Fußball

Luca Dürholtz: Auf und Ab mündet in großer Party

Luca Dürholtz fühlt sich im RWE-Trikot wohl und freut sich auf die Drittligasaison.
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Luca Dürholtz fühlt sich im RWE-Trikot wohl und freut sich auf die Drittligasaison.

Der Lenneper Profi-Fußballer Luca Dürholtz spricht über den Drittliga-Aufstieg mit Rot-Weiss Essen.

Von Fabian Herzog

Drei Jahre lang hatten Sie es mit der SV Elversberg vergeblich versucht, in die 3. Liga aufzusteigen. Mit Rot-Weiss Essen hat es nun direkt im ersten Anlauf geklappt. Wie fühlt es sich an? Wie groß war die Erleichterung?

Luca Dürholtz: Erleichterung war auf jeden Fall da. Wir sind ja mit dem klaren Ziel in die Saison gegangen, dass wir aufsteigen und RWE nach 14 Jahren wieder in den Profibereich bringen wollen. Mitte der Saison hatten wir dann auch einen großen Vorsprung, haben aber irgendwann unnötigerweise viele Punkte liegenlassen, so dass Münster vorbeiziehen konnte. Und wenn du dann so ein bisschen hinterherläufst und siehst, dass dein Konkurrent immer punktet, ist das für den Kopf nicht so einfach. Am Ende gab´s dann aber doch die große Party.

Sie sprechen den letzten Spieltag an, als nach dem 2:0-Sieg gegen Ahlen alle Dämme brachen.

Dürholtz: Alle haben den Platz gestürmt, sich Rasen mitgenommen, das Tornetz zerschnitten. Das war der Wahnsinn.

Beinahe wäre es ja zu Ihrem persönlichen Supergau gekommen. Eine Woche zuvor hatte Elversberg in der ersten Saison ohne Sie den Aufstieg klar gemacht.

Dürholtz: Das wäre natürlich schon ärgerlich gewesen (lacht). Aber so haben wir es beide gepackt, und ich hab mich für mein Ex-Team gefreut. Am ersten Spieltag treffen wir ja auch noch direkt aufeinander.

Wie haben Sie Ihre erste Saison an der Hafenstraße erlebt?

Dürholtz: Es war schon aufregend und ein ständiges Auf und Ab. Wir haben uns im Laufe der Saison ja zum Beispiel gleich von zwei Kapitänen (Dennis Grote, und Daniel Davari, Anmerkung der Redaktion) getrennt, dazu der Spielabbruch gegen Münster, dann konnten wir wegen Corona zwei Wochen nicht trainieren. Ich würde sagen, ich habe direkt mal alles mitgenommen.

Vermutlich inklusive einer riesigen Unterstützung durch die für ihre Leidenschaft bekannten Fans?

Dürholtz: Das ist schon krass. Die Leute leben den Verein, für die gibt es nichts Wichtigeres. Das kann aber natürlich in die eine und in die andere Richtung ausschlagen. Wenn es mal schlechter läuft, wie bei uns Mitte der Rückrunde, ist direkt ordentlich Druck auf dem Kessel.

Der Blick auf die nackten Zahlen weisen für Sie als offensiven Sechser drei Tore und vier Vorlagen aus. Sind Sie mit sich und Ihrer Leistung zufrieden?

Dürholtz: Ich habe 35 von 38 Spiele gemacht, damit kann ich auf jeden Fall zufrieden sein. Davon nur zwei nicht von Beginn an. Dadurch habe ich schon einen großen Teil zum Aufstieg beigetragen. Von den Scorerwerten her war das für mich aber zu wenig und nicht zufriedenstellend. In Elversberg habe ich letzte Saison 13 Tore gemacht.

Wie haben Sie und der Verein den Aufstieg gefeiert?

Dürholtz: Erstmal abends in einem Club, zwei Tage später sind wir dann nach Mallorca geflogen und haben den Ballermann auseinandergenommen (lacht). Dort waren ja etliche Mannschaften aus der 2. und 3. Liga, sogar einige Jungs von Werder Bremen.

