Schwimmen

Olympia? Spätestens im Jahr 2028

Larus Thiel bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin: Dort feierte der Lüttringhausener in diesem Jahr seine Premiere und räumte auf Anhieb mächtig ab.
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Larus Thiel bei den Deutschen Jahrgangsmeisterschaften in Berlin: Dort feierte der Lüttringhausener in diesem Jahr seine Premiere und räumte auf Anhieb mächtig ab.
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Der Remscheider Larus Thiel schwimmt von einem Erfolg zum nächsten und hat Großes vor.

Von Fabian Herzog

Er gehört unbestritten zu den größten Schwimmtalenten, die Remscheid in den vergangenen Jahren hervorgebracht hat. Und damit ist ausdrücklich das sportliche Leistungsvermögen gemeint. Wobei Larus Thiel mit 1,88 Meter Körpergröße auch außergewöhnlich daherkommt, schließlich ist der Lüttringhausener gerade einmal 13 Jahre alt. Trotzdem ging er am vergangenen Wochenende in der Wuppertaler Schwimmoper für die SG Bayer in der offenen Klasse an den Start und wusste seine Qualitäten auch dabei unter Beweis zu stellen (siehe Extrainfo).

Schon im Mai diesen Jahres hatte Thiel gezeigt, welch großes Talent in ihm steckt. Da feierte er in Berlin seine Premiere bei der Deutschen Jahrgangsmeisterschaft und räumte fast alles ab, was es abzuräumen gab. Sechs Mal schwamm er zu Gold, ließ der Konkurrenz über 50, 100 und 200 Meter Freistil, 50 und 100 Meter Schmetterling sowie sogar über die 50 Meter Brust in teils beeindruckenden Zeiten keine Chance. Speziell letztgenannter Erfolg überraschte ihn: „Die 50 Brust schwimme ich wie eine Oma.“ Aber eben immer noch schneller als jeder andere Deutsche seines Jahrgangs.

Larus Thiel beim (sympathischen) Besuch in der RGA-Sportredaktion.

Die Titel aus der Bundeshauptstadt genießen beim erfolgsverwöhnten Remscheider einen hohen Stellenwert: „Die kann mir keiner mehr nehmen.“ Etwas anders verhält sich das bei den bundesweiten Jahrgangsrekorden, die Thiel in schöner Regelmäßigkeit aufstellt. In Berlin knackte er in 58,29 Sekunden über die 100 Meter Schmetterling die fast genau zehn Jahre alte bisherige Bestmarke von Johannes Hintze um 2,8 Zehntel.

Auch über die 50 Meter Schmetterling (25,81 Sekunden) gab es im Jahrgang 2009 noch keinen schnelleren 13-Jährigen. Dazu kommen einige weitere deutsche Rekorde, die Larus Thiel hält: 50 und 100 Meter Freistil, 50 Meter Schmetterling (jeweils in der AK 12 auf Lang- und Kurzbahn) und seit dem Wochenende auch 100 Meter Freistil (AK 13, Kurzbahn).

Es war so etwas wie die Krönung eines tollen Trips, der auch in seiner Heimatstadt große Beachtung fand. So fieberte Thomas Giebisch, sein Schulleiter am Leibniz-Gymnasium, bei jedem Renluinen im Lehrerzimmer mit und berichtete darüber in täglichen Updates auf der Schul-Homepage. „Er ist beinahe sein größter Fan“, scherzt Vater Lars Thiel, der wie sein Sohn die Unterstützung der Schulleitung bezüglich der Freistellungen für wichtige Wettkämpfe sehr zu schätzen weiß.

Aber wer genau ist dieser Larus Thiel? Seine Eltern haben ihm definitiv sportliche Gene mitgegeben. Vater Lars war auf westdeutscher Leichtathletik-Ebene erfolgreicher Zehnkämpfer, bis ihm sein Körper einen Strich durch die Rechnung machte und anhaltende Oberschenkelprobleme für ein frühes Karriereende sorgten. Mutter Alina war Schwimmerin, die es ebenfalls bis auf NRW-Ebene geschafft hat. Und Bruder Arbor (10) schwimmt auch, aber deutlich weniger ambitioniert und „nur“ beim Lüttringhauser TV beziehungsweise der SG Remscheid.

Das Schwimmen ist meine große Liebe.

Larus Thiel, Schwimm-Talent

Dort liegen auch die Anfänge von Larus Thiel, die in der Familie rückblickend für viel Erheiterung sorgen. „Damals musste mich meine Mom ins Auto und vom Parkplatz runter in die Halle schleppen“, erinnert sich der heute leistungsorientierte Sportler. Auch sein Vater blick schmunzelnd zurück: „Das waren richtige Dramen.“ Ziel sei es aber gewesen, dass die Kinder so früh wie möglich das Schwimmen erlernen.

Als Kind spielte Larus Thiel auch Fußball. Mit sechs Jahren begann er beim FC Remscheid, dann stand er eine Zeit lang auch in Bergisch Born im Tor. Und das auch nicht untalentiert. Irgendwann musste er sich aber für eine Sportart entscheiden – und blieb beim Schwimmen. Um das Maximum aus sich herauszuholen, wechselte Thiel 2020 nach einem kleinen Abstecher beim TSV Solingen-Aufderhöhe zur SG Bayer nach Wuppertal. Dort findet er optimale Bedingungen vor. „Alle Trainer haben die A-Lizenz“, schwärmt der Remscheider vom außergewöhnlichen Niveau seiner sportlichen Ausbilder, unter denen sich mehrere Olympiateilnehmer und ehemalige Weltrekordler befinden.

Nur zu gerne würde Larus Thiel auch in solche Sphären schwimmen. „Olympia 2024 wäre schon geil“, sagt der 13-Jährige. Dann wäre er gerade mal 15. „Aber 2028 dann spätestens.“ Bei allem Ehrgeiz gibt der Remscheider aber auch zu, nicht alles dem Sport und diesen Zielen unterzuordnen. „Ich lasse auch mal ein Training ausfallen.“ Andere Hobbys? Mädchen? „Das Schwimmen ist meine große Liebe“, sagt er lächelnd. Auf sechs bis sieben Einheiten pro Woche, inklusive einer samstags um 7 Uhr, kommt er dennoch.

Wohin die Reise des Bundes- und Landeskaderathleten führt, bleibt abzuwarten. Jüngst durfte er sich am Olympia-Stützpunkt in Essen im Rahmen einer Laufbahnberatung Tipps abholen. „Er soll einfach Spaß haben“, sagt Vater Lars und findet: „Die Jungs bringen ja eh schon ein unglaubliches Opfer.“ Thiel selbst ist sich bewusst, in der aktuellen Phase auch von seiner Körpergröße zu profitieren. Er sagt aber auch: „Ich kann mich in Sachen Technik in vielen Bereichen verbessern und habe das volle Potenzial ganz sicher noch nicht ausgeschöpft.“

NRW-Titel

Ohne die ganz großen Erwartungen war Larus Thiel am vergangenen Wochenende bei den NRW-Kurzbahnmeisterschaften an den Start gegangen. Schließlich trat er dort größtenteils gegen Erwachsene an. Trotzdem gewann er als Startschwimmer mit der 4x50-Meter-Staffel der SG Bayer den Titel. Nächster Termin: Die Kurzbahn-DM vom 17. bis 20. November, die erneut in der Wuppertaler Schwimmoper stattfindet.

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