Handball

Von der Kreis- zur Zweitliga-Torhüterin

Sena Ariöz spielt beim HSV Gräfrath hauptsächlich in der 2. Mannschaft, konnte ihr Können aber auch schon in 3. und sogar 2. Liga unter Beweis stellen. Foto: Kurt Kosler
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Sena Ariöz spielt beim HSV Gräfrath hauptsächlich in der 2. Mannschaft, konnte ihr Können aber auch schon in 3. und sogar 2. Liga unter Beweis stellen.
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Remscheider Handballerin Sena Ariöz entwickelt sich beim HSV Gräfrath und steckt Rückschläge weg.

Von Fabian Herzog

Sie sagt über sich selbst, eine „extrem selbstkritische und bescheidene Person“ zu sein. Dabei könnte Sena Ariöz verdammt stolz auf das blicken, was sie in ihrer Laufbahn als Handballerin bereits erreicht hat. Die 22-jährige Remscheiderin, die in Wermelskirchen geboren wurde, hat sich innerhalb kürzester Zeit von einer Kreis- zu einer Zweitliga-Torhüterin entwickelt und dabei einige Rückschläge weggesteckt.

Am 20. September des vergangenen Jahres war es soweit. Für das Heimspiel gegen die SG Kirchhof fiel mit Natascha Krückemeier eine der beiden Stammtorhüterinnen des HSV Gräfrath aus. So bildeten Ariöz mit Lisa Fahnenbruck das Gespann zwischen den Pfosten des Zweitligisten und bekam beim überzeugenden 35:23-Sieg in der Schlussphase die Chance, ihr Debüt zu feiern und ihr Können auf diesem Niveau zu beweisen. „Ich war ultranervös“, erinnert sich die Remscheiderin, „obwohl ich ja gar nichts zu verlieren hatte.“ So avancierte sie dann auch zu einer weiteren Gewinnerin auf Gräfrather Seite, machte ein klasse Spiel. „Ich war ziemlich gut“, erzählt Ariöz stolz.

Auch wenn das Ende alles andere als schön war: Die Zeit in Rade hat Ariöz in guter Erinnerung behalten.

Ende November dann Zweitliga-Einsatz Nummer zwei. Gegen den HC Rödertal standen HSV-Trainerin Kerstin Reckenthäler zwar sowohl Krückemeier als auch Fahnenbruck zur Verfügung, bei einem Siebenmeter in den letzten Minuten durfte aber erneut Ariöz ihr Glück versuchen. „Ich war dran“, ärgert sie sich, dass sie den Einschlag nicht verhindern konnte.

„Ich glaube schon, dass ich noch viel mehr Potenzial habe.“
Sena Ariöz, Handballtorhüterin

Was dabei aber vor allem zählte, war die Geste. Die Einwechslung durfte getrost als Wertschätzung und Belohnung gewertet werden. Denn Ariöz, die ansonsten in der 2. Mannschaft in der Oberliga im Kasten steht, nimmt die Rolle als dritte Torhüterin sportlich und mit großer Loyalität an. Zweimal pro Woche trainiert sie bei der Ersten mit und verdoppelt ihr eigentliches Pensum somit. Die 22-Jährige stellt keine Ansprüche und genießt es, Teil des Überraschungsteams dieser Zweitligasaison zu sein. Zur Erinnerung: Beim Abbruch der vergangenen Spielzeit war Gräfrath als Aufsteiger Letzter, vor dem Heimspiel an diesem Samstag gegen Berlin steht nach neun Partien Platz fünf zu Buche.

Ariöz sagt: „Momentan bin ich so zufrieden wie noch nie. So kann es gerne bleiben.“ Dabei ist ihr anzumerken, dass sie schon andere Zeiten beim HSV erlebt hat. Als die Torhüterin 2017 von der HSG Radevormwald/Herbeck nach Solingen gewechselt war, erfüllte sie sich einen kleinen Traum. Mit der HSG hatte sie zwar sportlich den Sprung in die Viertklassigkeit geschafft, dann löste sich die Mannschaft aber bekanntlich auf. Ariöz übersprang eine weitere Klasse und durfte als Backup-Keeperin erste Drittliga-Erfahrung sammeln. „Das war schon ziemlich cool“, sagt sie. „Ich habe es mit Verstand genossen.“

Doch es kam zu Differenzen mit Entscheidungsträgern, Ariöz fand sich irgendwann ausschließlich in der Zweiten wieder. Also dort, wo sie zuvor nur zur Hälfte eingeplant war. „Das war nicht einfach für mich“, erzählt sie. Doch die Remscheiderin ließ sich nicht unterkriegen und gab weiter Vollgas. Sie wollte sich damit nicht abfinden. „Ich glaube schon, dass ich viel mehr Potenzial habe. Die 2. Liga traue ich mir irgendwann dauerhaft zu“, sagt sie. Wohl wissend, einen eher untypischen Weg genommen zu haben.

Angefangen beim Remscheider TV, legte sie in C- und B-Jugend eine Pause ein. „Ich hatte einfach keine Lust mehr.“ In den letzten Zügen ihrer Zeit im Nachwuchsbereich wurde das Feuer bei der „Hobbyhandballerin“, wie sie selbst sagt, aber plötzlich entfacht. Bei der HG Remscheid gehörte sie der A-Jugend an, trainierte dreimal pro Woche und legte unter Detlef Randzio Zusatzschichten ein. Der Sprung nach Rade war dann eine logische Folge, das Trainerteam Daniel Schnellhardt und Christian Haupt forderte ihr mit den leistungsorientierten Einheiten alles ab. „Nach einem Training hatte ich anfangs eine Woche lang Muskelkater“, erinnert sich Ariöz lächelnd.

Geschadet hat ihr das aber wahrlich nicht. Die Remscheiderin hat sich in der Folge klasse entwickelt und ihren Weg in die 2. Liga gemacht. Darauf kann sie stolz sein. Bei aller Selbstkritik und Bescheidenheit.

Sena Ariöz

Vereinsarbeit: Seit knapp einem Jahr engagiert sich die Remscheiderin beim HSV auch auf Funktionärsebene, bekleidet den Posten als Damenwartin. „Ich identifiziere mich mit den Werten des Vereins“, sagt sie.

Torwart-Trainerin: Zur Saison 2019/20 stieg sie bei der B-Jugend des HSV ein, die nun nicht nur die A-Jugend ist, sondern auch als 2. Mannschaft startet. „Eine lustige Konstellation, dass ich mit meinen Schützlingen auch ein Gespann bilde.“ Die Trainerarbeit macht ihr großen Spaß, weshalb sie derzeit beim DHB auch ihre Lizenz macht. Dies geschieht unter prominenter Leitung. Geschult wird Ariöz von Mattias Andersson und Clara Woltering.

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