Boxen

Liebe und Natur lassen ihn schwärmen

Draufgänger: Timo Rost (l.) im Juli bei einem Kampf in Wuppertal. Der Düsseldorfer aus Remscheid war gut vorbereitet, als ihm vor wenigen Wochen die Einladung zu einem Kampf um die DM ins Haus flatterte.
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Draufgänger: Timo Rost (l.) im Juli bei einem Kampf in Wuppertal. Der Düsseldorfer aus Remscheid war gut vorbereitet, als ihm vor wenigen Wochen die Einladung zu einem Kampf um die DM ins Haus flatterte.
  • Andreas Dach
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Timo Rost ist in Remscheid heimisch geworden, trägt „sein“ Düsseldorf aber auch im Herzen.

Von Andreas Dach

Wer Timo Rost googelt, landet bei . . . Timo Rost. Was sich wenig überraschend liest, ist es doch. Denn: Angezeigt wird nicht etwa der neue Deutsche Meister im Supermittelgewicht, sondern der kürzlich beim FC Erzgebirge Aue entlassene Trainer. „Ein Fußballer halt“, sagt der Timo Rost vielsagend, mit dem wir im Autobahnrestaurant an der Remscheider Eschbachtalsperre zusammensitzen. Er ist Boxer und hat vor wenigen Wochen seine Laufbahn als Profi mit dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft gekrönt. Ein sehr emotionaler Moment, der für viele Mühen und viel Aufwand steht. Aber der eben nicht reichte, um bei der Suchmaschine im Internet weiter oben zu landen.

Sei es drum. Timo Rost hat sich damit abgefunden und kann damit leben, ist er doch auch ein großer Fußballfan. Seit seinem vierten Lebensjahr – mittlerweile ist er 31 – fiebert er mit dem aktuellen Zweitligisten Fortuna Düsseldorf. Kein Wunder, dass in seinem Domizil in Remscheid ein acht Meter hoher Mast mit einer Fahne von Fortuna Düsseldorf den Mittelpunkt des großen Gartens bildet.

Rost hat Höhen und Tiefen mit der Fortuna erlebt, ihr immer die Treue gehalten. Er gibt zu: „Ich habe oft bei den Ultras gestanden, ohne dieser Szene aber anzugehören.“ Düsseldorf ist tief in seinem Herzen verwurzelt. Auf seine Heimatstadt lässt er nichts kommen. Heute ist er nur noch ab und zu im Stadion, treibt seine Profi-Box-Karriere voran und verbringt so viel Zeit wie möglich mit seiner Familie. Im November wird er der Fortuna wieder zujubeln. Der Vorstand hat ihn zum Spiel gegen St. Pauli eingeladen. Logisch, mit einem frischgebackenen Deutschen Meister schmückt man sich gerne.

Vor Kämpfen gehe ich alleine in den Wald. Das ist ein Ritual für mich!

Timo Rost, Boxer

Er ist ein kommunikativer Typ, dieser Timo Rost. Kommt authentisch rüber. Nicht gekünstelt. Er sagt unverblümt, was er denkt und wie er fühlt. Und hält auch nicht damit hinter dem Berg, wie er seine Frau Laura Katharina kennengelernt hat. Beide hatten sich der Neugierde halber bei der Dating-App Lovoo angemeldet. Dort hat es schnell gefunkt zwischen dem Düsseldorfer und der Remscheiderin. „Ich fand sie sehr cool“, gibt der Profi-Boxer gerne zu. Das ist auch heute noch so, da sie längst verheiratet sind und mächtig stolz auf ihr Töchterchen Frieda sind, das im Januar 2021 auf die Welt gekommen ist. Geehelicht wurden sie gleich zweimal. 2019 standesamtlich im Düsseldorfer Rathaus, 2021 bei einer freien Trauung in der Schlossfabrik in Unterburg.

Nur mit Remscheid hat der Großstadt-Mann anfangs gefremdelt: „Ich habe das Ländliche gesehen und wollte am liebsten sofort zurück nach Düsseldorf.“ Das hat sich geändert. Mittlerweile liebt er Düsseldorf und das Bergische Land, weiß die jeweiligen Vorzüge zu schätzen. Vor allem die Natur hat er in Remscheid und Umgebung als hohes Gut anerkannt. „Ich mag sogar den Regen“, formuliert er Überraschendes. Trotzdem war er mit der Familie kürzlich auf Mallorca. An Kampftagen geht er vorher alleine in den Wald, lässt die Stimmung auf sich wirken: „Das ist ein Ritual und unbezahlbar.“

Timo Rost hat in seiner Profikarriere 14 Siege, auf die er zurückblicken kann. Dazu kommen drei Remis und eine Niederlage. Letztere hat er vor zwei Jahren gegen den früheren Weltmeister Felix Sturm bezogen. Da tat weh. Nicht nur weil in der vierten Runde das Trommelfell seines rechten Ohres geplatzt war. Andererseits: „Der Kampf hat mir auch sehr viel gebracht.“

Beim Kaffeetrinken an der Talsperre: Timo Rost.

