Erinnerung

Pröpper glänzte vor Rüssmanns Augen

In Göttingen blieb der FCR einmal mehr ohne Gegentor und erkämpfte sich ein 0:0.
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In Göttingen blieb der FCR einmal mehr ohne Gegentor und erkämpfte sich ein 0:0.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
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Der Weg des FCR vor 30 Jahren in die 2. Fußball-Bundesliga – elfter Teil mit dem Start der Aufstiegsrunde.

Dem ersten Heimspiel in der Aufstiegsrunde widmete der RGA-Sport am 21. Mai 1991, dem Dienstag nach Pfingsten, eine Doppelseite.

Es war schon unglaublich, welcher Belastung die Fußballer des FC Remscheid im Frühjahr 1991 ausgesetzt waren und dieser dennoch standhielten. Gerade erst hatte sich der Oberligist trotz zahlreicher Nachholspiele und einer englischen Woche nach der anderen die Meisterschaft und damit die Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga erkämpft, da ging´s drei Tage später im ähnlichen Rhythmus in dieser schon weiter.

In unserer Serie mit den Original-Spielberichten von damals blicken wir auf die intensive Zeit zurück. Diesmal mit den ersten FCR-Partien der Aufstiegsrunde, in denen der Grundstein für die spätere Zweitliga-Rückkehr gelegt wurde.

Göttingen - FCR 0:0 „FCR hat ersten Punkt im Sack“, geschrieben von Wolfgang Röhrig

Der erste Punkt ist im Sack. Auf dem beschwerlichen Weg in die zweite Bundesliga kam der FC Remscheid gestern Abend beim heimstarken FC Göttingen 05 zu einem hochverdienten 0:0. 3500 Zuschauer erlebten vor allem in den ersten 45 Minuten eine Remscheider Mannschaft, die Spiel und Gegner kontrollierte und nach hinten nichts anbrennen ließ. Torhüter Andre Stocki verlebte einen relativ ruhigen Abend. Seine Vorderleute nahmen ihm meistens die Arbeit ab.

Erst nach dem Seitenwechsel kam vor beiden Toren etwas mehr Leben ins Spiel. Aber nach wie vor stand die FCR-Abwehr souverän. Nur einmal, in der 75. Minute, hielten die zahlreichen Remscheider Fans den Atem an, als Zdenko Kosanovic eine Flanke unterschätzte. Aber André Stocki bügelte mit geradezu aufreizender Ruhe den Fehler aus.

Gefahr drohte den Remscheidern noch einmal, als Carsten Pröpper gut eine Viertelstunde vor dem Abpfiff völlig zurecht nach einem dummen Foul für zehn Minuten den Platz verlassen mußte. Doch der Schuß ging Gott sei Dank nicht nach hinten los.

FCR-Trainer Detlef Pirsig hatte vor dem Spiel die Order ausgegeben, den enorm kampfstarken Gegner nicht ins Spiel kommen zu lassen. „Die kämpfen, schlagen und beißen.“ Der FC Remscheid hielt sich an die Anordnung. Vor allem das Mittelfeld mit Ralf Kessen, Martin Tilner und Carsten Pröpper erfüllte dort in den ersten 45 Minuten seine Aufgaben. Einziges Manko, wie so oft in den Spielen des FCR, war die Harmlosigkeit vor dem gegnerischen Tor. Die Entstehung der Konter ließ Gutes ahnen, aber dann fehlte doch am Ende die nötige Konzentration.

Vor der Augen vor Verls Trainer Günter Luttrop entwickelten sich aber in der zweiten Halbzeit auch erfolgversprechende Szenen vor dem Göttinger Tor. Pech hatte Carsten Pröpper, als er in der 71. Minute einen Fallrückzieher über das Tor schoß. Damit ist aber auch schon die einzig echte Torchance aufgezählt.

Pirsigs Plan, mit Jo Schmidt für André Kröning nach gut einer Stunde Spielzeit den „Joker“ zu bringen, ging leider nicht auf. Schmidt konnte sich nicht so in Szene setzen wie erhofft. Das lag aber auch daran, daß sich bei den Mittelfeldstrategen Tilner, Pröpper und Kessen in der zweiten Halbzeit Müdigkeitserscheinungen einstellten. Bei Dauerregen konnte sich zudem kaum ein großes Spiel entwickeln.

Detlef Pirsig hatte vorher gehofft, mindestens einen Punkt mit nach Hause zu nehmen. Diese Rechnung ist aufgegangen.

FCR-Präsident Dr. Rolf Ludwig: „Ich bin mit dem Ergebnis zufrieden. Wenn man überlegt, was wir bei unserem Mammutprogramm an Kraft gelassen haben, können wir uns über den Punktgewinn freuen. Aber in unserer Mannschaft steckt noch viel mehr drin.“

FCR – TB Berlin 2:0 (1:0) „2:0 – FCR auf Zweitliga-Kurs!“, geschrieben von Wolfgang Röhrig

Der FC Remscheid ist weiter auf Zweitliga-Kurs. Mit einem nie gefährdeten 2:0 (1:0)-Sieg über Tennis Borussia Berlin setzten sich die Remscheider mit 3:1-Punkten an die Tabellenspitze der Aufstiegsrunde. Vor dem VfL Wolfsburg, der spielfrei war, aber morgen den FCR zuhause empfängt.

