Paralympics

Lenneps neue Paralympics-Siegerin

Was für ein Moment für Karina Lauridsen. 2008 gewann sie in Beijing paralympischen Gold über 150 Meter Lagen. Foto: imago
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Was für ein Moment für Karina Lauridsen. 2008 gewann sie in Beijing paralympischen Gold über 150 Meter Lagen.
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Multitalent Karina Lauridsen arbeitet seit Kurzem für die Motion Solutions GmbH

Von Fabian Herzog

Ihre sportliche Vita ist beeindruckend. Karina Lauridsen hat dank unbändigem Willen vieles von dem erreicht, wovon andere Sportler und Sportlerinnen nur träumen können. Sie hat nicht nur an verschiedenen Welt- und Europameisterschaften sehr erfolgreich teilgenommen und ihre Karriere im Jahr 2008 im chinesischen Beijing mit paralympischen Gold und Silber (vorerst) gekrönt, sondern dabei auch eine schier unfassbare Vielfältigkeit an den Tag gelegt. Denn die gebürtige Schwedin, die in Dänemark aufgewachsen ist und für dieses Land auch bei Wettkämpfen startet, ist ein Multitalent, das in unterschiedlichen Sportarten für Aufsehen gesorgt hat. „Ich war immer sehr neugierig und experimentierfreudig“, erklärt die 43-Jährige, warum sie sowohl im Schwimmen als auch im Reiten, Tennis, Triathlon oder in der Leichtathletik enorme Erfolge gefeiert hat. Um nur einige ihrer Sportarten zu nennen.

Lauridsen ist in der gesamten Welt rumgekommen. Mittlerweile schwimmt sie ihre Bahnen aber im Remscheider Sportbad am Park. Denn seit dem 1. Juli ist die in Bergisch Gladbach lebende Skandinavierin bei der Rollstuhlmanufaktur Motion Solutions GmbH in Lennep angestellt, wo sie mit offenen Armen empfangen wurde. „Für uns ist sie ein riesiger Glücksfall“, sagt Gründer und Geschäftsführer Klaus Gierse. Die Freude beruht auf Gegenseitigkeit. „Es macht Spaß, ein Mitglied dieses großartigen Teams zu sein, in das ich meine Kompetenzen und Ideen optimal einbringen kann“, berichtet Lauridsen, die sowohl Diplom-Ingenieurin als auch Physiotherapeutin ist, von ihren ersten Erfahrungen.

„Die Paralympics waren ein unglaubliches Erlebnis. Das Größte, was man als Sportler erreichen kann.“

Karina Lauridsen

Der Start beim neuen Arbeitgeber wäre unter normalen Bedingungen von einer mehrwöchigen Abwesenheit geprägt gewesen. Denn Karina Lauridsen hatte sich mit ihrem Pferd „Surreal“ für die paralympischen Spiele in Tokio qualifiziert, die vom 25. August bis 6. September ausgetragen werden sollten. Corona machte diesem Vorhaben jedoch einen Strich durch die Rechnung und sorgte für eine Verlegung in den Sommer 2021.

Aber apropos surreal: Beinahe unwirklich ist das, was Lauridsen auf ihrem sportlichen wie privaten Bereich erlebt hat. Schon als Kind war sie extrem sportbegeistert und probierte alles aus. Fußball, Tanzen, Eishockey – mit neun Jahren schließlich widmete sie sich dem Triathlon, wo sie es bis in die Jugend-Nationalmannschaft geschafft hat.