Der Mann aus Gerresheim hat nicht aufgegeben, hat weiter an sich gearbeitet. Als er nun vom Bund Deutscher Berufsboxer für den Titelkampf gegen Simon Krebs aus Euskirchen nominiert wurde, erfüllte sich für ihn ein Traum. Die Auseinandersetzung ging über zehn Runden. Sein Kontrahent hielt wacker durch, obwohl Rost ihm – wie sich später herausstellte – schon in der ersten Runde einen Kieferbruch zugefügt hatte. „Ich hatte schon mit Simon Kontakt“, berichtet Rost. „Es geht ihm besser.“

Und wie sieht der Deutsche Meister seine Zukunft? Der Boxer ist diesbezüglich sehr klar, sehr differenziert. „Der Sieg in Leverkusen war für mich das Sprungbrett zu internationalen Titelkämpfen.“ Schon in den ersten Tagen nach seinem Erfolg flatterten bei seiner Managerin in Düsseldorf drei Angebote ins Haus.

Doch er will sich Zeit lassen. Will den Moment genießen, auch wenn die Tage gerade vollgepackt mit Sponsoren- und Medienterminen sind und sein Telefon kaum stillsteht. Der studierte Profiboxer (Bachelor in Sportwissenschaften) will auch viel Zeit zu Hause verbringen, wo er seine Liebsten zuletzt häufig vernachlässigen musste.

Seine Frau Laura ist Erzieherin in einem Kinderheim. Da gilt es, die gemeinsamen Momente mit Kind, Hund und zwei Katzen besonders zu genießen. Und auch über die Zukunft des Timo Rost nachzudenken. „Es gibt kein Datum, wie lange ich noch boxe“, sagt der neue Titelträger. Das hängt von vielen Faktoren ab. Wie läuft es international? Kann er seine Leistungen noch verbessern? Will er seine Gesundheit weiter riskieren?

Seit seinem 16. Lebensjahr ist er in Sachen Leistungssport unterwegs. Da hat er seinen ersten Amateurkampf bestritten. 80 sind es geworden. Für ihn hieß das: Verzicht, Verzicht, Verzicht. Wenn andere zur Party gingen, stand er am Sandsack. Ist es deshalb ein Wunder, dass sich Timo Rost zunehmend nach einer geregelten Tätigkeit sehnt? Ein eigenes Gym kommt für ihn nicht in Frage. Stattdessen kann er sich gut vorstellen, über ein duales Studium zur Landespolizei NRW zu gehen: „Das Auswahlverfahren läuft gerade. Auf diesem Weg kann man es auch in den Spitzensportkader schaffen.“

Zunächst einmal wird er noch weiter den Einmarsch zu seinen Kämpfen im Fortuna-Trikot zelebrieren, in Leverkusen bei „Nolimitboxing“ trainieren und jeden zweiten Tag nach Düsseldorf fahren, wo es viel mit seiner Managerin zu besprechen gibt.

Die Ruhe holt er sich aber in Remscheid. Unter anderem beim regelmäßigen Fußballspielen mit den Kumpels von den TS Struck, wo er auch schon mal das Fitness-Training leitet. Oder bei Saunagängen im Haus nebenan. Dort dürfen er und seine Frau das Schwitzbad bei den Eltern/Schwiegereltern nutzen. Dirk Riemer (Sportlicher Leiter des RSV) und Anette Hagen-Krebs sind auch ganz wichtige Faktoren im Leben der Rosts. „Das passt sehr gut mit uns“, schwärmt Timo Rost. Regelrecht Glanz hat er in den Augen, wenn es um Töchterchen Frieda geht. Er hat sich sogar ein Tattoo mit einem Käfer fertigen lassen: „Das ist ihr Spitzname.“ Auch ein Hochzeitstattoo ist zu sehen. Spätestens der Blick auf seinen rechten Arm macht deutlich, dass er wirklich im Bergischen Land angekommen ist. Dort erkennt man unschwer einen Wald.

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