Wie lange ging´s da rund?

Dürholtz: Nur drei Tage lang. Das reicht aber auch völlig.

Von Erholung kann dabei aber sicherlich keine Rede sein.

Dürholtz: Das habe ich dann mit der Familie in der Türkei nachgeholt. Zehn Tage lang. Da konnten wir ganz gut entspannen.

Mittlerweile hat die Vorbereitung schon wieder begonnen. Wie intensiv geht´s zur Sache?

Dürholtz: Dadurch, dass wir mit Christoph Dabrowski einen neuen Trainer bekommen haben und jeder um seinen Platz kämpft, ist es schon sehr intensiv. Aber es macht auch Spaß.

Spaß?

Dürholtz: Klar, Vorbereitung ist immer doppelt so anstrengend wie die Saison selbst. Aber man holt sich da ja die Körner für die danach folgenden Monate.

Was für eine Drittligasaison erwarten Sie? Was trauen Sie sich und Ihrer Mannschaft zu?

Dürholtz: Ich glaube, die 3. Liga ist mit die ausgeglichenste Spielklasse in Deutschland. Da kann jeder jeden schlagen. Für uns kann es nur darum gehen, den Verein in der Liga zu etablieren. Auch wenn ich weiß, dass es Fans gibt, die schon wieder vom Durchmarsch sprechen. Das Ziel muss es aber sein, uns zu etablieren und im gesicherten Mittelfeld zu landen.

Was zeichnet die Mannschaft aus?

Dürholtz: Ich glaube schon, dass wir ein eingeschworener Haufen sind. Das hat man jetzt auch gerade erlebt, als die Pause vorbei war und wir uns wiedergesehen haben. Da sind sich alle in die Arme gefallen. Wir sind in der Saison eben durch Höhen und Tiefen gegangen und mussten gemeinsam immer daran glauben, dass wir es am Ende schaffen. Das war für uns als Mannschaft nicht immer einfach, schweißt aber zusammen.

Seit Ihrem Wechsel vor einem Jahr nach Essen leben Sie wieder in der Region. Der Kontakt nach Lennep, zu ihren Freunden und der Familie, dürfte dadurch nicht schlechter geworden sein.

Dürholtz: Nein, der ist nach wie vor gut. Meine Eltern sind bei jedem Heimspiel dabei. Und ich war dieses Jahr sogar auf dem Pfingstturnier in Hackenberg, weil mein Sohn Mika da mit dem VfB Hilden mitgemacht hat. Früher hat der Papa da mitgespielt, heute der Sohn. Die haben aber gegen ein Jahr Ältere gespielt und ein bisschen abgelost. Er sitzt gerade neben mir und ist sauer, dass ich das erzähle.

Also auch ein begeisterter Fußballer?

Dürholtz: Auf jeden Fall. Er könnte sich 90 Minuten Aue gegen Karlsruhe angucken. Das konnte ich nie (lacht). Aber für die Kinder ist es echt schön, die kommen immer mit ins Stadion, kennen da jeden, können nach erfolgreichen Spielen auf den Platz und mit in die Kurve. Das ist immer ganz lustig.

Zur Person

Luca Dürholtz wurde am 18. August 1993 in Lennep geboren. Mittlerweile lebt er mit Ehefrau Rebecca und den Kindern Mika (7), Lou (5) und Millie (drei Monate) in Hilden. Fußballerisch wurde er bei der SG Hackenberg groß, wechselte mit neun Jahren zu Bayer Leverkusen und durchlief dort die gesamte Jugend. In der U15 hatte der zigfache Junioren-Nationalspieler (U15 bis U17) sogar ein Angebot von Real Madrid. Nach der Jugend wechselte er zu Dynamo Dresden (2014–2016), Holstein Kiel (–2018), SV Elversberg (–2021) und eben nach Essen. Neben dem Fußball absolviert er ein Psychologie-Studium an der Fern-Uni Hagen.

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