie nachts am Fenster ihres Appartements im olympischen Dorf in Tokio gestanden und laut Musik gehört hat. Ihren Wettkampf-Song „Higher Power“ von Coldplay. „Ich konnte direkt auf die Skyline von Tokio gucken, nachts war alles beleuchtet, und dann habe ich dieses Lied gehört, das eine Leichtigkeit, gute Laune und Freude verströmt, und so habe ich es echt geschafft, diese Momente einzusaugen und mir zu sagen: Krass, ich bin wirklich gerade hier“, erzählt die gebürtige Dabringhauserin, die nach ihrer Rückkehr aus Tokio von Bürgermeisterin Marion Lück im Rathaus begrüßt wird.

Beide sind Leichtathletik-Fans, beide lieben die Wermelskirchener Kirmes. „Für das Kirmes-Wochenende komme ich immer nach Hause“, verrät Marike Steinacker und lacht. „Was gibt’s besseres als die Kirmes? Da trifft man alle, das ist sehen und gesehen werden.“ Zumal auch Amor gelegentlich seine Pfeile auf dem großen Fest in der Stadt verschießt: Sie selbst hat ihren Freund vor zwei Jahren auf der Kirmes kennengelernt.

Er war es auch, den sie nach dem Finale im Diskuswerfen vergangenen Montag als erstes angerufen hat. „Ich glaube, mir hat jeder angesehen, dass ich nicht zufrieden war, und deshalb haben mir alle erstmal etwas Zeit gegeben. Aber als ich zurück im olympischen Dorf war, habe ich meinen Freund angerufen und dann tatsächlich auch geweint, weil dann der ganze Druck abgefallen ist. Nach dem Finale war ich mental am Limit. Ich bin zufrieden mit dem Ergebnis, aber vom Kopf her ist man drei Monate vorher nur mit der Konzentration auf diesen Moment beschäftigt. Das ist schon schwierig“, gibt sie offen zu.

Traum der Olympischen Spiele hat sich erfüllt

Das Gefühl, bei den Olympischen Spielen dabei gewesen zu sein tröstet zumindest ein wenig darüber hinweg, dass sie bei der Rückkehr keine Medaille im Gepäck hatte, „obwohl ich mir das zugetraut hätte“, verrät die Athletin, die im Diskuswerfen unter schwierigen Bedingungen den achten Platz erreichte. „Beim Finale hatten wir leider einen kleinen Monsun. Der Ring stand gefühlt unter Wasser, und wir konnten nicht mehr werfen, weil es zu glatt war.“

Dass keine Zuschauer im Stadion in Tokio waren, habe sie hingegen nicht gestört. „Für mich war das sogar gut, weil ich noch nie bei einem so großen Wettkampf dabei war, bei dem das Stadion voll war“, erzählt sie. „Aber auch so war das Gefühl im Finale schon Wahnsinn. Man weiß, dass alle Zuhause vor dem Fernseher sitzen, Familie, Freunde, Nachbarn, und alle gucken zu, und dann steigt auch der Druck, weil sich an diesem Tag, bei diesem einen Wettkampf, alles entscheidet und das bei den Olympischen Spielen - das ist krass.“

Die Damen der Skulptur „Begegnungen“ vor dem Rathaus, gehören für Marike Steinacker genauso zu Wermelskirchen wie die Kirmes.

Ihren Traum von den Olympischen Spielen hat sie sich nun erfüllt - obwohl sie 2018 bereits entschieden hatte, mit dem Sport aufzuhören: „Ich wusste damals, dass ich viel ändern muss, um gute Ergebnisse zu erzielen. Und man verzichtet schon auf viel, wenn man im Sport ist. Spontan verreisen und andere schöne Erlebnisse sind nicht möglich. Man ist gezwungen, tagtäglich Routinen nachzugehen, und es ist schwer, da auszubrechen. Man investiert viel Geld, Zeit und Energie, und dann will man sich nicht selbst enttäuschen.“

„Man weiß, dass alle Zuhause vor dem Fernseher sitzen.“

Marike Steinacker

Für ihren großen Traum hat Marike Steinacker viel auf sich genommen: Aktuell trainiert und lebt sie in Neubrandenburg, bereitet gerade ihre Bachelorarbeit für ihr Studium als Design-Ingenieurin für Mode in Mönchengladbach vor. Wenn es ihre wenige Zeit und der Trainingsplan zulassen, fährt sie zu ihrer Familie und den beiden Schwestern nach Dabringhausen. „Ich freue mich, dass ich jetzt bei meiner Familie sein kann, weil ich sie alle lange nicht gesehen habe“, sagt die Olympionikin, die sich gut vorstellen kann, ganz in ihren Heimatort zurückzukehren.

Zumindest eines Tages. Jetzt plant sie erstmal die Zukunft. Nächstes Jahr finden die Europa- und Weltmeisterschaften statt, „und da wäre ich wirklich gerne dabei“, sagt sie. Und dann locken die Olympischen Spiele 2024 in Paris. „Das wäre eine Option“, sagt sie zwinkernd. „Ich will mir da alles offenlassen. Und man muss ja auch träumen.“

Wenn sie nicht als Athletin bei Olympia dabei ist, dann eines Tages vielleicht als Designerin der Sportler-Outfits: „Das wäre schon sehr toll, bei den Designs mitzuwirken. Als Sportler hat man noch einen ganz anderen Blickwinkel - und vor allem dann, wenn man selbst mal bei Olympia dabei war. Da weiß man, was die Sportler brauchen.“ Das ist ihr nächster großer Traum.

Zur Person

Marike Steinacker wurde am 3. April 1992 in Wermelskirchen geboren, besuchte die Realschule, bevor sie zum Landrat-Lucas-Gymnasium nach Leverkusen wechselte. Sie gehört zu den besten Diskuswerferinnen Deutschlands, startet für den TSV Bayer 04 Leverkusen und trainiert beim SV Neubrandenburg. In Tokio sicherte sie sich mit einer Wurfweite von 62,02 Metern den achten Platz. Ihre Bachelorarbeit schreibt sie über die Einkleidung der Sportler für Olympische Sommerspiele.

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