An der frischen Luft mit . . .

Kupfer ist für den FC Remscheid Gold wert

Kennt die Talsperre sehr gut: Hier hat Mike Kupfer einst erfolgreich für einen Halbmarathon trainiert – aber ohne dabei die Ohren zu spitzen.
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Kennt die Talsperre sehr gut: Hier hat Mike Kupfer einst erfolgreich für einen Halbmarathon trainiert – aber ohne dabei die Ohren zu spitzen.
  • Andreas Dach
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...Mike Kupfer. Der Co-Trainer des Fußball-Landesligisten FC Remscheid fühlt sich pudelwohl in seiner Rolle.

Von Andreas Dach

Er sieht nicht wie jemand aus, der sein Tagwerk bereits verrichtet hat. Es ist 11.30 Uhr am Mittag, als Mike Kupfer aus seinem Auto steigt. Müdigkeit? Keine Spur davon beim Co-Trainer des Fußball-Landesligisten FC Remscheid. „Hallo!“ Er winkt mit einem fröhlichen Lachen. Wie man es von ihm kennt. Ja, hallo.

Ein gemeinsamer Spaziergang um die Talsperre steht an. Oder – wir sollten es vorher nicht ahnen – ein Eistanz. Es ist zum Teil spiegelglatt. Ach was, überwiegend. Rutschgefahr hoch zehn.

Die völlig vereiste Wegstrecke machte dem Co-Trainer des FCR nichts aus. Kupfer entpuppte sich als absolut standfest.

Kupfer scheint das nicht zu tangieren. Er beginnt zu erzählen. Beginnend mit seinem Beruf. Eigentlich wollte Mike Kupfer Maler und Lackierer werden, hat diesen Beruf auch erlernt. Eine Allergie auf Kunstharzlacke ließ ihn umdenken. Nach einem Zwischenstopp in der Firma seines Vaters, eines Maurers, stand für ihn fest: „Ich schule um zum Rettungssanitär.“ Um die Zeit bis zum Ausbildungsbeginn zu überbrücken, heuerte er als Fahrer bei der Bäckerei Beckmann an. Kupfer hatte die Anzeige in der Zeitung gesehen. „Ein halbes Jahr wollte ich das machen“, erinnert er sich.

Daraus geworden ist ein Vierteljahrhundert. Und der 50-Jährige ist noch immer voller Begeisterung dabei. Wie auch an diesem Tag. Nachts um 2 Uhr hat er begonnen und in der Firmenzentrale in der Dreherstraße seinen Lieferwagen beladen. Mit duftenden Brötchen, mit Backwaren. Dann hat er acht Filialen angefahren – im Remscheider Stadtgebiet und in Ronsdorf. So macht er das täglich, mit Ausnahme des Sonntags. Körperlich anstrengend. Manchmal muss er auch Vertretungen machen, tourt dann zwischen Leverkusen und Langenfeld hin und her.

Umso bemerkenswerter ist seine Fröhlichkeit, sein gewinnendes Wesen. Geradezu ansteckend. Und so war es für Mike Kupfer auch eine Selbstverständlichkeit, als die Frage des RGA-Sports nach einem gemeinsamen Spaziergang an ihn herangetragen wurde. Nachdem der vierfache Vater vor sieben Jahren das Rauchen aufgehört hat, hat er rund 20 Kilogramm zugelegt. Das garantiert ihm nun Standsicherheit auf dem gefrorenen Rundkurs um die Talsperre. Spikes, die wir eigens für ihn mitgebracht haben? „Brauche ich nicht“, versichert er glaubhaft.

In seinem Element: Als Co-Trainer des FCR hat Mike Kupfer nach eigenen Angaben noch mehr als zu tun als früher als Chef der 2. Mannschaft.

Also marschieren wir los. Und reden und reden und reden. Zwei Themen ragen aus ganz vielen anderen heraus. Die Familie und der Fußball. Mike Kupfer ist zweimal geschieden, lebt mittlerweile alleine. Mit seiner ersten Frau hat er die Töchter Mareike (27) und Livia (24), mit seiner zweiten die Söhne Matteo (21) und Lucas (19). Das Gute: Er hat zu beiden Ex-Frauen unverändert guten Kontakt, Letztere sieht oder hört er sogar fast täglich. Das macht es einfacher für ihn, der in Lüttringhausen in der Reinwardtstraße zu Hause ist. „Da möchte ich nicht mehr weg“, stellt er heraus.

Als Kleinkind hatte er mit der Familie auf dem Struck gewohnt, später am Stadtgarten in Lennep. Irgendwann ging es weiter nach Lüttringhausen. Dort fühlt er sich heimisch.

Seine Mädchen üben soziale Berufe aus, seine Jungs stehen kurz vor der Vollendung ihrer Ausbildung. Sie werden, wie der Papa, Handwerker. Das gibt ihm ein gutes Gefühl. „Familie“, sagt er, „ist das Wichtigste.“ Und die Freunde. Wie Michel und Michael, seine dicksten Kumpels. Und das Ehepaar Turan, das in unmittelbarer Nachbarschaft einen Kiosk betreibt. „Ich könnte alle nachts um Hilfe bitten, sie würden sofort kommen“, ist er sich sicher. Als ihn im vergangenen Jahr das Coronavirus erwischt hatte und eine Temperatur von 40 Grad tagelang in die Federn zwang, waren alle für ihn da. Bis hin zu gekochtem Essen, was man ihm vor die Tür stellte.