Die Berliner hatten nie auch nur den Hauch einer Chance. Souverän, mit kleinen Pausen Mitte der zweiten Halbzeit, steuerten die Remscheider den Erfolg ins Ziel.

Zwei blitzsaubere Tore des von zahlreichen Bundesligisten stark umworbenen Carsten Pröpper sorgten für viel Stimmung auf den Rängen. Viel Prominenz hatte sich unter die 5000 Zuschauer gemischt. Bereits zum dritten Mal war Borussia Mönchengladbachs Rolf Rüssmann nach Lennep gereist. Er war von der Leistung der Remscheider angetan. „Schon bei unserer Pokalniederlage hier hat mich der FCR überzeugt. Zur Zeit ist die Mannschaft fast noch besser drauf. Ich traue ihr den Aufstieg ohne weiteres zu.“

Für die gute Leistung der Bergischen gibt es viele Gründe. Da ist zunächst die mannschaftliche Geschlossenheit und die fast schon perfekte Abwehr. Allen voran das Gespann Uwe Freitag und Zdenko Kosanovic. Vor allem Kosanovic scheint in der Form seines Lebens zu sein. Seine Übersicht, seine Zweikampfstärke und seine Technik überragen, sind unübertroffen.

Ein weiterer Punkt kommt hinzu, mit dem man nicht unbedingt rechnen konnte. Das „Wunder“ heißt Sigi Jakubauskas. Was der Litauer inzwischen auf der linken Außenverteidigerposition spielt, ist allererste Sahne. „Sigi“ entwickelt sich immer mehr zu einem Leistungsträger und zum Publikumsliebling. Seine abgeklärte Spielweise, sein Stellungsspiel und sein gutes Auge sind schon mehrere Tüpfelchen auf dem berühmten „i“.

So war es kein Zufall, daß der Litauer auch beide Tore des brandgefährlichen Carsten Pröpper vorbereitete. Seine präzisen Flanken verwertete Pröpper im Stile eines Klassemanns. Rolf Rüssmann: „Der Carsten beherrscht alles, was ein guter Stürmer braucht. Er ist torgefährlich, technisch beschlagen und kopfballstark. Dazu zeichnet er sich weiterhin durch ein sehr gutes Spielverständnis aus.“ Klar, daß Pröpper auch auf der Wunschliste des Managers steht.

Immer stärker wird auch Jakubauskas‘ Landsmann Victor Bridaitis. Der blonde Allroundmann stellt sich Spiel für Spiel uneigennützig in den Dienst der Mannschaft. Er schuftet für zwei, stopft Löcher und gibt viele Impulse.

Was das Arbeiten betrifft, steht ihm Peter Gemein nicht viel nach. Der Kölner ist immer in Bewegung, spielt hinten die Feuerwehr und sorgt vorne für den Platz, den das torgefährliche Remscheider Mittelfeld benötigt, um zu Erfolgen zu kommen. Schade, daß Gemein beim Abschluß oft Pech hat. Gerade ihm ist wieder ein Tor zu gönnen.

Nach wie vor gibt es beim FCR kaum einen Schwachpunkt. Selbst als Michael Griesbach bereits nach vier Minuten verletzungsbedingt vom Feld mußte, gab es in der Mannschaft keinen Knick. Jo Schmidt, zur Zeit noch längst nicht in Bestform, ließ nichts anbrennen. Aber er kann mehr.

Ebenso André Kröning, der nach seiner Leistenverletzung und der anschließenden schweren Grippe erst langsam wieder in Form kommt. Berücksichtigt man, daß sowohl Schmidt und Kröning sich vom Leistungsvermögen her noch erheblich steigern werden, sieht die Zukunft dieser Mannschaft sehr, sehr vielversprechend aus.

Statistik

Das Spiel in Göttingen

FC Remscheid: 1 Stocki, 2 Griehsbach, 3 Freitag, 4 Kosanovic, 5 Jakubauskas, 6 Bridaitis, 7 Kessen, 8 Pröpper, 9 Kröning (67. 14 Schmidt), 10 Gemein, 11 Tilner.

Zuschauer: 3 500.

Schiedsrichter: Lehnhardt (Heringen).

Zeitstrafe: Pröpper (72.).

Gelbe Karten: Walle/Griehsbach, Kessen,

Bridaitis.

Das Spiel gegen Berlin

FC Remscheid: 1 Stocki, 2 Griehsbach (ab 4. Minute 14 Schmidt), 3 Freitag, 4 Kosanovic, 5 Jakubauskas, 6 Bridaitis, 7 Kessen, 8 Pröpper, 9 Kröning, 10 Gemein (ab 81. Minute 15 Tamulevicius), 11 Tilner.

Tore: 1:0 (15.) Pröpper, 2:0 (69.) Pröpper.

Schiedsrichter: Domurat (Datteln).

Zuschauer: 5 000.

Gelbe Karten: Clarke, Henklein, Hellmann, Kühlhorn.

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