Handball

Was Moukoko kann, kann Terfloth auch

Mit Stolz trägt Pia Terfloth das Trikot von Bayer Leverkusen. Beim Werksclub fühlt sie sich wohl und kann sich prima entwickeln. Wie zuletzt zur jüngsten Bundesligaspielerin der aktuellen Saison. Foto: Bayer 04
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Mit Stolz trägt Pia Terfloth das Trikot von Bayer Leverkusen. Beim Werksclub fühlt sie sich wohl und kann sich prima entwickeln. Wie zuletzt zur jüngsten Bundesligaspielerin der aktuellen Saison.
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Remscheider Nachwuchs-Handballerin feiert ihr Bundesligadebüt für Bayer Leverkusen mit 16 Jahren.

Von Fabian Herzog

Das Bundesligadebüt mit 16 Jahren zu feiern – es scheint im Trend zu liegen in diesem November. Wobei der viel beachtete erste Einsatz von Borussia Dortmunds Fußballer Youssoufa Moukoko, der am Samstag in Berlin Geschichte schrieb, sonst wenig gemein hat mit dem, was Pia Terfloth widerfahren ist.

Bis vor anderthalb Jahren warf Pia Terfloth ihre Tore noch für Gräfrath in der Regionalliga.

Die Lenneperin, die seit dem Sommer 2019 für Bayer Leverkusens A-Jugend, die als 2. Mannschaft in der 3. Liga im Einsatz ist, spielt, erfüllte sich vor wenigen Tagen aber auch einen großen Traum und durfte überraschend erstmals im Erstligateam der Werkselfen mitmischen. Und nicht nur das: Im Auswärtsspiel bei der Neckarsulmer SU erzielte Terfloth mal eben auch noch ihre ersten drei Bundesligatore.

Die Geschichte hat etwas von einem modernen Märchen. Einem wunderschönen Märchen. Wegen eines personellen Engpasses war Terfloth für den Doppelpack in Baden-Württemberg – schon eine Woche zuvor hatte Bayer im DHB-Pokal in der Ballei-Sporthalle gewonnen – in den Kader gerutscht. Als sich im Meisterschaftsspiel dann Ex-Nationalspielerin Svenja Huber verletzte, kam sie plötzlich zum Einsatz und wurde zur aktuell jüngsten Bundesligaspielerin dieser Saison.

„Ich habe das Oberteil, das wir auf der Bank tragen, fast nicht ausbekommen.“
Pia Terfloth über die Sekunden vor ihrem Bundesligadebüt

Zunächst in der Abwehr, dann wenig später auch im Angriff. „Ich bin zuerst wahnsinnig nervös geworden, als der Trainer mir gesagt hat, dass ich gleich hineinkommen werde“, erzählt die 16-Jährige. Ihr Trainer, das war niemand geringeres als Michael Biegler. Für den langjährigen Männer-Bundesliga-Coach und polnischen Nationaltrainer sollte es das letzte Spiel bei Bayer sein, er trat anschließend aus persönlichen Gründen zurück.

Zuvor hatte der 59-Jährige der Lenneperin zu einem Moment verholfen, den sie so schnell nicht vergessen wird. Als sich die Rechtsaußen für ihre Einwechslung bereitmachen wollte, hatte sie zunächst mit der Nervosität zu kämpfen. „Ich habe das Oberteil, das wir auf der Bank tragen, fast nicht ausbekommen“, berichtet Terfloth. Doch es gelang. Sie streifte Shirt und Lampenfieber ab, steckte einen ersten verworfenen Versuch perfekt weg und netzte dreimal ein. „Ich konnte es nicht fassen und bin jedes Mal mit einem Lächeln auf den Lippen zurückgelaufen.“ Dabei halfen ihr die Worte sehr, die Biegler ihr mit auf den Weg gegeben hatte. Terfloth: „Er sprach von Welpenschutz und davon, dass wir nichts falsch machen können.“

Diese Sicherheit nutzte sie, um eine Menge richtig zu machen. Die Reaktionen auf dieses tolle Debüt ließen nicht lange auf sich warten. Direkt nach dem Spiel wurde Terfloth von ihren Mitspielerinnen – darunter auch Nationalspielerin Mia Zschocke – herzlich gedrückt. Auf dem Weg zum Bus schaltete sie dann ihr Handy ein und wurde überwältigt. „Da kamen 60 bis 70 Nachrichten an“, erzählt die 16-Jährige, „ich war echt geschockt.“ Freunde, Familie – sie alle hatten das Spiel im Internet verfolgt und freuten sich riesig mit ihr. „Da waren ganz, ganz süße Nachrichten bei. Ich habe mich echt sehr gefreut.“

Wie es weitergeht, darüber will sich die Lenneperin den Kopf nicht zerbrechen. „Ich lasse das einfach auf mich zukommen“, sagt sie. Ihr Kerngeschäft bleibt die A-Jugend, in der sie nach dem Wechsel vom HSV Gräfrath zu Bayer Leverkusen ihre zweite Saison bestreitet. Viermal pro Woche macht sich die Schülerin des Röntgen-Gymnasiums (11. Klasse) mit der Bahn auf den Weg zum Training. Musste sie sich anfangs noch an das gehobene Niveau gewöhnen, ist Terfloth mittlerweile voll bei Bayer angekommen. Und das als junge Handballerin, die noch immer in der B-Jugend spielen könnte. Jedenfalls vom Alter her.

Leistungsmäßig gehört die 16-Jährige in die A-Jugend. Mindestens. Selbstbewusst sagt Terfloth: „Wir wollen Deutscher Meister werden.“ Was nicht zwingend ausschließt, dass sie weiterhin auch in der 1. Liga aushelfen könnte. Und möchte: „Es wäre natürlich schön, wenn das noch einmal klappt.“ Denn: „Es hat riesigen Spaß gemacht und war ein tolles Gefühl, auf diesem Niveau zu treffen.“

Nationalmannschaft

In dieser Woche nahm Pia Terfloth mal wieder an einem Lehrgang der U17-Nationalmannschaft teil. Von Montag bis Donnerstag wurde in der Südbadischen Sportschule Steinbach trainiert. Längst hat sich die Lenneperin auf DHB-Ebene etabliert und schon tolle Erfahrungen gesammelt. Wie im Oktober 2019, als sie im polnischen Zakopane gegen Weißrussland und zwei Teams des Gastgebers ihre ersten drei Länderspiele absolvierte. „Das war der Wahnsinn“, schwärmt Terfloth heute noch davon, wie es war, die Nationalhymne zu singen und für Deutschland zu treffen.

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