Serie: An der frischen Luft mit...

Knut Kolk lässt sich nicht auf der Nase rumtanzen

Zwei-Meter-Männer an der Sperrmauer der Talsperre: RGA-Sportredakteur Andreas Dach und Handball-Schiri Knut Kolk (v.l.). Foto: Andreas Dach
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Zwei-Meter-Männer an der Sperrmauer der Talsperre: RGA-Sportredakteur Andreas Dach und Handball-Schiri Knut Kolk (v.l.).
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RGA-Serie: Der Handball-Schiri möchte sich vernünftig verabschieden

Von Andreas Dach

Remscheid. Es ist 16.45 Uhr, ein grauer und regnerischer Tag. Für das traditionelle Foto auf der Sperrmauer der Eschbachtalsperre müssen wir uns beeilen. „Kein Problem“, sagt Knut Kolk. Der Handball-Schiedsrichter aus Lüttringhausen macht große Schritte. Was ihm angesichts von fast zwei Metern Körperlänge nicht schwerfällt. Normalerweise bildet der Schnappschuss an der Staumauer in unserer Serie das Ende der Runde um die Talsperre. Diesmal stellen wir es an den Anfang, weil es immer dunkler wird.

„Ist doch alles kein Problem“, betont der 52-Jährige. Und zerrt eine Stirnleuchte aus der Manteltasche. Sie wird uns – so viel sei

Es werde Licht: Ohne die Stirnlampe von Knut Kolk hätte der Spaziergang um die Talsperre nicht unfallfrei stattfinden können.

vorweg verraten – noch gute Dienste leisten.

Das Bild ist schnell gemacht. Entgegen sonstiger Gewohnheiten lassen wir das Gewässer auf unserem Weg diesmal rechts liegen. Es ist matschig. Pfützen säumen den Weg. Und es wird in Windeseile dunkel. Wie gut, dass der gebürtige Wermelskirchener ein passionierter Läufer ist. Sein zweites großes Hobby neben dem Handballsport. So hat er das leuchtende Teil stets griffbereit am Mann. Noch lassen sich die Konturen des Weges erkennen, trotzdem klemmt sich Kolk das leuchtende Teil an den Kopf. Sicher ist sicher. Und spätestens ab der Hälfte der Strecke ist es unverzichtbar. Die Hand vor Augen? Nicht zu sehen.

Wobei an dieser Stelle klargestellt werden muss: Der heutige Serienteil soll nicht einer Werbeveranstaltung für Stirnleuchten gleichen. Es geht um Kolk. Um Knut Kolk. Der hat sich beeilt, seine Arbeitsstelle in Solingen („Ich arbeite in einem Großhandel für Verpackungsmaterial“) für unseren Spaziergang pünktlich zu verlassen. Und hat viel zu erzählen. . .

. . . über seine private Situation

Seit April 1995 ist er verheiratet, ist auf diese Weise von jetzt auf gleich in eine Großfamilie geraten. „Mit der Unterschrift unter die Heiratsurkunde bin ich vierfacher Vater und fünffacher Großvater geworden“, sagt er lachend. Seine Frau Brigitte hatte sie mit in die Ehe gebracht. Die beiden sind am Timmersfeld in Lüttringhausen zu Hause. Dort fühlt sich Knut Kolk sehr wohl. In unmittelbarer Autobahnnähe wohnend, kann er seinen vielfältigen Verpflichtungen als Handballschiedsrichter bestens nachkommen. Außerdem ist er fußläufig flott bei seinen Lieblingsgastronomen. Vor allem im Wuppertaler Hof und im Hotel Fischer ist er regelmäßig anzutreffen.

. . . über seine handballerische Entwicklung

Knut Kolk ist in Witzhelden aufgewachsen. Da lag es nahe, dass er beim TVW seine ersten handballerischen Erfahrungen gemacht hat. „Dort habe ich von der E- bis zur B-Jugend gespielt“, berichtet er. Es folgte die Zeit beim Dabringhauser TV („Mit Stefan und Michael Jakstait“) und beim Wermelskirchener TV. „Beim WTV habe ich aber nur rein hobbymäßig gespielt“, sagt er. Mit dem Nachsatz: „Für mehr war ich nicht talentiert genug.“ Schluss mit der aktiven Laufbahn war schließlich beim RTV, wo er sich zwei Kreuzbandrisse in Folge zuzog. In jedem Kniegelenk einen.

. . . über seine Sünden

Wir sind an der Talsperre etwa eine halbe Stunde unterwegs, als sich Knut Kolk eine Zigarette anzündet. Es soll nicht seine letzte sein. Was ist das denn? „Die Sucht werde ich nicht los“, gibt er zu, rund 25 Glimmstängel pro Tag zu konsumieren. „Das ist einfach eine blöde Angewohnheit.“ Andererseits: „Ohne das Rauchen hätte ich noch ein paar Kilo mehr auf den Rippen.“ 118 sind es derzeit – auf knapp zwei Meter Körpergröße verteilt. Trotz regelmäßiger Bewegung (Schiedsrichterei und Laufen) wird es nicht weniger. Kolk nennt den Grund: „Meine Frau kocht einfach zu gut.“

. . . über das Laufen

Es hat schon immer zu seinem Leben gehört. Was nicht verwundert, wenn man weiß, dass er in unmittelbarer Nähe der Sengbachtalsperre aufgewachsen ist. Da bietet sich das einfach an, regelmäßig Runden zu drehen. In der Bundeswehrzeit und auch danach während seiner beruflichen Station als Fernfahrer hat er die Trainingseinheiten deutlich heruntergefahren. Um seit einigen Jahren wieder voll im Saft zu sein.

