Interview der Woche

Michael Becker ist der Dauer(b)renner

Michael Becker war bei bisher jedem Röntgenlauf am Start und hat noch alle Shirts der 19 Veranstaltungen.
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Michael Becker war bei bisher jedem Röntgenlauf am Start und hat noch alle Shirts der 19 Veranstaltungen.

Der Remscheider hat noch keinen Röntgenlauf verpasst.

Von Fabian Herzog

Herr Becker, gibt es eigentlich Menschen, die Sie in den vergangenen 20 Jahren schon mal gefragt haben, ob Sie am letzten Wochenende im Oktober schon etwas vor haben?

Michael Becker in seinem Lieblings-Röntgenlauf-Shirt. Dem von der dritten Auflage. „Das trage ich auch bei anderen Laufevents und mache Werbung für Remscheid.“

Michael Becker (lacht): Nein, tatsächlich nicht. Jeder, der mich kennt, weiß, dass ich immer beim Röntgenlauf an den Start gehe. Etwas anderes gibt es nicht. Danach richten wir in unserer Familie auch unsere Termine, zum Beispiel auch die Urlaubsplanung, aus. Einmal waren wir samstags auf einer Geburtstagsfeier eingeladen, wo ich nicht absagen konnte. Da habe ich dann bewusst sehr wenig gegessen und mich frühzeitig verabschiedet.

Sie haben an allen 19 bisherigen Röntgenlauf-Veranstaltungen teilgenommen und werden auch beim Jubiläum am 30. Oktober dieses Jahres wieder dabei sein. Warum? Was macht der Lauf für Sie aus?

Becker: Für mich als Remscheider Läufer ist das eine Pflicht, am Röntgenlauf teilzunehmen. Es herrscht schon am Samstagabend bei der Pasta-Party, aber auch beim Lauf selbst einfach eine wunderschöne Atmosphäre. Das ist das Ausschlaggebende. Anfangs, bei den ersten Auflagen, ging´s noch sehr familiär zu. Da hat man immer viele bekannte Gesichter gesehen. Mittlerweile ist die Veranstaltung deutlich größer geworden, aber nicht weniger reizvoll. Ich finde vor allem auch toll, dass von den Bambini-Läufen bis zum Ultra oder den 100 Kilometern für jeden Geschmack etwas dabei ist.

Welche Strecke nehmen Sie beziehungsweise haben Sie bisher in Angriff genommen?

Becker: Überwiegend bin ich den Halbmarathon gelaufen. An den Marathon habe ich mich auch mal rangewagt und drei oder vier Mal geschafft. Bei der letzten Veranstaltung vor drei Jahren musste ich beim Halben leider wegen einer Wadenzerrung die Segel streichen.

Wie ehrgeizig sind Sie dabei? Wie wichtig ist Ihnen die Zeit?

Becker: Ich versuche natürlich, die Zeiten, die ich mir vornehme, auch zu erreichen. Man wird aber ja älter (schmunzelt). Momentan liegt meine Halbmarathon-Zeit so bei 1:46 Stunden, früher war das mal eine 1:33. Ich wollte immer unter 1:30 Stunden bleiben, was ich aber nicht geschafft habe. Grundsätzlich bin ich aber immer zufrieden, wenn ich in meiner Altersklasse noch vorne mitlaufe. Die Hauptsache ist aber, im Ziel anzukommen.

Dort werden Sie dann immer sehnsüchtig erwartet.

Becker: Das stimmt. Meine Frau Sabine nimmt mich im Ziel immer in Empfang. Sie begleitet mich zu allen Läufen und mag die Atmosphäre sehr. Scherzhaft sagen wir immer: Sie ist mein Caddy.

Bei welchen Veranstaltungen sind Sie denn noch so an den Start gegangen?

Becker: Ich laufe eigentlich immer nur hier in der Gegend, ohne weite Anfahrt. Mit einer Ausnahme: An meinem 60. Geburtstag bin ich in Berlin an den Start gegangen. Das war ganz toll, mit 30 000 Leuten loszulaufen. Meinen ersten von bislang 24 Marathons bin ich mit 48 Jahren in Köln gelaufen. Der liegt zwar terminlich nicht so günstig, weil er wenige Wochen vor dem Röntgenlauf stattfindet, ist wegen seiner Atmosphäre aber auch einmalig. Wenn zum Beispiel am Start kölsche Lieder gesungen werden. Leider hat sich dort der Zieleinlauf verändert. Früher musste man vom Dom aus immer noch mal über den Rhein nach Deutz laufen. Das haben die Kölner aber mit der Begründung verändert, dass das ja noch mal eine Steigung sei. Da habe ich mir nur gedacht: Kommt ihr mal nach Remscheid (lacht).

Wo waren Sie sonst noch dabei?

Becker: Beim Landschaftslauf in Monschau bin ich zum Beispiel schon dreimal gestartet, das ist eine schöne kleine Veranstaltung. Was ich auch sehr toll finde, ist die in Münster, mit einem tollen Zieleinlauf über einen roten Teppich in der Altstadt. Da kommen mir immer die Tränen.

Zurück zu Ihrer Röntgenlauf-Treue: Welche Momente oder Besonderheiten sind Ihnen in den 20 Jahren in Erinnerung geblieben?

Becker: Der erste Lauf war natürlich der, der ganz besonders war. Damals sind wir ja noch im Röntgen-Stadion gestartet, bei strömendem Regen. Auf der Strecke war dann eine Marke falsch gesetzt, sodass man sich fast verlaufen hätte. Aber Arnd Bader hat die Führung übernommen und hat den ganzen Trupp die Schwelmer Straße hochgeführt. Das war schon ein tolles Erlebnis. Damals bin ich mit zwei Cousins gestartet. Wir haben uns ziemlich weit hinten angestellt, weil wir dachten, wir sind hier sowieso die Anfänger. Dann haben wir aber festgestellt, dass wir doch nicht so lahm sind.


In fast auf den Tag genau einem Monat wird nun das Jubiläum gefeiert. Wobei Sie Ihren 20. Röntgenlauf ja inoffiziell schon hinter sich gebracht haben.

Becker: Vor zwei Jahren, als der Röntgenlauf zum ersten Mal coronabedingt ausgefallen ist, habe ich zu meiner Frau gesagt: Es kann doch nicht sein, dass der Lauf ausfällt, ich laufe an dem eigentlichen Termin ganz für mich alleine. Da sind wir dann morgens nach Hackenberg gefahren und haben diverse andere Läufer dort angetroffen. Zusammen sind wir dann unsere Runde gelaufen und hatten auch eine super Stimmung.

Zur Person

Michael Becker wurde am 31. März 1957 in Remscheid geboren. Der gelernte Drucker, der sein Leben lang bei einer Druckerei als Sachbearbeiter tätig war, ist seit anderthalb Jahren in Rente. In Honsberg aufgewachsen, spielte er in der Jugend zunächst Fußball bei der 1. Spvg., wechselte dann mal zum Geräteturnen beim RTV und war später Mitbegründer der Kneipenfußballtruppe Kremenholler Kicker, die bis zu ihrer Auflösung unter dem Dach der Spielvereinigung antraten. Im Jahr 2000 nahm Becker in Dänemark, damals über 10 Kilometer, erstmals an einer Laufveranstaltung teil. „Da habe ich Blut geleckt“, sagt er. Ein Jahr später feierte er sein Röntgenlauf-Debüt.

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