Kickboxen

Kunst entsteht durch die Einfachheit

Wenn das Team von SB-Kickboxing von einem Wettkampf zurückkehrt, kann es im Kofferraum schon mal eng werden.
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Wenn das Team von SB-Kickboxing von einem Wettkampf zurückkehrt, kann es im Kofferraum schon mal eng werden.

Shemsedin Berisha hat an der Oststraße eine Kampfsportschule eröffnet

Von Peter Klohs

Kickboxen ist mehr als eine Kampfsportart. Mehr als eine Verbindung von Karate oder Taekwondo mit Boxen. Mehr als teils komplizierte Regeln, die auch noch je nach Verband unterschiedlich sein können. Mehr als eine Wettkampfdisziplin, die bei ihrer Premiere 1974 „All Style Karate“ hieß. Kickboxen ist Konzentration, Körperbeherrschung, die Gewissheit der eigenen Stärke sowie eine ganze Menge Psychologie.

Das alles weiß Shemsedin Berisha, dreifacher Kickbox-Weltmeister und Inhaber der Kampfsportschule SB-Kickboxing an der Remscheider Oststraße. Berisha stammt aus dem Kosovo, den er 1999 wegen des dort herrschenden Krieges verlassen hat. „Ich war acht Jahre alt“, erinnert er sich, „und total traumatisiert. Das Kickboxen hat mir geholfen, mich aus dem Tal heraus zum Berg hinzuarbeiten. Und das ist der beste Beweis für die Psychologie in unserem Sport: Es spielt keine Rolle, ob alle an dich glauben. Wichtig ist allein, dass du an dich selber glaubst.“

Wir sind dabei, einen Verein zu gründen, und wollen mit Jugendlichen arbeiten.

Shemsedin Berisha, Inhaber der neuen Kampfsportschule

Berisha, der seit Jahren in Duisburg lebt, ist überzeugt, dass Kickboxen nichts mit Gewalt zu tun hat. „Ich bin jemand, der mit dem erzieherischen Grundgedanken an die Sache herangeht“, sagt er. „Meine erste Kickbox-Schule habe ich 2005 in Duisburg gegründet. In Lennep hatte ich einige Zeit eine Schule an der Kölner Straße. Und seit September 2021 bin ich hier an der Oststraße.“

Shemsedin Berisha verfolgt ehrgeizige Ziele.

Während Berisha das alles erzählt, beginnen rund 20 Kinder und Jugendliche mit dem Training, das in den ersten 30 Minuten aus Aufwärmen und Dehnen besteht und von einem zehnjährigen Mädchen (!) geleitet wird. Jungen und Mädchen von vier bis zwölf Jahren trainieren zusammen, junge Menschen aus aller Herren Länder zwischen Marokko und der Ukraine.

„Sieh nur dieses Mädchen aus der Ukraine. Sie kam vom Krieg traumatisiert zu uns. So habe ich auch angefangen. Wir sind total multikulti“, sagt Berisha erfreut. Er sichtet diejenigen, die den Sport ausüben möchten, beobachtet sie, trainiert mit ihnen. „Wenn es passt, darf er oder sie wiederkommen“, betont er. „Wenn nicht, dann merke ich das sofort. Der Körper will entspannen“, weiß Berisha, „und kann das nicht, wenn man seinen Frust in einen Sandsack haut. Das geht nur mit Atemtechnik und Dehnübungen. Sonst streiken eines Tages die Gelenke. Dehnen ist das Wichtigste überhaupt.“

Kickboxen ist, so erzählt der Weltmeister, ein ungefährlicher Sport. „Nirgendwo sonst werden so viele Körperteile geschützt: die Füße, die Hände, der Kopf.“ Und das sei wichtig, findet der Trainer. „Wir achten extrem darauf, dass selbst die Jüngsten hier niemanden verletzen. Jeder kann seine eigenen Kräfte einschätzen.“ Der fünfjährige Aden Selim beweist es. Er ist beim letzten Wettkampf als bester Kämpfer seines Jahrgangs ausgezeichnet worden, weil er sich mutig gegen einen doppelt so alten Kontrahenten gewehrt hat. Er demonstriert, wie er die Härte seiner Schläge oder Tritte selbst einschätzen kann.

„Wir sind gerade dabei, einen Verein zu gründen“, kündigt Berisha an. „Die Unterlagen sind alle ausgefüllt. Ich will in Zukunft viel mit Jugendlichen arbeiten, Jugendzentren unterstützen. Und ich werde natürlich versuchen, meine Weltmeistertitel am 17. September in Arnsberg zu verteidigen. Und im Oktober werde ich in Italien kämpfen. Im Ausland ist Kickboxen noch einmal eine ganz andere Liga.“ Der Kickboxer sieht seinen Sport als Kampfkunst. „Die Kunst entsteht durch die Einfachheit. Ja, ich bin streng zu meinen Schülerinnen und Schülern. Aber nett streng.“ Und beherzigt damit die wichtigste Regel der Kampfkunst: Respekt.

Training und Kontakt

Shemsedin Berisha und seine Trainer (SB-Kickboxing) sind in der Oststraße 2 tätig. Kinder und Jugendliche trainieren dienstags und freitags von 16.30 Uhr bis 18 Uhr. Danach trainieren die Erwachsenen. Seit Mai 2022 wird auch ein Training ausschließlich für Frauen angeboten. Berisha hat eindeutige Pläne. „In zehn Jahren möchte ich die erfolgreichste Kampfschule in Remscheid sein.“ Da ist er auf einem guten Weg: Zahlreiche seiner Schützlinge sind bereits ausgezeichnet worden.

Kontakt

www.sb-kickboxing.de

Tel. 0176 – 70 22 89 99

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