An der frischen Luft

Nur noch der Spaß steht im Vordergrund

Frank Alsdorf war am Donnerstag gut gerüstet, um sich auf die Runde um die Eschbachtalsperre zu machen.
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Frank Alsdorf war am Donnerstag gut gerüstet, um sich auf die Runde um die Eschbachtalsperre zu machen.
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An der frischen Luft . . . mit Frank Alsdorf, der seit Jahrzehnten dem Handball in der Region eng verbunden ist.

Von Peter Kuhlendahl 

Es gibt solche und solche Wintertage. Am Donnerstagvormittag vergangener Woche war es eher einer der unangenehmen Sorte. Nasskalte Temperaturen knapp über den Gefrierpunkt und leichter, aber stetiger Schneefall.

RGA-Sportredakteur Peter Kuhlendahl (l.) und Frank Alsdorf haben die Talsperre umrundet.

„Was hast Du Dir denn für ein Wetter ausgesucht?“, fragt Frank Alsdorf, der aber bester Laune ist, als er vor dem derzeit geschlossenen Autobahnhotel aus seinem Wagen steigt. Und er ist bestens für die Runde um die Eschbachtalsperre gerüstet. Festes Schuhwerk für die aufgeweichten Wege, dicker Parka, Handschuhe, Mütze und Schal gegen Nässe und Kälte.

Eine Runde um die Talsperre bei dem Wetter und dann gute Laune? Für den Lenneper Frank Alsdorf, der seit Jahrzehnten in den unterschiedlichsten Funktionen dem Handballsport verbunden ist, kein Widerspruch. Im Gegenteil. „Ich bin in der Woche vier bis fünf Mal an der frischen Luft unterwegs“, berichtet der 63-Jährige. Allerdings in einem anderen Revier. Der Lenneper umrundet die Panzertalsperre oder ist an der Wuppersperre auf den Beinen. Dafür muss er sich auch nicht in den Wagen setzen. Die Natur hat er quasi vor der Haustüre.

Dabei ist ihm Wind und Wetter egal. Und oft ist es für ihn eine aktive Mittagspause. Gerade jetzt in Coronazeiten. Da ist der SAP-IT-Sachverständige im Homeoffice. „Da hänge ich viel am Telefon und Bewegung tut gut“, sagt Alsdorf. Dabei betont er allerdings, dass er ein sehr zügiger Spaziergänger sei: „Durch den Wald schlendern ist nichts für mich.“

Gemäßigten Schrittes geht es an diesem ungemütlichen Wintertag aber um die Talsperre. Zum einem muss man immer wieder Pfützen und Schlamm ausweichen, zum anderen zügelt man beim Plaudern einfach seine Schritte.

„Die zweite Reihe ist mir mittlerweile auch viel lieber.“
Frank Alsdorf, HSG-Co-Trainer

Es gibt viel, über das man sich auf der drei Kilometer langen Strecke unterhält. Die Zeit vergeht wie im Fluge. Natürlich geht es zunächst um Handball. Dem hat sich Frank Alsdorf vor Jahrzehnten verschrieben. Mit 12 Jahren hat er beim Remscheider TV angefangen. „Wir sind dann nach Lennep gezogen, und ich habe bei der LTG die ganze Jugend gespielt.“ Schließlich auch bei den Senioren. Am Kreis und auf Rechtsaußen. Mit 25 Jahren war allerdings seine aktive Zeit beendet. Da startete er seine Trainer- und später Managerlaufbahn.

Auf der Bank sitzt er heute noch. Aktuell als Co-Trainer bei der HSG Radevormwald/Herbeck. Nach Rade ist er 2005 durch seine Söhne gekommen. „Ich habe sie damals zum Training gebracht. Da es nicht lohnte, zwischendurch nach Hause zu fahren, bin ich da geblieben“, erzählt Alsdorf. Es kam, was kommen musste. „Ich wurde gefragt, ob ich nicht das Training übernehme.“ Da die Söhne begeistert waren, vom Papa gecoacht zu werden, stimmte er zu.

Während Sohn Marco auch heute noch bei den Senioren in Rade spielt, hat sich Sohn Daniel vom Handball verabschiedet. Marco Alsdorf trainiert bei der HSG mittlerweile auch eine Nachwuchsmannschaft. Dass Frank Alsdorf sehr stolz ist, dass er in seine Fußstapfen tritt, merkt man ihm an.

Kein Problem hat Alsdorf, der in seiner langen Karriere in höheren Ligen das Sagen hatte, damit, dass er jetzt nicht mehr in der ersten Reihe steht. „Die zweite Reihe ist mir mittlerweile auch viel lieber. Ich mache nur noch das, was mir Spaß macht.“ Außerdem muss er sich da, wo er sich engagiert, wohlfühlen. Und genau das macht er in Rade. „Hier geht es zudem sehr familiär zu. Bei den Senioren spielen aktuell elf Jungs aus der eigenen Jugend. Und die Mütter von Frederic Seifert und Kevin Breuer habe ich auch schon trainiert.“

