Handball

Manchmal muss sich Drosten kneifen

Ein Bild aus der Uni-Halle: Florian Drosten macht sich für Melsungen warm.
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Ein Bild aus der Uni-Halle: Florian Drosten macht sich für Melsungen warm.
  • Andreas Dach
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18-jähriger Wermelskirchener schafft den Sprung in die Handball-Bundesliga.

Von Andreas Dach

Diese Geschichte klingt, als wäre sie einem Märchen entnommen worden. Sie ist aber Realität, pure Realität. Und deshalb erst recht wunderbar zu erzählen. Es war der Samstag vor dem Pfingstfest in der Wuppertaler Uni-Halle, als zwölf Sekunden vor dem Abpfiff der Partie der Handball-Bundesliga zwischen dem Bergischen HC und den MT Melsungen ein junger Bursche den Ball überreicht bekam. Kein Geringerer als Handball-Nationalspieler Tobi Reichmann drückte Florian Drosten das Spielgerät in die Hand. Ein Siebenmeter für die Gäste sollte verwandelt werden. Was der 18-jährige gebürtige Wermelskirchener mit einer Seelenruhe realisierte. Tor, 31:24, Endstand. Kein guter Tag für den BHC, wohl aber einer für die Gäste. Und besonders für Drosten, der quasi ein Heimspiel hatte.

Schließlich ist es von Wermelskirchen aus nicht weit nach Wuppertal. Die Eltern hockten auf der Tribüne, die Großeltern, Freunde – sie alle erlebten mit, wie Florian Drosten gut drei Minuten vor dem Ende eingewechselt wurde. „Besser hätte ich mir das nicht vorstellen können“, sagte der Lockenkopf, der nach dem Schlusspfiff lange am Spielfeldrand verweilte, um mit seinen Lieben Kontakt aufzunehmen.

„Auf dem Spielfeld bin ich ein anderer Mensch!“

Florian Drosten, Handballer

Noch einmal: Drosten war da gerade einmal 17 Jahre alt und trainiert erst seit gut zwei Monaten regelmäßig im Bundesligakader der MT Melsungen mit. Seitdem startet er durch. Auf der einen Seite behutsam, immer die Tipps von Größen wie Julius Kühn, Kai Häfner, Timo Kastening, Alexander Petersson oder eben Tobias Reichmann in sich aufsaugend. Auf der anderen Seite forsch, mit einem großen Ehrgeiz versehen, draufgängerisch. Drosten will sich entwickeln, will vorankommen. „Auf dem Spielfeld“, sagt er, „bin ich ein anderer Mensch als im normalen Leben.“

Erstmals Bundesligaluft schnupperte er gegen den HC Erlangen. Da blieb er allerdings komplett auf der Bank. Anders als gegen den neuen deutschen Meister Magdeburg. Drosten wurde eingewechselt, erzielte zwei Tore von Außen. Was für berauschende Momente. Jetzt das Erlebnis in der Uni-Halle – geht es noch dem Riesentalent, kann es so weitergehen.

Er weiß, was er will. Schon im Alter von 14 Jahren ist Drosten nach Melsungen gewechselt, nachdem sein handballerisches Interesse einst beim JHC Wermelskirchen geweckt worden war. In einer Ballspielgruppe, achtjährig. Trainer wie Hartwig Schüngel, Sebastian Becker, Yannick Becher, Justus Ueberholz und Moritz Jaspers förderten und forderten ihn. So sehr, dass es ihn flott in die große weite Handballwelt hinauszog. Der Bergische HC war eine Option, Bayer Dormagen auch. Letztlich wurde es Melsungen. Logisch, dass erst einmal bei den Eltern Überzeugungsarbeit geleistet werden musste. Dass ein Onkel dort lebt, machte den Wechsel schließlich einfacher.

Die Mischung aus Schule und Handball passt, Drosten lebt mit sieben anderen Spielern in einer WG. Zur Schule (in zwei Jahren will er sein Abitur machen) sind es 100 Meter, zur Sporthalle 200 Meter. Was will man mehr?

Zur Heimat hält er regelmäßig Kontakt, telefoniert und schreibt sich mit der Familie und mit den Freunden. Besonders mit Jonas Neldner („Ein Fußballer in Bergisch Born“) ist er „dicke“, wie man sagt. Er ist sein bester Freund.

Dass er sich in Melsungen so wohl fühlt, hat auch etwas mit Freundin Marle zu tun. Die beiden haben sich an der Schule kennengelernt, sind schon seit drei Jahren zusammen. „Sie und ihre Eltern sind immer für mich da“, sagt Drosten. So kann er seinen Weg weiter gehen. Privat, schulisch, sportlich. Und ist – vor allem auf Letzteres bezogen – gespannt, was da noch kommt. Ein Jahr in der A-Jugend steht noch an, auch in der Melsungen Zweiten hat er regelmäßig seine Oberliga-Einsätze. Ja, und da ist die Hoffnung, auch in der Bundesliga dauerhaft Fuß zu fassen- „Manchmal“, gibt er zu, „muss ich mich selbst kneifen.“

Als der Anruf vor gut zwei Monaten kam und er aus dem Melsunger Förderkader erstmals zum Training beim Bundesligisten angefordert wurde, sei er „schon aufgeregt gewesen“. Inzwischen gehört Florian Drosten fest dazu.

Zur Person

Florian Drosten wurde am 18. Juni 2004 in Wermelskirchen geboren. Dort hat er auch das Gymnasium besucht, bevor es aufs EMA (heute EMMA) nach Remscheid ging. Handballerisch hat seine Laufbahn beim JHC Wermelskirchen begonnen, jetzt ist er Bundesligaspieler in Melsungen.

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