An der frischen Luft mit . . . Frank Lorenzet

Lori schlägt sich die Nächte um die Ohren

Am vergangenen Donnerstag drehten Frank Lorenzet und RGA-Sportredakteur Peter Kuhlendahl eine Runde um die Talsperre. Foto: pk
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Am vergangenen Donnerstag drehten Frank Lorenzet und RGA-Sportredakteur Peter Kuhlendahl eine Runde um die Talsperre.
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Der Manager der Bergischen Panther hat viele Erfolge gefeiert.

Remscheid. Vor Frank Lorenzet liegen im Grunde die beiden schönsten Wochen des Jahres. „Ich bin absolut sportverrückt“, betont der Manager der Bergischen Panther einige Male während des mehr als einstündigen Spaziergangs um die Eschbachtalsperre am vergangenen Donnerstagmittag. Doch erst an seinem Wagen auf dem Parkplatz am Autobahnhotel zückt er sein Handy. „Auf das Spiel habe ich wegen unseres Termins verzichtet.“ Dann stockt er: „Aber das gibt es doch gar nicht“, meint er, nachdem er in Erfahrung gebracht hat, dass Deutschland beim olympischen Fußballturnier, das bereits einen Tag vor der offiziellen Eröffnung der Spiele in Tokio gestartet ist, nach 30 Minuten mit 0:3 gegen Brasilien im Rückstand ist.

An der Remscheider Talsperre ist Frank Lorenzet vor dem Spaziergang nie gewesen.

Die nächsten beiden Wochen wird sich „Lori“, so nennen ihn seit Jahrzehnten im Grund alle, die mit ihm zu tun haben, vor dem Fernseher die Nächte um die Ohren schlagen. Wird alles, was von den Spielen aus Japan übertragen wird, aufsaugen. Querbeet durch alle Sportarten. „Das war bei mir schon immer so. Und hat sich nie geändert.“ Dass er sich dabei ein umfangreiches sportliches Wissen angeeignet hat, verblüfft seine Gattin Sabine auch nach mehr als 20 Ehejahren immer noch: „Wenn wir eine Quizsendung anschauen, und ich alle Sportfragen wie aus der Pistole heraus beantworten kann, schüttelt Bine nur mit dem Kopf“, sagt er mit einem Lachen.

Dass der Sport – wenn auch nur indirekt – die Lorenzets zusammengebracht hat, liegt fast schon auf der Hand. Während seiner Studienzeit an Sporthochschule in Köln hatte Lori den Radevormwalder Handballer Carsten „Toto“ Burghoff kennengelernt. Gemeinsam mit weiteren Handballern aus der Bergstadt ging es auf die Rolle. „Und da war auch Bine dabei.“

Nach der Trauung im Sommer 2000 standen Handballer für Sabine und Frank Lorenzet Spalier.

Dass ihr Freund und späterer Ehemann dann oft beruflich unterwegs war, wenn Familie, Freunde und Bekannte frei hatten, war nie ein Problem. „Da hatte ich alle Freiräume“, sagt Lorenzet. Auch als er kurz nach seiner Hochzeit ein halbes Jahr beim damaligen Zweitligisten TV Duderstadt in Niedersachsen aktiv war. Dahin war er gewechselt, als der damalige Regionalligist Wermelskirchener TV seinen Vertrag nicht verlängert hatte. „Die vier Jahre beim WTV waren aber rückblickend meine schönste Zeit. Und ich freue mich riesig auf das Legendenspiel im Herbst. Da wird ein Großteil der Jungs von damals dabei sein.“

In Duderstadt hatte Lorenzet sportlichen Erfolg und schaffte den Klassenerhalt. Doch dann war der Zweitligist, der heute übrigens in der Verbandsliga spielt, finanziell am Ende. Es ging für Lorenzet zu den Longericher Handballern nach Köln in die damalige Regionalliga. Auch hier war der sportliche Erfolg da. „Bis Frank Ferber kam und meinte, das Geld wäre alle.“

Dieses Schicksal, war ihm bei den Handballern des WTV, die vor Jahren auch aus finanziellen Gründen die Segel streichen mussten, erspart geblieben. Da war er in der sehr erfolgreichen Regionalligazeit, in der die Wermelskirchener nur knapp den Aufstieg in die 2. Liga verpassten, der jüngste Trainer.

Wie zuvor bei HSG Hilgen/Niederwermelskirchen. Da startete er als 24-Jähriger als jüngster Coach in der Oberliga. Die gestandenen Spieler im Team schauten damals zwar zunächst etwas komisch. Als als er mit ihnen gleich das erste Spiel beim Tabellenführer gewann – Lorenzet war in der laufenden Saison im Herbst eingestiegen – war das Eis gebrochen. „Außerdem hatte ich Braco Sladakovic, der damals Chef auf der Platte war, schnell auf meiner Seite“, erinnert sich Lorenzet.