Dazu kommt auch, dass der Erfolg da ist. Mit der HSG steht er aktuell an der Tabellenspitze der Landesliga. Und für alle sind die Rader der Topfavorit auf den Aufstieg. Allerdings droht ihnen wegen der Pandemie wieder ein ähnliches Schicksal wie in der abgebrochenen Saison im vergangenen Jahr. „Ich glaube mittlerweile nicht mehr daran, dass wir die Saison normal beenden können. Vom Verband gibt es verschiedene Modelle. Ich bin gespannt, was passiert. Aber die Jungs, mit denen wir als Trainer einmal in der Woche per Videokonferenz Kontakt haben, sind unglaublich heiß.“

Das Sagen auf der Bank und auch auf der Platte hat Roman Warland. „Er war es auch, der mich in einem sehr guten Gespräch überzeugt hat, wieder auf die HSG-Bank zurückzukehren“, erzählt Alsdorf und erinnert daran, dass sich der Verein kurz vor der Saison 2019/20 überraschend vom damaligen Coach Björn „Jala“ Frank getrennt hatte, mit dem Alsdorf lange in der Rade Jugend gearbeitet hatte. Über die Umstände mag er sich nicht äußern.

In diesen Tagen wird sich das Trainergespann mit den HSG-Bossen zusammensetzen und über das weitere Engagement in der nächsten Saison sprechen.

Die dann hoffentlich endlich wieder unter normalen Umständen ablaufen kann. Aktuell wird auch Alsdorf nicht nur handballerisch, sondern auch privat ob der Pandemie extrem eingeschränkt. So stünde im kommenden Monat der traditionelle Winterurlaub mit einer Freundesclique auf dem Programm. Und da geht dann eine Woche richtig „klassisch“ zu: Täglich geht es in den Alpen auf die Skipiste und dann zum Apres-Ski. Nur dieses Jahr eben nicht.

Im Urlaub ist immer richtig Action angesagt

Aber auch im Sommer geht es für Frank Alsdorf in die Berge. Alle zwei Jahre fährt er nach Kärnten. Immer in das gleiche Hotel. Mit den beiden Söhnen. „Da treffen wir auch dann immer regelmäßig eine Familie, die wir vor Jahrzehnten dort kennengelernt haben. Und immer mit den Kindern. Die waren damals noch sehr klein und sind heute erwachsen.“ Ansonsten ist Alsdorf ein großer Fan von Städtereisen im In- und Ausland. Wenn es wieder möglich ist, stünde als nächstes Lissabon auf dem Programm. Grundsätzlich gilt bei seinen Reisen zudem, dass im Urlaub etwas los sein muss. „Mich zwei Wochen in einer Club-Anlage an den Pool zu legen, geht gar nicht.“

Neben dem Reisen hat Alsdorf eine weitere große Leidenschaft: die Musik. Und da in erster Linie die Oldies aus den 1970er- und 80er-Jahren. „Da habe ich im Augenblick zu Hause auch genug Zeit, die Musik zu hören.“ Was fehlt, sind aber die Livekonzerte. Das letzte, was er besucht hat, war das Konzert von U2 in der Lanxess-Arena in Köln.

Was aber noch mehr fehlt, ist eine andere große Leidenschaft des Lennepers: Borussia Dortmund. „In der Regel besuche ich in der Saison drei bis vier Heimspiele. Aber auch das geht ja nicht.“ Und wenn es zeitlich passt, ist er zudem beim einen oder anderen Heimspiel des Bergischen HC in der Handball-Bundesliga dabei.

Und es sind die Dinge, die ein paar Nummern kleiner sind, aber dennoch aktuell fehlen. Wie die Doppelkopfrunde, die einmal im Monat stattfindet. Da spielt er dann mit Ex-Handballern der Lenneper TG. Selbst beim Kartenspiel ist seine Sportart irgendwie vertreten. Und dem Handball will Alsdorf auch weiter treu bleiben. Dabei gibt es nur eine Prämisse: „Es muss Spaß machen“, meint er lachend, entledigt sich auf dem Parkplatz den Handschuhen und der Mütze und macht sich bei nun immer stärker einsetzendem Schneefall zurück auf den Weg in sein Home-Office.

Zur Person

Frank Alsdorf wurde am 8. Juni 1957 in Remscheid geboren. Nach seiner aktiven Zeit bei der LTG wechselte er als Trainer nach Neviges und führte dort ein Frauenteam in die Regionalliga. Dann wurde Klaus Fischbach, der damalige Manager der Frauen des Remscheider TV, auf ihn aufmerksam und holte ihn als Coach. Dort verpasste Alsdorf, der die Trainer B-Lizenz hat, dann knapp den Aufstieg in die 2. Bundesliga. Sehr gerne denkt er an seine folgende Zeit als Manager bei der LTG zurück. Dort führte der Weg bis in die Regionalliga. Alsdorf gilt auch als Vater der damaligen Bergischen Handball-Meisterschaft. Dort waren neben vielen Bundesligisten auch die Stars aus Barcelona dabei. Als die LTG in die HG Remscheid aufging, endete seine Zeit. Es folgte eine Stippvisite beim Wermelskirchener TV. Seit 2005 ist er bei der HSG Radevormwald/Herbeck. Da ist er auch als Jugend-Vorstand aktiv.

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