Handball

Nur Robbie verdrängt mal ihren HSV

Steffi Osenberg geht mit dem HSV am Samstag in ihre fünfte Saison.
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Steffi Osenberg geht mit dem HSV am Samstag in ihre fünfte Saison.

Steffi Osenberg, die frühere Trainerin des TuS Wermelskirchen, startet mit Gräfrath in die Zweitligasaison.

Von Fabian Herzog

Als Co-Trainerin der Zweitliga-Handballerinnen des HSV Solingen-Gräfrath beginnt für Sie am Samstag um 18.15 Uhr mit einem Heimspiel in der Klingenhalle gegen Harrislee die neue Saison. Wie groß ist die Vorfreude bei Ihnen? Wie groß sind die Erwartungen?
Steffi Osenberg: Klar freuen wir uns nach der langen Vorbereitung alle riesig, dass es endlich wieder losgeht. Wir nehmen das Wort Aufstieg nicht in den Mund, wollen aber, wenn alles gut läuft, unter die ersten Drei kommen. Aber man muss abwarten, wie sich die Saison entwickelt. Im Vergleich zum letzten Jahr (am Ende Platz fünf, Anmerkung der Redaktion) sind wir sicherlich nicht mehr die Wundertüte und werden unterschätzt. Unsere Gegner haben sich auf uns eingestellt und ebenfalls teilweise gut aufgerüstet.
Was ganz untypisch war: Das abschließende Turnier-Trainingslager auf Sardinien haben Sie allerdings verpasst. Fiel Ihnen das schwer?
Osenberg: Auf jeden Fall. Da blutet einem das Herz. Aber ich hatte Karten für das Konzert von Robbie Williams in München zum Geburtstag geschenkt bekommen, daher blieb mir keine Wahl. Man kann halt nicht alles haben. Aber Robbie war auch absolut mega.
Wenige Tage später hatten Sie Ihr HSV-Team ja auch schon wieder. Was zeichnet die Mannschaft aus, mit der Sie jetzt schon seit fast vier Jahren zusammenarbeiten?
Osenberg: Der Charakter der Spielerinnen ist schon außergewöhnlich. Menschlich sind alle top, da ist kein Ausreißer bei. Es gibt auch keine Störfeuer oder Ähnliches. Das erlebt man auf so einer sportlichen Ebene eher selten und hat auch unsere Neuzugänge zum Teil überrascht. Die haben sich vom ersten Tag an extrem wohlgefühlt.
Extrem harmonisch wirkt auch Ihr Zusammenspiel mit Trainerin Kerstin Reckenthäler. Die Videos der gemeinsamen Analyse nach den Spielen auf Instagram sind schon fast Kult. Wie würden Sie Ihr Verhältnis beschreiben?
Osenberg: Ich glaube, wir ergänzen uns einfach prima. Wir kennen uns ja fast schon seit zehn Jahren. Als ich bei Bayer Leverkusen die 2. Mannschaft gecoacht habe, war Keke Trainerin der A-Jugend. Sie ist unglaublich akribisch, immer perfekt vorbereitet und ziemlich perfektionistisch. Ich will jetzt nicht sagen, dass ich davon das komplette Gegenteil bin, aber vielleicht der Ausgleich, den sie manchmal braucht (lacht). Na ja und das spiegelt sich dann auch in der Analyse wider, mit der wir zu Beginn der vergangenen Saison angefangen haben und die sich zu einer Art Running Gag entwickelt hat. Keke analysiert das Spiel auf den Punkt und ich steuere dann noch ein eher lockeres „Woran hat es gelegen?“ bei.
Wie würden Sie ansonsten Ihre Rolle definieren?
Osenberg: Die Mädels haben mal spaßeshalber gesagt: „Co.“ und so. Ich bin quasi das Mädchen für Alles. Ich kümmere mich um viel Organisatorisches, mache ein bisschen Pressearbeit, arbeite dem Social-Media-Bereich zu, trainiere die Torhüterinnen zweimal pro Woche und höre Keke zu, wenn die sich mal ausheulen muss (lacht).
Beim TuS Wermelskirchen sah Ihre Rolle vor einigen Jahren ganz anders aus. Von 2014 bis 2016 waren Sie in zwei Verbandsliga-Saisons die Cheftrainerin. Wie sind Ihre Erinnerungen daran?
Osenberg: Es war eine super lustige Zeit, die mir viel Spaß gemacht hat. Deswegen habe ich auch immer noch Kontakt zu vielen von damals. Wie zur Familie Dedek oder der Vossi Grugel. Ich erinnere mich auch noch daran, dass wir sehr erfolgreich waren und die Kameradschaft toll war. Damals ging es für mich ja auch nicht darum, den Mädels noch irgendetwas beizubringen oder sie auszubilden, sondern in erster Linie darum, eben Spaß am Handball zu haben.
Anders als beim HSV Solimgen-Gräfrath.
Osenberg: Klar, da haben wir natürlich das Ziel, die Spielerinnen besser zu machen. Was uns in den letzten Jahren sicherlich auch gelungen ist. Eine bessere Trainerin dafür, als Keke, gibt es aber auch nicht. Sie denkt sieben Tage die Woche 24 Stunden an ihre Mannschaft.
Gibt es einen Plan, wie lange Sie und Reckenthäler noch zusammenarbeiten wollen?
Osenberg: Keke hat es auf jeden Fall verdient, früher oder später mal Trainerin bei einem Erstligisten zu sein. Dann würden sich unsere Wege eh trennen müssen. Denn das könnte ich dann mit meinem Job als Führungskraft bei der Firma „All 4 Labels“ in Solingen-Wald gar nicht mehr unter einen Hut bringen. Das ist eben auch der Unterschied zwischen uns beiden. Bei mir ist der Trainerjob ein Hobby, bei ihr ist es definitiv Berufung.

Zur Person

Beste Erinnerungen hat Steffi Osenberg an ihre Zeit beim TuS Wermelskirchen.

Steffi Osenberg wurde am 14. Januar 1968 in Wuppertal geboren. Als Handballerin beim TV Beyeröhde großgeworden, feierte sie zahlreiche Erfolge. Sie wurde die erste Jugendnationalspielerin des TVB, mit der A-Jugend 1986 Deutsche Vize-Meisterin und wechselte im selben Jahr zum VfL Engelskirchen in die Bundesliga. Auch bei Bayer Leverkusen spielte sie auf höchstem Niveau, erreichte unter anderem das DHB-Pokal-Finale. In Beyeröhde klang ihre aktive Karriere später aus. Auch als Trainerin brachte sie sich in der Buschenburg ein, wechselte 2012 aber zu Bayer Leverkusen, wo sie die 2. Mannschaft übernahm. Von 2014 bis 2016 trainierte Osenberg die Handballerinnen des TuS Wermelskirchen, ehe sie noch einmal nach Leverkusen – als „Co.“ von Kerstin Reckenthäler in der A-Jugend – zurückkehrte und mit dieser 2018 zum HSV Gräfrath wechselte.

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