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Pia Adams findet in Zwickau ihr Glück

„Da geht es lang!“ Pia Adams hat sich beim BSV Sachsen Zwickau schnell zu einer Führungsspielerin entwickelt. Foto: Imago/Kruczynski
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„Da geht es lang!“ Pia Adams hat sich beim BSV Sachsen Zwickau schnell zu einer Führungsspielerin entwickelt.
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Für die lange verletzte Burscheider Handballerin entpuppt sich der Wechsel als richtige Entscheidung.

Von Andreas Dach

Hinter ihr liegen ein paar entspannte Tage in der Heimat. Dort, wo ihre handballerische Laufbahn vor vielen Jahren erst bei der TG Hilgen und später bei den Bergischen Panthern Fahrt aufgenommen hat. In Burscheid konnte Pia Adams die Geschehnisse der vergangenen Wochen sacken lassen. Bei der Familie durchschnaufen. Vielleicht auch mal für ein paar wenige Momente nicht an den eigentlich so geliebten Handballsport denken.

Willkommen zurück in der Bundesliga, Pia Adams. Die Rückraumspielerin hat mit dem BSV Sachsen Zwickau vorzeitig den Sprung ins Oberhaus geschafft und war daran maßgeblich beteiligt. Nach dem Wechsel in den Osten im Oktober 2020 hat die 25-Jährige einen derartigen Eindruck hinterlassen, dass sie von Trainern, Trainerinnen und Spielführerinnen der 2. Liga zur besten Spielerin der Saison 2020/2021 gewählt wurde. Eine unglaublich wertvolle Auszeichnung.

„Wirklich realisiert habe ich die letzten Tage noch nicht“, sagt Pia Adams ehrlich. Zu viele schöne Dinge sind auf sie eingestürzt, die Balsam für ihre Seele sind und waren. Wie der Aufstieg und eben die Ehrung. Nach einer rund einjährigen Leidenszeit war ein solcher Erfolgsweg für die 1,81 Meter große Akteurin nicht prognostizierbar gewesen. Doch sie hat es geschafft, will nun mit Zwickau, wo ihr Vertrag noch eine weitere Saison läuft, die Bundesliga aufmischen.

Bei Bayer wird sie dreimal Deutsche Meisterin

Rückblende: Eigentlich hatte die aus einer Handballerfamilie stammende Pia Adams eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Nach ihrer Panther-Zeit ging es schnurstracks weiter zu Bayer Leverkusen, wo sie dreimal die deutsche A-Jugend-Meisterschaft feiert (2013 bis 2015). Aufwärts, immer weiter aufwärts. Die 2. Mannschaft in der 3. Liga, die Erste in der Bundesliga – die Entwicklung war prächtig. Um noch häufiger Spielpraxis zu bekommen, wechselte die gelernte Physiotherapeutin für zwei Jahre zum Kooperationspartner TV Beyeröhde, um 2019 wieder zu Bayer zurückzukehren.

Dort begann im November 2019 das Dilemma für die ehemalige deutsche Junioren-Nationalspielerin. Eine unklare Sehnenentzündung an der Ferse bremste sie aus. Eine Woche? Zwei? Nein, Monate. Penetrant und schmerzhaft. Pia Adams war der Verzweiflung nah. So nahe, dass sie daran dachte, ihre Laufbahn zu beenden. Sie rannte von Arzt zu Arzt, keine Behandlung schlug an. Logisch, dass ein Nervenkostüm da dünner wird. Zumal Bayer Leverkusen im Sommer 2020 ihren Vertrag auflöste. Offenbar zweifelte man zunehmend an ihrer Rückkehr in den Spielbetrieb.