Ein tragischer Fallschirmsprung-Unfall mit 25 veränderte alles. „Da war ein Fehler im Computer des Reserveschirms. Der wurde fälschlicherweise ausgelöst und hat sich mit dem Hauptschirm verwickelt“, erzählt die Dänin, die über diesen Schicksalsschlag bemerkenswert spricht: „Natürlich ist das scheiße. Aber ich bin noch am Leben und kann nicht ändern, was passiert ist. Und Selbstmitleid bringt nichts.“

Stattdessen zog sie aus dem Unfall zusätzliche Motivation und fing schon während der Reha an, wieder Sport zu treiben. „Ich wollte ausprobieren, was noch möglich ist.“ Sie spielte Basketball und Tennis, versuchte sich im Schwimmen, Segeln, Schießen, Klettern und Skifahren. Den meisten Spaß bereitete ihr aber zunächst die Leichtathletik, speziell das Kugelstoßen, Diskuswerfen und Rennrollstuhl-Fahren. 2002, also nur ein Jahr nach dem Unfall, nahm sie an der Weltmeisterschaft im französischen Lille teil und sicherte sich zwei Silber- und eine Bronzemedaille. Lauridsen: „Egal, welchen Sport ich anfasse – irgendwie geht es immer gut.“

Weil nach der WM Klassen zusammengelegt wurden, entschloss sie sich, den Fokus wieder mehr auf das Schwimmen zu legen. „Auch da war ich sehr schnell erfolgreich“, sagt Lauridsen, die es als Lagen-Spezialistin 2006 an der Weltmeisterschaft teilnahm, bei vier Starts vier Medaillen holte und sich kurz darauf für die Paralympics 2008 qualifizierte. „Das war ein unglaubliches Erlebnis“, blickt sie auf Beijing zurück. „Das Größte, was man als Sportler erreichen kann.“ Die Dänin gewann Lagen-Gold sowie Silber über 50 Meter Brust und Bronze über 50 Meter Rücken. Beinahe noch mehr faszinierte sie aber die Gemeinschaft im paralympischen Dorf: „Da waren so viele tolle Sportler auf einem Fleck. Das war der Wahnsinn.“

In ihrem neuen Job fertigt Lauridsen Videos an, in denen die korrekten Abläufe bei der Nutzung der Hilfsmittel erklärt werden.

Sie stellte Rekorde auf, von denen einige heute noch Bestand haben. Doch dann wurde Lauridsen vom Internationalen Olympischen Komitee gestoppt, das ihre Disziplinen aus dem Programm für die Spiele 2012 strich. „Das hat mich ziemlich kaputt gemacht“, schildert sie ihre Enttäuschung. „Das Schwimmen war mein Ein und Alles.“ Die Dänin schrieb sogar einen Brief an das IOC, der seine Entscheidung nach Jahren wieder rückgängig machte.

Mit dem Rollstuhl auf Eis – Lauridsen: „Das ist lustig.“

Zunächst orientierte sich die 43-Jährige aber erneut um und probierte weitere Sportarten aus. Kajak- und Kneeboard-Fahren, Kitesurfen, Tauchen, sogar im Curling versuchte sie sich. „Mit dem Rollstuhl auf dem Eis – das ist verdammt lustig.“ Für Lauridsen steht fest: „Ich werde immer Sport treiben.“

Daran hat sich auch nichts geändert, als sie 2015 aus beruflichen Gründen nach Deutschland kam, genauer gesagt nach Lindlar. Dort arbeitete sie in eine Physiotherapeuten-Praxis, genau wie später in Kürten, Köln, Bonn und Leichlingen. Bis es sie Anfang Juli nach Remscheid verschlug. Zum Arbeiten als Ingenieurin und Physiotherapeutin nach Lennep. Und zum Schwimmen ins Sportbad am Park.

Stichworte

Medaillen: Die hat Lauridsen zum Großteil im Keller verstaut. In einer riesigen Kiste. „Ich bin niemand, der anderen in seiner Wohnung zeigen will, wie erfolgreich man war.“

Sprachen: Die Dänin ist multilingual unterwegs. Sie spricht dänisch, schwedisch, englisch, deutsch, chinesisch, zulu und lettisch.

Ehrgeiz: „Ich mache Sport für mich“, sagt sie. „Nicht, um andere zu besiegen.“ Lauridsen liebt es, ihre Grenzen auszuloten.

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