Interview

Neue Aufgabe ist Glücksfall und Ehre

Daniel Schnellhardt ist stolz, in einem Verein wie den PSV Recklinghausen zu coachen. Foto: Leon Fülber
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Daniel Schnellhardt ist stolz, in einem Verein wie den PSV Recklinghausen zu coachen.
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Interview der Woche mit Daniel Schnellhardt, dem Trainer der Handballerinnen des PSV Recklinghausen.

Von Fabian Herzog

Um ihn war es ruhiger geworden im Bergischen Land. Als sein Engagement bei den Handballerinnen des HSV Gräfrath II im November 2017 endete, verschwand Daniel Schnellhardt ein wenig von der Bildfläche. Als Trainer der Drittliga-Frauen des PSV Recklinghausen ist er auf diese nun aber wieder zurückgekehrt.

Willkommen zurück, wenn man das so sagen darf. Erzählen Sie doch mal, was in den vergangenen drei Jahren passiert ist.

Daniel Schnellhardt: Kurz nachdem es in Gräfrath zu Ende gegangen ist, wo es von beiden Seiten irgendwie nicht gepasst hat, habe ich mich beim Sport schwer verletzt. Die Kniescheibe war gebrochen, die Patellasehne und die Außenbänder waren gerissen. Es fühlte sich an, als hätte mir einer das Bein abgehackt. Ich konnte vier Monate lang gar nicht gehen. Das war echt nicht schön. Vor allem weil ich ein sehr aktiver Mensch bin. Insgesamt konnte ich ein Jahr lang keinen Sport machen.

Wie ging es dann weiter?

Schnellhardt: Zur Saison 2019/2020 habe ich die Männer-Mannschaft des SuS Olfen übernommen.

Wen?

Schnellhardt: Das ist ein kleiner Verein in der Nähe von Recklinghausen, der in die 1. Kreisklasse abgestiegen war. Über Bekannte kam der Kontakt zustande. Ich wollte zuerst nicht, habe mich dann aber überreden lassen. Allerdings unter einer Bedingung. Ich habe gesagt: Wenn wir das machen, dann auf meine Art. Ich bin halt ambitioniert. Egal, in welcher Liga.

Wie hat sich das geäußert? Und wie kam es an?

Schnellhardt: Ich habe in der Vorbereitung ein Trainingslager sowie zusätzliche Einheiten eingeführt und den Spielern klar gemacht, dass wir im Training nicht nur einen Fußball in die Mitte schmeißen und es laufen lassen. Außerdem habe ich dem Team verdeutlicht, dass das Bierchen nach einem Sieg doch viel besser schmeckt. Und ich muss sagen, dass alle echt super mitgezogen haben. Wir sind dann auch souverän aufgestiegen.

Trotz des erreichten Ziels wollten Sie nicht bleiben.

Schnellhardt: Nein, es war früh klar, dass das keine Ehe auf Dauer sein würde. Weil ich schon weiterhin höher trainieren wollte. Im Januar bekam ich dann einen Anruf des PSV Recklinghausen, der einen Nachfolger für Dominik Schlechter gesucht hat, dessen Wechsel nach Beyeröhde feststand. Das war für mich natürlich ein absoluter Glücksfall. Wir hatten sehr gute Gespräche, haben dann mal auf Probe trainiert und kurz darauf Nägel mit Köpfen gemacht.

Von da an waren Sie erst einmal PSV-Fan, denn der Aufstieg stand noch nicht fest.

Schnellhardt: Ich habe die Spiele genau verfolgt, hatte aber auch schon ligaunabhängig zugesagt. Also auch für die Oberliga, dann wären wir halt ein Jahr später aufgestiegen. Der Club gehört in die 3. Liga. Recklinghausen ist im Frauen-Handball eine echte Adresse. Die waren 20 Jahre lang immer in der 2. oder 3. Liga. In der Stadt genießt der PSV ein hohes Ansehen, ist die sportliche Nummer eins und weiß die Politik hinter sich. Diesen Verein trainieren zu können, ist für mich eine große Ehre. Auf eine solche Aufgabe habe ich immer hingearbeitet. Auch wenn das natürlich einen gewissen Druck bedeutet, aber den habe ich ja gerne.

Wie haben Sie den Verein denn in den ersten Monaten kennengelernt und erlebt?

Schnellhardt: Es herrscht eine sehr familiäre Atmosphäre. Ich bin von allen mit offenen Armen empfangen worden und habe richtig Spaß daran, dort zu arbeiten. Wir haben eine junge, sehr ehrgeizige Truppe. Und eine super Jugendarbeit.

Wie groß ist der Kader und wie die Altersstruktur?

Schnellhardt: Wir haben 16 Spielerinnen, sind sehr gut aufgestellt. Und bezüglich des Alters ist es so, dass die 20-Jährigen beim Spiel Alt gegen Jung schon dem Team Alt angehören. Die Ausnahme bilden Iris Schulz, die gerade 50 geworden, aber immer noch eine super Torhüterin ist, und Ex-Nationalspielerin Stella Krüger, die früher Kramer hieß.

Sportlich hätte es dann auch schlechter losgehen können.

Schnellhardt: Das stimmt. Wir haben die ersten beiden Spiele gegen Vechta und bei Borussia Dortmund II gewonnen und führen derzeit sogar die Tabelle an. Das ist aber nicht mehr als eine schöne Momentaufnahme, die wir natürlich genießen. Zielsetzung ist vorrangig der Klassenerhalt, ich will aber vor allem die Mannschaft entwickeln. Dazu trainieren wir dreimal pro Woche als Team, außerdem macht jeder für sich noch eine Lauf- und eine Krafteinheit.

Spielen Sie denn auch selber noch?

Schnellhardt: Das Thema hat sich für mich durch die fehlende Zeit und die Verletzung erledigt. Ich vertraue meinem Körper da nicht mehr. Stattdessen möchte ich das Skifahren lernen und vielleicht mal Tennis spielen. Aber dafür muss ich erst einmal fit werden.

Abschließende Fragen: Was ist eigentlich mit Ihnen und den Soldaten in Remscheid, die Sie ja selbst mit aus der Taufe gehoben haben?

Schnellhardt: Dadurch, dass die Hobbytruppe von damals ja gar nicht mehr besteht, ist das kein Thema mehr. Es waren tolle fünf Jahre, auf die ich zuletzt noch einmal ein bisschen wehmütig zurückgeblickt habe, als ich daran erinnert wurde.

Wird es denn den Soldaten-Cup noch einmal geben?

Schnellhardt: Dieses Jahr natürlich nicht. Aber grundsätzlich soll es der weiterhin stattfinden.

Zur Person

Daniel Schnellhardt wurde am 22. Mai 1984 in Wermelskirchen geboren und durchlief als aktiver Handballer zunächst die Vereine der Stadt: WTV, HCW und TuS. Selber am Ball war er anschließend noch bei der HSG Rade/Herbeck und den Soldaten. Als Coach sammelte er erste Erfahrungen in der Wermelskirchener Jugend, ehe er den TuS II und anschließend zeitgleich bei Rade/Herbeck die 2. Männer und 1. Frauen trainierte. Von da ging es nach Gräfrath und über Olfen zum PSV Recklinghausen.

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