Comeback

Mega! Dorndorf marschiert ins Glück

Stolz, stolzer, Dorndorf! Der Remscheider wurde nach dem Marsch von seinen Gefühlen überwältigt: „Ich habe geheult wie ein Wasserfall.“ Foto: MD
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Stolz, stolzer, Dorndorf! Der Remscheider wurde nach dem Marsch von seinen Gefühlen überwältigt: „Ich habe geheult wie ein Wasserfall.“
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Früherer Amboss-Footballer hat 120 Kilogramm abgenommen und ein sportliches Comeback gefeiert.

Von Fabian Herzog

Er hat einen bemerkenswerten Weg hinter sich. Was für Marcel Dorndorf als Mensch gilt, der vor wenigen Jahren noch über 200 Kilogramm wog und dann sein Leben selbst komplett auf den Kopf stellte, passt auch zu einer sportlichen Herausforderung, die sich der langjährige Amboss-Footballer und heutige Jugendtrainer jüngst stellte. Er nahm in Mönchengladbach am sogenannten Megamarsch teil, bei dem es galt, 50 Kilometer in unter zwölf Stunden zu wandern.

Auf dem Messe-Parkplatz am Borussia-Park ging es morgens früh los. „Ein bisschen nervös war ich schon“, gibt Dorndorf zu.

Was für eine Veränderung: Dorndorf damals und Dorndorf heute. Fast nicht wiederzuerkennen.

Er hatte sich vorgenommen, auf den ersten 20 Kilometern Gas zu geben, und legte entsprechend los. Beim ersten Verpflegungsstand nach knapp zehn Kilometern fühlte sich der Remscheider noch so fit, dass er keine Pause einlegte, sich nur ein Snack-Tütchen bestehend aus Müsli-Riegel, Milchbrötchen, Energy-Kuchen, Gummibärchen und Magnesium-Granulat samt zwei Litern Wasser schnappte und seinen Marsch fortsetzte. So weit, so problemlos.

„Die Schmerzen waren es für den Adrenalin-Kick im Ziel definitiv wert.“ 

Marcel Dorndorf, Megamarscher

Doch schon kurz danach war es für Dorndorf mit der Unbeschwertheit vorbei. Denn: Die Blase drückte. Schaffte er es zunächst, noch locker einzuhalten, wurde es plötzlich schlimmer. „Es kam, was kommen musste: ein Bach mit Wasserfall“, erzählt der 35-Jährige grinsend. „Ich glaube, ich bin noch nie so schnell gegangen wie bis zum zweiten Verpflegungsstand bei Kilometer 20,6. Dort konnte ich den Ballast loswerden.“

Bis auf ein paar leichte Kniebeschwerden erreichte Dorndorf souverän die Halbzeit-Distanz. Mehr und mehr machte ihm aber auch die pralle Sonne zu schaffen. Beziehungsweise der zur Neige gehende Wasservorrat. So geriet das Erreichen des nächsten Verpflichtungsstandes bei Kilometer 32,5 zu einem harten Kampf, den der Remscheider aber für sich entschied. Beim Verzehr von Salzstangen, Erdnüssen, einem Energy-Kuchen und drei kleinen Bechern Cola stellte er erstaunt fest, dass er im Schnitt sechs Kilometer pro Stunde zurückgelegt hatte. „So schnell war ich noch nie auf der Distanz.“

Doch mehr und mehr ging es nicht um die Zeit, sondern ums Erreichen des Ziels. Dorndorf kam an seine Grenzen. Wozu auch die Topographie ihren Teil beisteuerte. „Aus dem Nichts kam plötzlich der Vorhof zur Hölle: mitten im Wald plötzlich Berge“, erzählt Dorndorf. Die Steigung machte ihm ordentlich zu schaffen. Aber aufgeben? Keine Option für ihn. Im Gegenteil: Bei Kilometer 38 motivierte er ein Pärchen zum Weitermachen. Um kurz darauf selbst dem Scheitern nah zu kommen.

Erst brachte Dorndorf eine längere Pause aus der Spur, dann eine rote Fußgängerampel. Oder, wie er sie nannte: „Der Endgegner.“ Er geriet endgültig aus seinem Rhythmus, bekam Krämpfe und stürzte. Nun halfen ihm seine Mitstreiter. Vor allem Lea, deren Begegnung er als schicksalhaft bezeichnete. „Als ich mit dem Gedanken spielte, mir ein Taxi zu rufen, brachte sie mich mit fünf Worten wieder in die Spur“, sagt Dorndorf. „Im Ziel gibt es Bier.“

Reaktionen: Respekt und Anerkennung von vielen Freunden

Nach 9:45 Stunden inklusive der Pausen hatte er sie erreicht. Das Ziel und die ersehnte Erfrischung. Komplett erschöpft, aber glücklich: „Die Schmerzen waren es für den Adrenalin-Kick im Ziel definitiv wert.“

Die Reaktionen seiner Freunde, nachdem er in den sozialen Netzwerken von seinem Abenteuer berichtet hatte, ließen nicht lange auf sich warten und zeugten von großem Respekt und Bewunderung. Frank Richters beispielsweise, ein ehemaliger Mitspieler Dorndorfs, sagte voller Anerkennung: „Wenn man bedenkt, dass du vor gar nicht so langer Zeit die Alleestraße nicht in einem Stück geschafft hast – Wahnsinn.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

Hintergrund

Gewicht: Nachdem er im Januar 2017 fast 220 Kilogramm auf die Waage gebracht hatte, entschloss er sich zu einer Magenbypass-OP. Durch diese und großen Ehrgeiz wiegt Dorndorf mittlerweile unter 100 Kilogramm.

Sport: Den ersten Megamarsch-Versuch musste er vor einem Jahr bei Kilometer 40 abbrechen. Nun bereitete er sich besser vor und hat ein neues Ziel: einen 100-km-Marsch.

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