Football

Krebserkrankung reißt den Boden weg

Markus Schulz, der Kämpfer. Beim ersten Amboss-Spiel nach der langen Durststrecke war der 43-Jährige direkt wieder voll in seinem Element und kümmerte sich um die medialen Belange.
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Markus Schulz, der Kämpfer. Beim ersten Amboss-Spiel nach der langen Durststrecke war der 43-Jährige direkt wieder voll in seinem Element und kümmerte sich um die medialen Belange.
  • Fabian Herzog
    VonFabian Herzog
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Markus Schulz, Pressesprecher des Amboss, kämpft für sich und seine Familie.

So schnell wirft ihn eigentlich nichts aus der Bahn. Markus Schulz, Pressesprecher der Amboss-Footballer, gehört alleine von seiner Statur her eher der Kategorie unverwüstlich oder Fels in der Brandung an – mit weichem Kern und großem Herzen wohlgemerkt. Doch im vergangenen Jahr hat es den gebürtigen Mönchengladbacher, der seit 2015 in Westhausen lebt, komplett umgehauen. Bei einer Routine-Untersuchung bekam er im Oktober 2020 die Diagnose Krebs, lag monatelang im Krankenhaus und kämpfte sich erfolgreich zurück ins Leben. Zwischenzeitlich musste er einen weiteren Rückschlag wegstecken und bekommt derzeit wieder eine Chemotherapie – seinen Lebensmut hat der zweifache Familienvater aber nicht verloren.

Wegen Rückenschmerzen war Schulz seinerzeit beim Hausarzt vorstellig geworden. Selbst als dieser ihn umgehend ins Sana überwies, machte sich der 43-Jährige wenig bis gar keine Gedanken. „Ich habe mich ja gut gefühlt“, erzählt er und erinnert sich: „Ich bin ganz locker ins Krankenhaus gegangen, mit dem Laptop unter dem Arm – fast wie beim Einchecken in ein Hotel. Fehlte eigentlich nur der Meerblick.“

Ich fühlte mich wie der Fahrgast im eigenen Leben.

Markus Schulz

Statt Urlaubsfeeling wurde ihm kurz darauf der Boden unter den Füßen weggerissen. Nach einer Ultraschall-Untersuchung lautete der Tenor: Da stimmt etwas nicht. Mehr Aufschluss lieferte eine Bauchraum-OP. Aus einem unbemerkten Blinddarm-Durchbruch hatte sich ein Abszess gebildet, der zwar rausgeschnitten werden konnte, aber schon weiteres Unheil angerichtet hatte. „Das war ein Schock“, erzählt Markus Schulz, der sich plötzlich wie „der Fahrgast im eigenen Leben“ fühlte. Eben einer, der sein Schicksal in die Hände der Ärzte legen musste.

Unfassbar hart traf es auch seine Ehefrau Jasmin, die von einem Arzt sogar das totale Horrorszenario aufgezeigt bekam. Schulz: „Er sagte: Wenn ihr Mann Weihnachten noch erlebt, können sie froh sein.“ Doch davon wollte die Familie nichts wissen. Und auch nicht Sana-Oberarzt Dr. Honingh, der sich der Sache annahm und eine Therapie recherchierte, die helfen sollte.

Seine Faszination für den American Football gepaart mit jeder Menge Fachwissen stellte Schulz schon in zwei NFL-Büchern unter Beweis.

Schulz kam in die Kölner Uni-Klinik, wo für ihn die mit Abstand härteste Zeit seines Lebens begann. 66 Tage musste er insgesamt im Krankenhaus bleiben, fünf Operationen – davon eine über neun Stunden – über sich ergehen lassen und neben allen medizinischen Eingriffen auch gegen eine grausame Einsamkeit ankämpfen. Coronabedingt durfte er nur extrem eingeschränkt Besuch empfangen. Seine jüngere Tochter Mathilda (4) war einmal da, wollte in der Folge nicht mehr. Und die Ältere, Nimoe (16), schaffte es mental gar nicht. „Ich habe die Vorzüge der Video-Telefonie für mich entdeckt“, sagt der Familienvater, wohlwissend um die Schwäche des Ersatzes.

Kurz vor Weihnachten durfte er wieder nach Hause. Eine vom Amboss organisierte emotionale Rückkehr, mit 30 Kilogramm weniger auf den Knochen, maximaler Wiedersehensfreude und einer neuen Einstellung zum Leben. „Ich setze andere Prioritäten“, sagt der Remscheider. Weniger Arbeiten, mehr Familie. „Wir sind enger zusammengerückt“, berichtet er. Womit nicht alleine die gemeinsamen Kuschelnächte gemeint sind. Ein Satz seiner jüngeren Tochter haute ihn dann noch einmal mächtig um. Mathilda sagte: „Papa, wenn du mal tot bist, nimmst du dann ein Handy mit, damit ich dich anrufen kann?“

Ehefrau Jasmin gebührt die größte Anerkennung

Ein Gänsehautmoment für Markus Schulz, der in den Monaten zuvor auch rund um die Uhr an seine Frau dachte. „Sie hat Unfassbares geleistet“, sagt er. „Ich kann mich gar nicht genug bedanken.“ Auch die Reaktionen aus dem Umfeld – die Footballer schickten ihm einen Videogruß – haben ihn berührt.

Vor wenigen Monaten dann der erneute Rückschlag. Bei der Nachsorge wurden Flecken auf der Leber entdeckt. Doch die Ärzte sind wegen des Frühstadiums optimistisch. Seit Juni bekommt Schulz eine klassische Chemo, die die er mit seinem Alltag in Einklang bringen kann. Anfang September wird untersucht, wie gut die Therapie angeschlagen hat. Eventuell muss der 43-Jährige dann noch einmal unters Messer. Aber auch das wird er wegstecken. Schließlich wirft ihn so schnell eigentlich nichts aus der Bahn.

Markus Schulz

Sport: Quasi mit Blick auf den Mönchengladbacher Bökelberg geboren, stand der Fußball in der Jugend hoch im Kurs. Bis zur A-Jugend spielte er bei kleinen Vereinen (u.a. DJK VfL Giesenkirchen), hatte aber sogar mal Kontakt zur Borussia. „Die haben aber nicht geweint, als es nicht geklappt hat“, sagt Schulz lächelnd.

Football: Mit dem Super Bowl 1989 zwischen San Francisco und Cincinnati – „Den habe ich damals auf Tele 5 gesehen“ – war die Begeisterung für den Sport geweckt, mit der 28:29-Derbyniederlage gegen die Solingen Paladins im Mai 2016 die für den Amboss. Wenige Wochen später stieg Schulz als Pressesprecher ein.

Beruf: Seit 2009 ist Schulz für den Sport-Informations-Dienst tätig. Zunächst lange Jahre freiberuflich in der Redaktion, mittlerweile festangestellt in der Buchhaltung. Außerdem ist er Redakteur des monatlich erscheinenden Football-Magazins Touchdown 24 und hat drei Sportbücher (zweimal NFL, einmal NBA) geschrieben.

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