Handball

Mit lang gezogenen Ohren nach oben

Auch in Aufderhöhe, wie hier im heimischen Bunker, war Kevin Tobolski mit seiner Wurfgewalt kaum zu stoppen. Foto: Kurt Kosler
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Auch in Aufderhöhe, wie hier im heimischen Bunker, war Kevin Tobolski mit seiner Wurfgewalt kaum zu stoppen.
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Von der Landes- in die Regionalliga – Kevin Tobolski geht seinen Weg.

Von Fabian Herzog

Schritt für Schritt auf der Karriereleiter nach oben – die viel benutzte Metapher passt auf kaum eine Leistungsentwicklung so gut wie auf die des Kevin Tobolski. Der Wermelskirchener Handballer, der sich im Seniorenbereich beim HCW die Hörner abgestoßen hat, ging vor zwei Jahren zum TSV Aufderhöhe in die Verbandsliga. Mit dem stieg er nach einer Saison in die Oberliga auf und erreicht mit seinem Wechsel in diesem Sommer die nächste Stufe. Den 24-Jährigen zieht es zur SG Langenfeld in die Regionalliga.

Ihr großes Herz für Kinder beweisen Kevin Tobolski und Jens Cornelsen Woche für Woche, wenn sie die jüngsten Handballer in Wermelskirchen an den Sport heranführen.

Dass es für ihn weit nach oben gehen würde, zeichnete sich schon früh ab. Als B-Jugendlicher spielte Tobolski bei der JHC Wermelskirchen in der A-Jugend mit. Später dann, in der Endphase seiner Zeit im Nachwuchsbereich, direkt auch beim HCW in der Landesliga. Wobei der Begriff „mitspielen“ seinen Leistungen nicht ganz gerecht wird. Der Rückraumhüne (2,06 Meter) gehörte schnell zu den Leistungsträgern. „Mir war damals schon klar, dass er es in die Ober-, Regionalliga oder noch höher schaffen würde“, erzählt Shahrokh Rezaloo, der als Trainer einer seiner sportlichen Ziehväter war.

Der frühere HCW-Coach erinnert sich noch genau daran, wie Tobolski zu seiner Truppe stieß. „Man musste ihm ein bisschen die Ohren lang ziehen“, sagt Rezaloo mit einem Lächeln. Die pädagogischen Maßnahmen fruchteten aber. „Er hat verstanden, was Mannschaftssport bedeutet, und sich super entwickelt“, lobt sein Ex-Trainer und schwärmt: „Sportlich wie menschlich ist Kevin ein ganz feiner Kerl.“

„Ich bin ein treuer Vereinsmensch und froh, dass ich etwas zurückgeben kann.“
Kevin Tobolski, der weiterhin junge Wermelskirchener Handballer trainiert.

Sein einwandfreier Charakter zeigte sich schon damals, als viele Vereine früh auf ihn aufmerksam wurden und ihm Angebote unterbreiteten. Tobolski aber blieb vier Jahre beim HCW, ehe er den Schritt nach Aufderhöhe wagte. „Ich bin ein treuer Vereinsmensch“, sagt der 24-Jährige. Auch deshalb kam es für in gar nicht infrage, seine Trainerrolle im Wermelskirchener Jugendbereich wegen des Wechsels nach Solingen aufzugeben. Einmal pro Woche kümmert er sich zusammen mit Ex-Mitspieler Jens Cornelsen um die Talente von morgen, die von der Ballspielgruppe an den Handball herangeführt werden wollen. Tobolski: „Ich bin froh, dass ich so auch etwas zurückgeben kann.“

Sein Schritt, zum TSV zu wechseln, erwies sich als goldrichtig. „Ich habe dort so viel gelernt“, erzählt Tobolski. Alles sei deutlich professioneller und habe ihm einen völlig neuen Einblick in den Handballsport gegeben. Weil in Aufderhöhe beispielsweise viel mehr Wert auf Fitness und Athletik gelegt wurde. „Ich habe Körperregionen kennengelernt, von denen ich gar nicht wusste, dass es sie gibt“, muss er schmunzeln. Dafür verantwortlich war unter anderem Co-Trainerin Jessica Bregazzi, die vor Jahren auch schon bei der HSG Rade/Herbeck kurz ihre Spuren hinterlassen hat. Viel bewussteres Training („Waldläufe mache ich nur noch nach Herzfrequenz“) hat auch die Verletzungsanfälligkeit des langen Schlaks, der zu HCW-Zeiten schon zwei Knie-OPs über sich ergehen hatte lassen müssen, verringert.

Ein besonderes Gefühl, den Bunker nicht als Gast zu erleben

Gründe, warum Tobolski den Entschluss, nach Solingen gewechselt zu sein, nicht bereut, gibt es viele weitere. Unter anderem die Erfahrung, den „Bunker“ nicht mehr als Gast zu erleben. „In dieser kleinen Halle hast du immer das Gefühl, dass die Tribüne voll ist. Das motiviert ungemein“, sagt der Rechtshänder, der in der Jugend („Da war ich kompakter“) lange Kreisläufer war, ehe er als B-Jugendlicher innerhalb kurzer Zeit um 30 Zentimeter wuchs.

Abgesehen vom Sportlichen brachte seine TSV-Zeit auch in privater Hinsicht einen positiven Effekt. Er lernte Viola Schreiber kennen, die sich als Physiotherapeutin um die Spieler kümmerte. Irgendwann funkte es, mittlerweile wohnen beide zusammen in Solingen.

Von dort aus sind die Wege nicht weit. Nicht nach Radevormwald, wo Tobolski als Mechatroniker arbeitet. Und auch nicht nach Langenfeld, wo er unter dem neuen Trainer Lars Brümmer, bisher Nachwuchskoordinator bei TuSEM Essen, schon die ersten Einheiten absolviert hat. „Es wird spannend“, blickt Tobolski der Herausforderung SGL entgegen, die für ihn ein überraschendes Schmankerl bereithält. Anfang nächsten Jahres wird er mit den Langenfeldern beim Final Four des Amateur-Pokals dabei sein. Corona macht´s möglich.

Familie

Kevin Tobolskis Eltern stammen aus Polen. Sein Vater war Basket- und Volleyballer. „Mit Handball hat er sonst aber nichts zu tun“, sagt der 24-Jährige. Bekanntlich anders sein um zwei Jahre jüngerer Bruder Martin, der ebenfalls aus der Wermelskirchener Jugend stand und zuletzt das Tor der Panther-Zweiten oder -Dritten hütete. „Aber jetzt will er auch ins Feld“, verrät Kevin Tobolski, der ihn aber vorgewarnt hat: „Da wird es mehr weh tun.“

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