„Wenn ich etwas mache, dann zu 100 Prozent“, sagt sie. „Halbgares liegt mir nicht.“ Umso frustrierender war die Zeit für sie, die Handballerin aus Leidenschaft. Mit dem vorzeitigen Ende in Leverkusen war der Druck weg. Adams suchte sich in aller Ruhe einen anderen Arzt. Einen in Köln, der ihr schließlich helfen sollte. Spritzenkur, Eigenblutbehandlung, Cortison – so ganz langsam sollte Besserung einkehren. „Der Doc hat mir viel Mut zugesprochen“, erinnert sie sich. Ganz langsam konnte sie genesen und nach einer abschließenden MRT-Untersuchung erste Läufe machen. 15 Minuten, später 30. Aufgeben? Der Gedanke verflog zusehends: „Dafür hatte ich schließlich nicht jahrelang investiert.“

Der Anruf von Norman Rentsch kam zum richtigen Zeitpunkt. Der Zwickauer Trainer kannte die Burscheiderin, überzeugte sie von einem Wechsel. „Ich bin sehr heimatverbunden“, stellt Pia Adams heraus. „Vielleicht hat mir deshalb niemand zugetraut, dass ich einmal von zu Hause weggehe. Doch ich habe diese Herausforderung als nächsten Schritt zum Erwachsenwerden genutzt.“

„Zwickau ist eine schnuckelige kleine Stadt!“

Pia Adams, Handballerin

In einer ganz fremden Umgebung, welche sie längst lieb gewonnen hat. „Zwickau ist eine schnuckelige kleine Stadt“, findet sie. Zur Halle sind es gerade mal zehn Minuten, zu ihrem Arbeitsplatz als Physiotherapeutin in Teilzeit ist es auch nicht weit. Kurz: Pia Adams hat es gut angetroffen. Das erste Spiel nach ihrem Wechsel nach Ostdeutschland hatte sie fast in der Heimat – beim HSV Gräfrath in Solingen. „Da“, erinnert sie sich noch genau, „war ich total unsicher.“ Das sollte sich legen, von Spiel zu Spiel mehr. Wobei Pia Adams eine Umstellung zu verkraften hatte: Rentsch stellte sie in die Mitte. Neuland für die Burscheiderin, die seit der Jugend auf Halblinks eingesetzt worden ist.

Wie man mittlerweile weiß: Pia Adams hat sich akklimatisiert. In der neuen Stadt, in einer neuen Mannschaft („Alle sind sehr hilfsbereit“) und auf einer neuen Position. Adams ist glücklich. Sie lacht wieder. Und das nicht selten. Das hat in den vergangenen Tagen auch ihre Familie erlebt. Die Eltern Rainer und Carola, die ältere Schwester Lisa, der ältere Bruder Max (bekannt von einer Spielzeit bei den Panthern) und der kleine Neffe. Ihnen allen ist Pia Adams sehr dankbar: „Ohne meine Familie wäre ich nicht so weit gekommen.“ Wie auch anerkennende Worte an das Trainerteam des BSV Sachsen Zwickau gehen: „Auch ihm habe ich sehr viel zu verdanken.“

Einmal muss der vorzeitige Aufsteiger in dieser Spielzeit noch ran – am Samstag bei den Füchsen Berlin. „Ich freue mich jetzt schon auf die Rücktour im Bus“, gibt sie zu. Denn feiern kann man dort oben in der viertgrößten Stadt Sachsens. Das hat Adams schon gleich nach dem dem vorentscheidenden 32:27 gegen Lintfort erfahren. Da wurde im Mannschaftskreis in der Halle ein wenig Party bemacht. Dass die Fans im Moment nicht dabei sein können, bedauert sie sehr: „Ich habe in Zwickau nur eine Partie mit Zuschauern erlebt. Da herrschte eine unglaubliche Stimmung, obwohl nur eine bestimmte Prozentzahl zugelassen war.“ Was nicht ist, kommt noch. Schließlich sollen alle diese Pia Adams kennenlernen.

Persönlich

Die am 7. Januar 1996 in Leverkusen geborene Pia Adams hat ihre Schulzeit (Grundschule Dierath, Landrat-Lucas-Gymnasium Opladen) mit dem Abitur beendet. Als hochtalentierte Jugend-Handballerin nahm sie 2013 an der U17-EM und 2016 an der U20-WM teil. Wie gerne würde sie mit ihrer Mannschaft im Sommer eine Abschlussfahrt nach Mallorca absolvieren. Corona verhindert dies.

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