Jüngster Trainer in der Ober- und Regionalliga mit großen Erfolgen. Wie auch in der 2. Liga. Der logische Schritt wäre dann doch der Weg in die stärkste Liga der Welt gewesen. Auf die Frage, warum dies nicht geklappt hat, wird Lorenzet nachdenklich: „Im Sport geht nicht alles automatisch auf dem direkten Weg weiter.“ Aktuell fühlt er sich beim Drittligisten in Hilgen im Amt des Managers „super wohl“. Er habe sich aber abgewöhnt, irgendetwas in dem sportlichen Bereich, in dem er arbeite, auszuschließen. „Mit 53 bin ich doch noch jung. Wer weiß, was noch kommt.“

Nach dem Aus in Köln war er schließlich zum Leichlinger TV gewechselt. 15 Jahre (!) arbeitete er dort. Führte das Team von der Ober- bis in die 2. Bundesliga. Als Trainer, als Manager, als Mädchen für alles. Die Westdeutscher Meisterschaft ging unter ihm einige Male an den LTV. Dass man in der Folge in Leichlingen dann zuletzt dankend abwinkte, wenn es um den Aufstieg ging, hatte finanzielle Gründe. „Deshalb hätte ich 2016 nach der Meisterschaft in der 3. Liga aufhören sollen.“ Tat er aber nicht. Zwei Jahre später gab es dann unüberbrückbare Differenzen und Lorenzet nahm seinen Hut: „Nach den vielen Jahren war das schon enttäuschend.“

Lori nahm sich eine Auszeit und zog sich ein wenig zurück. Half zwischenzeitlich als Freundschaftsdienst nur Jens Buss und Marc Ross beim LTV Wuppertal, damit der Oberligist nicht von der Bildfläche verschwindet. Mit Erfolg. Dann ging es zu den Panthern. Zum Drittligisten, in deren Trägervereinen seine handballerischen Wurzeln liegen.

Neben seinen Trainerämtern ist der diplomierte Sportwissenschaftler seit Jahrzehnten als Sportjournalist tätig gewesen. Auch in der RGA-Sportredaktion als freier Mitarbeiter. Zweimal stand er auch vor der Entscheidung, dies hauptberuflich zu machen. Kurz nach dem Abitur nahm er Kontakt zu Fernsehjournalisten auf. „Und vom damaligen ZDF-Reporter Günter-Peter Ploog bekam sich sogar eine Antwort und durfte ihn zu einem Spiel von Schalke 04 im alten Parkstadion begleiten.“

Es entwickelte sich eine Freundschaft. Und als Ploog dann zum damaligen Bezahlsender „Premiere“ wechselte, ermutigte er Lorenzet, an einem Casting teilzunehmen. „Das dauerte drei Tage in Hamburg und war für mich journalistisch völliges Neuland.“ Doch Lori überzeugte und bekam ein Angebot, hauptberuflich einzusteigen. „Ich war aber noch mitten im Studium und wollte das abschließen.“ Das war auch der Grund, warum er später das Angebot ablehnte, ein Volontariat bei der Westdeutschen Zeitung in Wuppertal anzutreten.

Beim WTV waren Frank Lorenzet, Co-Trainer Carsten Burghoff und Manager Dietmar Lienen (v. l.) ein Erfolgstrio.

Bereut hat er diese Entscheidungen nie. Lorenzet ist eben konsequent in dem, was er macht oder eben nicht macht. Sein Vater betrieb das das renommierte „Landhaus Lorenzet“ in Witzhelden. Aber ihm war sehr schnell klar, dass er nie in die Fußstapfen seines Vaters treten wollte. Wie auch sein zwei Jahre älterer Bruder. „Der hat übrigens, anders als ich, gar nichts für den Sport über. Aber er war damals ein echter Computerfreak und ist heute Banker.“

Frank Lorenzet war dagegen seit frühester Jugend durch und durch ein Sportler. Handball, Fußball, aber auch Tennis und Schwimmen – „Lori“ war ein echter Allrounder und hatte deshalb auch überhaupt keine Mühe, die harte Aufnahmeprüfung an der Sporthochschule in Köln zu schaffen.

Bewegung ist ihm heute auch noch sehr wichtig. Darum hatte er während des Lockdowns auch daran zu knabbern, nicht Schwimmen gehen zu können. Dafür ist er jeden Tag mit seinem Hund unterwegs. Und achtet auf seine Gesundheit. „Ich lass mich regelmäßig durchchecken.“ Ein Laster, das er bis vor zwei Jahren hatte und von dem kaum einer wusste, hat er vor zwei Jahren aufgeben: „Da war mit dem Rauchen Schluss.“ Was allerdings die Folge hatte, dass er an Gewicht zulegte. „Aber einiges ist schon wieder runter.“

Das eine oder andere Kilo soll noch folgen. Aber wohl nicht in den kommenden 14 Tagen. Da hat er einen Stammplatz vor dem Fernseher bei den Übertragungen der Olympischen Spiele. Und dürfte am frühen Donnerstagnachmittag nach der Runde um die Talsperre natürlich mitbekommen haben, dass das Spiel Deutschland gegen Brasilien noch einmal richtig spannend wurde. Aber ohne Happy End. Die Südamerikaner siegten mit 4:2.

Serie

Seit November des vergangenen Jahres spazieren wir wöchentlich mit einem Sportler, einer Sportlerin oder Funktionären um die Remscheider Talsperre. Bislang dabei: Björn und Katrin Seide, Gerd Kentschke, Hans-Jürgen Middendorf, Hans-Werner und Christiane Bauss, Horst Mettler, Yannick Peinke und Antonia Hoff, Frank Berghoff, Thomas Merten, Frank Alsdorf, Rainer Sondern, Knut Kolk, Dennis Bonna, Lars Althoff, Ines Neumann, Mike Kupfer, Bodo Monschau, Hartmut Behrensmeier, Inge Raabe, Desirée Blicke, Tiberius Jeck, Lothar Steinhauer, Jürgen Schmitz, Anne Ueberholz, Henning Weber, Jörg Musset, Lena Henning, Stephanie Probst, Ralf Hesse, Arnd Bader, Caro Reinert, „Howie“ Paasch, André Berger, Andrew Lux, Klaus Kreutzer, Jörg Henseler, Jörg Föste und nun Frank Lorenzet.

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