Paratriathlet

Benjamin Lenatz sieht Licht am Ende des Tunnels

So ähnlich, wie hier vor fünf Jahren in Holland, hatte sich Benjamin Lenatz auch seinen Auftritt in Tokio vorgestellt. Foto: Frauke Lenatz
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So ähnlich, wie hier vor fünf Jahren in Holland, hatte sich Benjamin Lenatz auch seinen Auftritt in Tokio vorgestellt.
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Der Hückeswagener Paratriathlet kehrt langsam in den Wettkampfmodus zurück.

Von Andreas Dach

Hündin Elli ist häufig Begleiterin von Benjamin Lenatz, wenn dieser in der Natur unterwegs ist.

Tokio. Sein Traum hat(te) fünf Buchstaben. Benjamin Lenatz wollte unbedingt bei den Paralympischen Sommerspielen mitwirken, die zwischen dem 24. August und 5. September dieses Jahres in der japanischen Metropole stattfinden. Im Prinzip will der Paratriathlet aus Hückeswagen das immer noch. Aber die Wahrscheinlichkeit ist auf ein absolutes Minimum geschrumpft. Und das ist bereits hoch gegriffen.

Der in Radevormwald geborene Klassesportler, der seit einem Quad-Unfall querschnittgelähmt im Rollstuhl sitzt, musste Anfang 2020 einen weiteren gesundheitlichen Rückschlag verkraften. Die Diagnose lautete im vergangenen Jahr am 14. Februar: chronische myeloische Leukämie. Der Wirtschaftsfachwirt im Öffentlichen Dienst gibt zu: „Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen. Da wollte mich wohl jemand mehr als auf eine Probe stellen.“

Der 36-Jährige hatte sich im November 2019 extra bei seinem Arbeitgeber, der Stadt Bergisch Gladbach, für ein Jahr freistellen lassen. Um den Fokus vollständig auf die Qualifikation für die Paralympics richten zu können, die ursprünglich im August 2020 stattfinden sollten. Wir alle wissen längst: Corona hatte etwas gegen sportliche Großveranstaltungen. Lenatz befand sich Ende 2019 im Trainingslager auf Lanzarote, als das Unheil seinen Lauf nahm. Er fühlte sich schlapp, hatte Magen-Darm-Probleme. So schlimm, dass er auf der kanarischen Insel sogar ins Krankenhaus musste. Ein Virus?

Wie sich einige Wochen später zu Hause herausstellte: Es handelte sich um Krebs. Blutkrebs. Der zweite Schicksalsschlag, der ihn auf übele Art und Weise herausforderte. 17 Jahre nach dem Verkehrsunfall, welcher ihn in den Rollstuhl beförderte.

Lenatz ist ein Kämpfer. An Sport oder Arbeit war über einen langen Zeitraum noch nicht einmal zu denken. Diese Art der Leukämie wird mit Medikamenten bekämpft. Übersetzt: mit einer Chemotherapie daheim. Dauerhaft für einige Jahre. Die Nebenwirkungen sind dabei das schlimmste Übel. „Es geht darum, dass passende Medikament zu finden“, sagt er. Das erste hat die Schilddrüse zerstört, nebenbei für Herz-Rhythmus-Störungen gesorgt. Das nachfolgende extremen Schwindel und Kopfschmerzen verursacht. Das, was er mittlerweile nimmt, schlägt gut an, was das Zerstören der Krebszellen angeht. Aber es sorgt für ein verändertes Blutbild. „Ich versuche, die Nebenschauplätze in den Griff zu bekommen“, nennt Lenatz das.

„Ich bin mehr oder weniger aus der kalten Hose gestartet!“

Benjamin Lenatz, Paratriathlet

Die Freistellung bei seinem Arbeitgeber ist inzwischen um ein weiteres Jahr verlängert worden. Der gebürtige Radevormwalder ist noch nicht wieder arbeitsfähig. Die Nebenwirkungen müssen erst endgültig verschwunden sein. Immerhin hat er so ganz langsam wieder damit begonnen, Sport zu treiben. Studien besagen, dass regelmäßige Bewegung bei dieser Erkrankung hilft. Wohl dosiert, genau abgestimmt mit den ihn behandelnden Ärzten.

Die Teilnahme an den sogenannten Finals in Berlin vor wenigen Wochen war für ihn so etwas wie ein ganz kleines Licht am Ende des Tunnels. Im Para-Triathlon gehörte Lenatz einer Dreier-Staffel an. Jeder musste 250 Meter schwimmen, 5 Kilometer mit dem Handbike unterwegs sein und 1,5 Kilometer mit dem Rennrolli bewältigen.

„Ich bin mehr oder weniger aus der kalten Hose gestartet“, schildert er seine Herangehensweise. „Aber ich brauchte das für den Kopf.“ Um Fabelzeiten sei es ihm nicht gegangen. Die seien angesichts seines aktuellen persönlichen Zustands auch gar nicht möglich.

Ganz wichtig war, dass Benjamin Lenatz seinen Optimismus nie verloren hat. Er sagt aber auch: „Es reicht jetzt. Noch einmal möchte ich solch einen gesundheitlichen Rückschlag nicht erleben.“ Er will nun schauen, was sein Körper fähig ist zu vertragen. Zu leisten. Aus beruflicher und aus sportlicher Sicht. Nicht ausgeschlossen, dass er seine vielen Erfahrungen irgendwann einmal in Vorträgen weitergeben und aus dem Nähkästchen plaudern wird. „Es geht mir um die Aufklärung der Gesellschaft“, begründet er diese Idee, die so nebenbei auch sein Portemonnaie wieder füllen könnte. Schließlich sind in der Coronazeit auch einige Sponsoren weggebrochen.

Ehefrau Frauke („An erster Stelle“), der Vater („Er hat immer Gewehr bei Fuß gestanden, wenn es gebrannt hat“), die Trainer und einige mehr – sie alle haben mit ihrer bedingungslosen Unterstützung stets dafür gesorgt, dass Benjamin Lenatz den Glauben an sich nicht verloren hat. Auch nicht an Tokio. „Die Wahrscheinlichkeit ist sehr gering“, gibt er zu. „Aber sag niemals nie. Erst einmal muss ich die Nebenwirkungen so in den Griff bekommen, dass ich damit leben kann.“

Vita

Benjamin Lenatz wurde am 7. September 1984 in Radevormwald geboren. Der nach einem Quad-Unfall im Jahr 2003 querschnittgelähmte Sportler hat sich danach dem Paratriathlon verschrieben, national und international große Erfolge gefeiert. Auf seinem Weg zu den Paralympics in diesem Jahr ist er von einer Krebserkrankung vermeintlich ausgebremst worden. Lenatz arbeitet bei der Stadt Bergisch Gladbach und lebt mit seiner Ehefrau Frauke in Hückeswagen.

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