Kupfer liebt diese Art von Harmonie. Er braucht sie wie die Luft zum Atmen, sagt: „Ich will meine Ruhe und meinen Frieden.“ Dann funktioniert er. In seinem Beruf. In seiner Familie. Und im Sport. Seine fußballerische Jugendzeit hat Kupfer fast komplett beim BV 10 verbracht, zwischendurch mal anderthalb Jahre bei der SG Hackenberg eingestreut. Bei den Senioren hießen seine Stationen TuRa Süd, Bergisch Born, Grund und Marathon. Für ihn mit der beste Trainer in dieser Zeit: Rainer Trompeter. „Darauf“, betont Kupfer, „lege ich mich fest.“ Später wechselte er noch in den Betriebssport, spielte beim RTB.

Mit dem heutigen FC Remscheid hatte er nur als Fan sympathisiert, war zu den Zweitliga-Heimspielen ins Röntgen-Stadion gegangen. „Da war ich fast bei jedem Spiel.“ Richtig innig wurde der Kontakt aber erst mit seinem Einstieg ins Trainergeschäft. Im Jahr 2006 hatte Mike Kupfer seinen älteren Sohn Matteo beim FCR angemeldet. Ehe er sich versah, war er dort Nachwuchscoach. Mittlerweile ist er seit 15 Jahren dabei. Hat alle Jugendteams trainiert bis zu den A-Junioren, die 2. Mannschaft auch. Nun ist er an der Seite von Chefcoach Marcel Heinemann für die Erste zuständig. „Das hätte ich mir nicht träumen lassen“, gibt er zu und wirkt ein wenig stolz. „Viele sehen mich als Papa der Mannschaft, der immer ein offenes Ohr hat.“

Man spürt: Er fühlt sich wohl, akzeptiert. Und lobt Heinemann: „Er ist ein Top-Typ und sehr guter Trainer.“ Wieder sind wir beim Thema Harmonie.

Jetzt hole ich mir noch einen halben Hahn und Pommes!

Mike Kupfer, Co-Trainer des FCR

Wir haben die Runde unfallfrei hinter uns gebracht, wobei man an einigen Stellen ganz nah am Rand gehen musste. So wenig Jogger und Spaziergänger an der Talsperre – das hat absoluten Seltenheitswert. Jetzt freut sich Kupfer auf seine Nachtruhe am Tag: „Vorher hole ich mir bei Imbiss Unkel noch einen halben Hahn und Pommes, dann lege ich mich hin.“ In der Regel für zwei bis drei Stunden. Abends auch noch mal für vier Stunden. Kupfer hat sich an diesen außergewöhnlichen Ablauf über all die Jahre gewöhnt. Er klagt nicht.

Auch nicht über die Frustsaison des FC Schalke 04. Er ist seit 2001 Mitglied beim Fanclub Bergische Knappen, hat seit drei Jahren gemeinsam mit seinen Söhnen Dauerkarten beim Fußball-Bundesligisten. „Ich habe die Hoffnung immer noch nicht aufgegeben, dass wir die Klasse vielleicht doch noch halten können“, sagt er. Und wird, solange es nicht wieder ins Stadion geht, weiter Samstag für Samstag mit seinen beiden Jungs vor dem Fernseher hocken. Zum Daumendrücken. Meist kocht er vorher, zelebriert eins seiner großen Hobbys. Dann gibt es Rinderfiletsteaks mit Bratkartoffeln. Oder Nudelauflauf. Oder Sauerbraten.

Obligatorisch: Das Abschlussfoto nach erfolgreich absolvierten rund drei Kilometern gehört inzwischen zum Pflichtprogramm unserer Serie.

Ja, dieser Mike Kupfer ist ein bodenständiger Typ. Mittlerweile auch Opa der kleinen Mia („Von meiner Tochter Mareike“). Man darf gespannt sein, wann er die Kleine erstmals mit zu einem Konzert seiner Lieblingsband Metallica schleppt. Sohn Matteo war gerade mal elf, als er mit dem Papa die Metal-Band schon live erlebte und jeden Song mitgrölen konnte. Jetzt freut sich Mike Kupfer verständlicherweise aber erst einmal aufs Bett. Gute Nacht am helllichten Tag, Mike Kupfer!

Verlängerung

Wie sehr Mike Kupfer als Mensch und Co-Trainer beim FC Remscheid geschätzt wird, zeigt sich auch in der jüngsten Vertragsverlängerung. Er unterschrieb bis zum 30. Juni 2022 und begründet dies wie folgt: „Es ist für mich eine Herzensangelegenheit, ein weiteres Jahr für den Verein tätig zu sein.“ FCR-Trainer Marcel Heinemann, gleichzeitig auch Sportlicher Leiter des Landesligisten, ist froh, Kupfer weiter an seiner Seite zu wissen: „Mike ist für mich eine absolute Vertrauensperson. Seine Arbeit ist großartig.“

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