Handball

Langeweile ist für Fischer ein Fremdwort

Ziemlich stolz und das vollkommen zu Recht: Sonja Fischer mit der Handballtrainerinnen-A-Lizenz. Fotos: Michaela Fischer
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Ziemlich stolz und das vollkommen zu Recht: Sonja Fischer mit der Handballtrainerinnen-A-Lizenz.
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Die Wahl-Remscheiderin tanzt auf vielen Hochzeiten und gibt gerne etwas von ihrem Erlebten weiter.

Von Fabian Herzog

Sie ist Kriminal-Hauptkommissarin am Quimperplatz in Remscheid, Handballtrainerin, Inhaberin des Nachwuchsleistungszertifikats, Mentorin, Hörbuchautorin und Mentalcoach. Wer Sonja Fischer kennenlernt, wird schnell merken, dass Langeweile für sie ein absolutes Fremdwort ist. Wenn die 49-jährige gebürtige Oberhausenerin aber doch mal – zumindest für einen überschaubaren Zeitraum – zur Ruhe kommen möchte, genießt sie die Idylle des Morsbachtals. Dort wohnt Fischer mit ihrer Frau Michaela seit 2017. „Da haben wir unsere Ruhe und fühlen uns sehr wohl“, sagt die Wahl-Remscheiderin.

Ihr sportliches Zuhause scheint sie bei den Handballerinnen von Fortuna Düsseldorf gefunden zu haben. Beim Drittligisten stieg Fischer 2019 ein und bildet seitdem ein kongeniales, harmonisches Trainergespann mit der Hilgenerin Ina Mollidor. „Unser Zusammenspiel funktioniert sehr gut“, sagt Fischer, die sich vorstellen kann, in der Landeshauptstadt langfristig tätig zu sein, dort etwas aufzubauen und zu entwickeln. Noch vor wenigen Tagen hatte Fischer Mollidor zum Gedankenaustausch in ihrem Campingbus zu Gast, mit dem sie sonst am liebsten durch Skandinavien tourt.

Beide ticken sehr ähnlich und haben es sich zum Ziel gesetzt, den Frauen-Handball bei der Fortuna auf ein höheres Level zu hieven. Grundvoraussetzung dafür ist aus ihrer Sicht der eigene Nachwuchs. „Die Fußballer haben mit dem Nachwuchs-Leistungszentrum schon so eine Basis, auf der man aufbauen kann“, zieht Fischer einen Vergleich. „Wir müssen das erst noch initiieren.“ In der A-Jugend sei durch die Arbeit von Trainerin Niki Münch, der früheren HGR-Spielerin, schon vieles auf einem guten Weg. Die 2. Mannschaft habe als Oberligist das Ziel, die Regionalliga in Angriff zu nehmen. „Wir können für die 1. Mannschaft ja nicht immer nur Neuzugänge von extern dazuholen“, sagt die Remscheiderin, die einen Verjüngungsprozess beim aktuellen Drittligisten für unabdingbar hält. Erst dann würde der Sprung in eine höhere Spielklasse Sinn machen. „Natürlich wäre die 1. oder 2. Liga ein Traum“, findet die ambitionierte Trainerin.

Hinter ihr liegt ein spannender Weg als Handballerin. Angefangen in Oberhausen-Sterkrade, verschlug es Sonja Fischer 1989 nach Wuppertal. Dort machte sie im Standort Lichtscheid ihre Ausbildung bei der Polizei und schloss sich zeitgleich dem TV Beyeröhde an. Schnell übernahm sie parallel zur eigenen Karriere Jugendteams als Trainerin, fand Gefallen daran und erwarb zunächst die C-, mit 21 Jahren dann schon die B-Lizenz. Als es mit dem TVB hoch in die 2. Liga ging, machte Fischer einen Schritt runter. Aus beruflichen Gründen schloss sie sich dem Regionalligisten ASV Wuppertal an, später spielte sie auch noch in Hagen-Haspe.

„Da bin ich stolz drauf, und das war eine aufregende Erfahrung.“

Sonja Fischer über die erreichte A-Lizenz und die dazu gehörende Hospitanz beim Bergischen HC

Eine Verletzung an der Achillessehne beendete ihre aktive Karriere bereits im Alter von 29 Jahren. Was Fischer aber dazu nutzte, um als Trainerin durchzustarten. Angefangen rund um die Jahrtausendwende beim damaligen Regionalligisten HSV Gräfrath, machte sie im Seniorenbereich Station beim TB Wülfrath als Nachfolgerin von Rudi Lichius beziehungsweise Vorgängerin von Lars Faßbender, HSV Wuppertal und auch bei der SG Überruhr.

Beinahe noch mehr Einfluss nahm sie im Nachwuchsbereich. Ab 2007 trainierte sie die Niederrheinauswahl des Jahrgangs 1993 und später die des Jahrgangs 1997. Letztgenannte führte sie vor acht Jahren zur Endrunde um die Deutsche Meisterschaft. „Das war ein überragendes Erlebnis“, schwärmt die Handballtrainerin heute noch.

Vergangenes Jahr machte Fischer die A-Lizenz. „Da bin ich stolz drauf“, sagt sie. Unter anderem hospitierte sie dafür für insgesamt zwei Wochen beim Männer-Bundesligisten Bergischer HC. „Das war eine aufregende Zeit.“ Erfahrungen wie diese gibt die 49-Jährige gerne auch weiter. Als Mentorin ist sie seit 2020 Jahr Teil des Projekts „she“ (support-handball-equity), mit dem Trainerinnen im Handball auf ihrem sportlichen Weg unterstützt und junge Frauen für den Trainerinnenjob begeistert werden sollen. „Es gibt in diesem Bereich noch immer viel zu wenig Frauen“, findet die Remscheiderin, die außerdem noch als Mental-Coach arbeitet.

Wie sie all das unter einen Hut bekommt? Mit einem breiten Grinsen sagt Sonja Fischer: „Es erfordert einfach ein gutes Zeit-Management.“ Und zum Entspannen bleibt ja auch noch die Idylle des Morsbachtals.

 Hörbuch

Viel Spaß hatte Sonja Fischer bei den Aufnahmen ihres ersten Hörbuches.

Vor wenigen Tagen hat Sonja Fischer ihr erstes Hörbuch aufgenommen. In ihrer Rolle als Mental-Coach – auch hier besitzt sie die A-Lizenz – spricht sie aus eigener Erfahrung: „Ich hatte selber als Spielerin unter Stress und Nervosität zu kämpfen.“ Dies lasse sich aus ihrer Sicht auf viele Sportarten und bis in den untersten Amateurbereich übertragen. „Ich war schon im Kugelstoßen, Bogenschießen, Fechten, Tennis, Handball oder Fußball im Einsatz.“ Zu buchen ist sie über: www.mentaltraining-wuppertal.de

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