Die Woche im Sport

Lasst uns für Toleranz und Vielfalt eintreten, ihr Sportler

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Von Andreas Dach

Es ist auf den ersten Blick kein lokales Thema. Und doch ist es eins. Gehört (auch) hierhin. Vor wenigen Tagen hat der deutsche Handball-Bundestrainer Alfred Gislason einen rassistischen Drohbrief erhalten. Der Inhalt? Unfassbar: Ein Unbekannter hat den Mann, der seit 30 Jahren in Deutschland lebt und gerade erst mit der Nationalmannschaft die Qualifikation für die Olympischen Spiele geschafft hat, wegen seiner isländischen Herkunft zum Rücktritt aufgefordert. Sollte er dieser Forderung keine Folge leisten, drohe ihm Besuch auf seinem Grundstück. Genauer: „Mal sehen, was aus Ihrem Anwesen dann wird.“

Der 61-Jährige, einer der erfolgreichsten Handball-Trainer aller Zeiten, reagierte mit einem Posting auf Instagram. „Schöner Brief im Briefkasten heute“, stieg er sarkastisch in seine schriftliche Antwort ein. „Es ist das erste Mal, dass ich in diesem großartigen Land bedroht wurde.“ In einem weiteren Beitrag zeigte Gislason ein Bild des Briefkuverts und bat um Hinweise zur Handschrift des Absenders.

Warum wir das Rassismus-Thema aufgreifen? Weil wir auch Tage danach noch fassungslos sind. Und weil man sich solch üblen Tendenzen entgegenstellen muss. Überall. Tagtäglich. In Remscheid wie in Hückeswagen, in Radevormwald wie in Wuppertal, in Wermelskirchen und Burscheid wie in Solingen. In NRW. In Deutschland. In der ganzen Welt. Solche unverhohlenen Formen von Hass und Fremdenfeindlichkeiten gehören angeprangert. Massiv.

Es liegt an uns allen, für Toleranz und Vielfalt einzustehen. Die Gelegenheit haben wir fast rund um die Uhr. Im Supermarkt wie auf dem Parkplatz, im Museum wie auf dem Flohmarkt. Vor allem aber in den Vereinen und bei Sportveranstaltungen. Nirgendwo sonst bietet sich Menschen die Möglichkeit, in so ausgeprägter Form miteinander ins Gespräch zu kommen. Herkunft und Hautfarbe spielen nullkommanull Rolle.

Das ist ein Gut, dessen Wert wir uns vor Augen halten müssen. Immer wieder. Es handelt sich nicht um eine Selbstverständlichkeit, bunt, fröhlich und aufgeschlossen leben zu dürfen. Dafür müssen wir etwas tun. Nicht unkritisch. Nicht blind. Nicht ohne nach links und rechts zu schauen. Aber sobald wir erleben, dass etwas aus dem Ruder läuft – vielleicht schon im Kleinen – liegt es an uns, Farbe zu bekennen. Das kann schon im Verein beginnen, wo der Vereinskamerad bei einem Spiel von außen angepöbelt wird. Stop! Nicht mit uns!

Vermutlich wird man nie in Gänze vermeiden können, dass es zu solch abartigen Vorfällen kommt wie nun beim untadeligen Alfred Gislason. Doch je mehr wir klarmachen, dass wir solchen Mist und solche Absurditäten nicht wollen und stattdessen für Respekt und Gemeinschaft stehen, desto größer ist die Chance, den Rassismus einzudämmen. Zu minimieren..

Wir beim RGA-Sport freuen uns jedenfalls darauf, in absehbarer Zeit den italienischen Torschützen zu feiern. Den türkischen Schlussmann. Oder den holländischen Judoka. Und sollte sich tatsächlich Alfred Gislason mal in unsere Region „verirren“ - er ist mehr als herzlich willkommen. Als Mensch. Als Typ. Als Sportler.

TOP Die Judoka des Remscheider TV lassen ihren Worten Taten folgen, verpflichten zwei Olympioniken.

FLOP Länderspielreisen der Handballer. Der BHC musste einmal aussetzen..

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