Reitsport

Noch ein Virus: Herpes bedroht die Pferde

Sandra Bockholt und ihr sechsjähriger Hannoveraner Wallach Freddie Mercury. Die Lenneperin ist froh, dass ihr Pferd gegen Herpes geimpft ist.
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Sandra Bockholt und ihr sechsjähriger Hannoveraner Wallach Freddie Mercury. Die Lenneperin ist froh, dass ihr Pferd gegen Herpes geimpft ist.
  • Andreas Dach
    VonAndreas Dach
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Analyse: Nach einem Turnier in Spanien sind bereits Vierbeiner gestorben – EHV-1-Variante ist sehr aggressiv.

Das Coronavirus hält uns seit einem Jahr in Atem. Nichts oder nur wenig ist noch so, wie es einmal war. Pferdebesitzer beziehungsweise Reitsportler sind sogar doppelt gebeutelt. Equine Herpesvirus EHV-1 heißt die hochansteckende Gefahr, welche die Reitsportszene derzeit beherrscht.

Was hat es damit auf sich?

Es handelt sich um eine weitere Virusbedrohung, welcher sich Besitzer von Pferden seit einigen Wochen massiv ausgesetzt sehen. Es ist zwar nicht auf Menschen übertragbar, führt aber bei Pferden zu unterschiedlichen Krankheiten mit einem differierenden Schweregrad.

Warum ist das Herpesvirus bei Pferden gerade jetzt ein Thema?

Bei einem Springturnier im spanischen Valencia sind (auch) Pferde aus Deutschland infiziert worden. Mit weitreichenden Folgen. Zum Teil hat es schwere neurologische Verläufe gegeben, Vierbeiner sind sogar gestorben. Nach letzten Informationen ist die Zahl auf 17 angestiegen. Nach dem ursprünglichen Ausbruch in Spanien zieht das Equine Herpesvirus weiter seine Kreise. Pferde in Österreich, Frankreich und in den Niederlanden sind positiv auf EHV-1 getestet worden. Ein Ende der Verbreitung ist nicht abzusehen.

Das Herpesvirus ist aber doch nicht neu in der Reitsportszene.

Das ist richtig. Nach Angaben der Deutschen Reiterlichen Vereinigung tragen 80 Prozent der Pferde das Virus in sich. In vielen Fällen bricht die Erkrankung mit kaum merklichen Krankheitszeichen aus. Oder aber es kommt zu fiebrigen Atemwegsinfektionen, die gut behandelt werden können. Solche gefürchteten Verlaufsformen wie in Spanien sind eher seltener bekannt. Diese Variante des Herpesvirus ist besonders aggressiv.

Wie sinnvoll sind Impfungen?

Eine Impfung gegen EHV-1 kann den Ausbruch der Erkrankung nicht sicher verhindern. Eine Impfung führt aber dazu, dass ein infiziertes Pferd weniger Viren verbreitet. Was das Risiko einer Krankheitsübertragung erheblich minimiert. Impft man alle Pferde in einem Stall, ist der Effekt dadurch besonders groß. „Nur wenn der komplette Bestand durchgeimpft ist, kann man für einen gewissen Schutz sorgen“, sagt Axel Fromm, lange Jahre Chef des Reit- und Fahrvereins Remscheid.

Warum kann es überhaupt zu solch einem massiven Ausbruch in Valencia?

Das hat zum einen mit der außergewöhnlich gefährlichen Virusart zu tun. Andererseits herrschte keine Impflicht. Wobei: Auch geimpfte Pferde hat es zum Teil böse erwischt.

Kann ein arg geschwächtes Immunsystem solche Erkrankungen bei den Vierbeinern begünstigen?

„Selbstverständlich“, sagt Axel Fromm. „Das ist nicht anders als bei Menschen.“ Der lange Transport, Turnierstress, Umweltveränderungen, Wetterumschwung – es gibt unzählige Faktoren, die Einfluss nehmen (können) auf das Wohlbefinden eines Pferds. Noch einmal Fromm: „Sportler mit angeschlagenem Immunsystem sind auch anfälliger.“

Wie erleben Pferdebesitzer der Region die Entwicklung?

Die Lenneperin Sandra Bockholt, deren sechsjähriger Hannoveraner Wallach Freddie Mercury im Stall auf Gut Vogelbusch in Heiligenhaus nach dem Wechsel vom Buscherhof Ende November 2020 den Ort seines Glücks gefunden hat, berichtet: „Dort müssen alle Pferde verpflichtend gegen Herpes geimpft werden. Und zwar in einem Abstand von sechs Monaten.“ Das sei beruhigend. Dadurch, dass es vor Ort keine Turniere gebe, komme man auch nicht mit anderen Pferde in Kontakt.

Auf welche Einschränkungen müssen sich Pferdebesitzer und Reitsportler in absehbarer Zeit einstellen?

Der Weltreiterverband FEI hat fast alle internationalen Turniere inklusive des Weltcupfinals in zehn europäischen Ländern vorerst abgesagt und den nationalen Verbänden empfohlen, sich dem anzuschließen. Der deutsche hat nicht lange gezögert. Fromm: „In ganz Deutschland findet bis April erst einmal gar nichts statt.“

Rubrik

Immer dienstags greifen wir spezielle Themen auf und haken nach. Gibt es Fragen, welche unbeantwortet sind? Oder Dinge, die unbedingt eingeordnet werden müssen? Dem nehmen wir uns an. Diesmal geht es um das Herpesvirus, welches die Reitsportszene derzeit extrem belastet und schon für Todesfälle bei Pferden gesorgt hat.

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