Fechten

Die Prioritäten haben sich verändert

Jakob Hilger beim Urlaub in New York vor einem Jahr. Da war die Welt scheinbar noch in Ordnung. Foto: JH
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Jakob Hilger beim Urlaub in New York vor einem Jahr. Da war die Welt scheinbar noch in Ordnung.
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Im Interview spricht der Remscheider Fechter Jakob Hilger über den Wandel in seinem Leben.

Von Fabian Herzog 

Sie haben zu den talentiertesten Säbelfechtern in Deutschland gehört, sind zweimal – jeweils mit der Mannschaft von Bayer Dormagen – Deutscher Junioren-Meister geworden und durften Bronze beim Weltcup in den USA bejubeln. Aber nun ist Ihre aktive Karriere schon beendet. Das müssen Sie uns erklären.

Mit dem deutschen Junioren-Nationalteam holte sich Jakob Hilger beim Weltcup in Phoenix/USA die Bronze-Medaille.

Jakob Hilger: Mit Beginn meines Psychologie-Studiums vor vier Jahren und dem Ende meiner Zeit im Juniorenbereich eine Saison später haben sich meine Prioritäten verändert. Ich habe gemerkt, wie schwierig es ist, Leistungssport und Studium miteinander zu vereinbaren. Als die Erfolge bei den Erwachsenen, wo es für mich als Jüngster echt hart war, ausblieben, hat meine Motivation auch nachgelassen, und ich habe nicht mehr so intensiv trainiert wie zuvor.

Wie fühlte es sich an, plötzlich nicht mehr erfolgreich zu sein?

Hilger: Nicht schön. Aufgrund der starken Konkurrenz hatte ich keine Chance mehr, an internationalen Turnieren teilzunehmen. Und genau die haben mir immer viel Freude bereitet. Ich fand es immer toll, viel von der Welt zu sehen und außergewöhnliche Orte kennenzulernen.

Welche sind Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Hilger: Einen Weltcup in Teheran werde ich nie vergessen. Das war schon eine außergewöhnliche Erfahrung. So oft kommt man ja nicht in den Iran. Das war schon echt sehr spannend.

Komplett an den Nagel haben Sie den Säbel aber nicht gehängt.

Mit der Junioren-Mannschaft Bayer Dormagens wurde Hilger (l.) zweimal Deutscher Meister.

Hilger: Nein. 2019 durfte ich noch einmal bei einem Weltcup in Kairo dabei sein, aber das war mehr dem Wohlwollen des Bundestrainers als meiner eigenen sportlichen Leistung zu verdanken gewesen. Außerdem fechte ich immer noch hin und wieder in einer Hobbytruppe in Dormagen, die von einigen Ehemaligen bei Bayer gebildet wird. Da wird allerdings auch mal Fußball gespielt und das eine oder andere Bierchen getrunken.

Mehr Verbindung zum Fechtsport besteht nicht mehr?

Hilger: Doch. Seit ein paar Jahren arbeite ich auch als Trainer. Bei TuRa Büderich in Meerbusch habe ich angefangen, eine Fechtabteilung aufzubauen. Das macht mir großen Spaß.

Das müssen Sie mal näher erläutern. Wie kam es denn dazu?

Hilger: Der Kontakt kam über Bayer Dormagen zustande. Der TSV unterstützt viele kleinere Vereine in der Region, um dort auch Talente zu sichten. Mit Büderich hätten wir vergangenes Jahr sogar bei der Deutschen Mannschafts-Meisterschaft in Dormagen ein Team aus Ehemaligen stellen können, was durch Corona aber leider verhindert wurde.

Apropos Corona: Mit dem Virus haben Sie eine besondere Erfahrung gemacht.

Hilger: Als die Pandemie ausbrach, war ich mit meinem Vater in New York, wo ich mich mutmaßlich infiziert habe. Zumindest hatte ich kurz darauf Atemnot und den Geschmackssinn verloren. Ein späterer Test fiel aber negativ aus. Im Gegensatz zu meinem Vater und meiner Mutter, bei denen er positiv war.

Mittlerweile sind aber alle hoffentlich wieder gesund?

Hilger: Ja. Bei meinem Vater war es aber echt nicht schön. Er war auch ein paar Tage im Krankenhaus.

Wie sehr schränkt Corona Ihren Trainingsbetrieb in Meerbusch in diesen Tagen ein?

Hilger: Im Sommer konnte zunächst wieder ein Training auf Abstand und unter freiem Himmel stattfinden, wobei ich da fast mehr als Leichtathletik- und weniger als Fechttrainer tätig war. Später wurde unter strengen Hygieneregeln auch ein Training in der Halle wieder möglich. Seit November findet nun wieder gar kein Training statt, was für mich auch starke finanzielle Einbußen bedeutet. Ich hoffe nun, den Trainingsbetrieb bald wieder aufnehmen zu können und den Verein weiterzuentwickeln. Vor der Pandemie waren einige Projekte geplant.

Außerdem haben Sie ja auch noch einen anderen Bereich des Fechtens für sich entdeckt.

Hilger: Das stimmt. Vor ein paar Jahren habe ich in Dormagen die erste Kampfrichterlizenz gemacht. Die ermöglicht es mir, sogar an internationalen Turnieren der Jugend teilzunehmen. So war ich zum Beispiel in Wien dabei. Der nächste Schritt ist dann jetzt die B-Lizenz, an der ich dran bin.

Klingt so, als wäre das etwas, an dem Sie große Freude hätten.

Hilger: Das kann man so sagen. Es macht mir echt viel Spaß, Kampfrichter zu sein. Und es bietet mir eine weitere Möglichkeit, dem Fechtsport erhalten zu bleiben.

Jakob Hilger

Über den WMTV Solingen ist der 22-Jährige zum TSV Bayer Dormagen gekommen. Eine Zeit lang hat er in der Stadt am Rhein in einer WG gelebt, mittlerweile wohnt er in Köln in der Nähe des Neumarkts. Dort studiert der Remscheider Psychologie. 2017 hat am Röntgen-Gymnasium in Lennep sein Abitur gemacht.

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