„Da will ich ja mit den Jungen mithalten!“

Knut Kolk, Handball-Schiri

Als Regionalliga-Schiedsrichter sind viermal pro Jahr Leistungstests angesagt. „Da will ich ja mit den Jungen mithalten“, sagt er. Das gelingt. Pro Woche spult er derzeit rund 70 Kilometer ab, war in den Tagen vor dem Talsperren-Spaziergang gerade an der Sengbach- und der Neyetalsperre sowie auf der Trasse unterwegs. Weiter. Immer weiter. Wenn Corona es denn zulässt, wird Kolk Mitte April an den „Bergischen 5“ teilnehmen. Bei dem Fünf-Tage-Etappenlauf müssen insgesamt 175 Kilometer bei 4800 Höhenmetern absolviert werden. Von Schloss Burg aus geht es täglich auf eine andere Strecke.

. . . über die Schiedsrichterei

Seit 1998 leitet er Handballspiele. Er weiß noch genau, welches seine erste Partie war: „Eine Begegnung in der 3. Kreisklasse in Wipperfürth.“ Seitdem ging es aufwärts – ab

Mit seinem Schiedsrichterpartner Wolfgang Fechtner (l.) bildet Knut Kolk seit zwei Jahrzehnten ein verlässliches Gespann.

1999/2000 an der Seite seines Schiri-Partners Wolfgang Fechtner. Die beiden sind ein gespieltes Duo, vertrauen sich blind. Noch immer touren sie in der Regionalliga von Aldekerk über Bonn bis nach Ratingen, kennen die Hallen aus dem Effeff. Dabei sollte eigentlich in der vierthöchsten deutschen Spielklasse längst Schluss sein. Aber – mit Blick auf die Pandemie: „So wollten wir uns nicht verabschieden.“ Man möchte noch einmal eine komplette Saison erleben und genießen. Ob es die Spielzeit 2021/2022 wird?

. . . über seine Erfahrungen und Erlebnisse als Handball-Schiri

Knut Kolk ist ehrlich: „Ich lasse mir nicht gerne auf der Nase herumtanzen.“ Weshalb er konsequent durchgreift, auch mal aneckt und in den langen Jahren immer mal wieder polarisiert hat. Wichtig ist ihm, sich nicht verbiegen zu lassen. Er sagt: „Wie die Spieler auch, hast du als Schiedsrichter das Recht, mal einen schlechten Tag zu haben. Wenn wir nicht gut gepfiffen haben, wissen wir das selbst. Da fragt man sich: Wo ist das Loch, in welches man versinken kann.“

Er erinnert sich an viele Partien, die er geleitet hat. Zum Beispiel an das Derby zwischen Rheinhausen und Hiesfeld in der Oberliga: „Da waren 1200 Zuschauer in der Halle, es herrschte eine Wahnsinnsatmosphäre.“ Aber

Auf dem Spielfeld werden Knut Kolk und Shahrokh Rezaloo (v.l.) wohl keine Freunde mehr.

auch an Duelle in unmittelbarer Nähe: „Beim Spiel des LTV gegen die Soldaten war ganz schön was los.“ Vor allem, als er Andreas Schmidt Rot unter die Nase hielt. Wie „Feuer und Wasser“ sei das Verhältnis zum langjährigen Wermelskirchener Handballer Shahrokh Rezaloo: „Ich weiß gar nicht, warum das so ist. Dabei fand ich ihn als WTV-Spieler immer unheimlich gut.“

. . . über das, was man sonst noch so über ihn wissen muss

Knut Kolk verfolgt mit viel Freude die großartige Entwicklung der Schiedsrichter Leo Bona/Malte Frank sowie Maximilian Engeln/Felix Schmitz. Die Duos des Bergischen Handballkreises haben es mittlerweile bis in die 2. Bundesliga geschafft. „Ich bin stolz, ihren Weg ein kleines Stück weit mitgeebnet zu haben“, gibt er zu. Kolk war fünf Jahre lang Kreisschiedsrichterwart, hat sich zudem als Jugend-Förderkader-Betreuer des HVN eingebracht. Beiden Gespannen traut er perspektivisch zu, es bis in die höchste deutsche Spielklasse zu schaffen. Besonders freut ihn, dass Leo Bona und Malte Frank auf ihren Fahrten zu ihren Spielen regelmäßig zu einem Pläuschchen anrufen. Oft auch hinterher noch einmal.

Gemeinsam mit André Bürger trainiert Knut Kolk die 3. Mannschaft der HSG Radevormwald/Herbeck. Sportliche Langeweile ist also ein Fremdwort. Zumal der 52-Jährige im letzten Jahr hin und wieder auch am Kampftrichtertisch der HG Remscheid ausgeholfen hat: „Ralf Hesse hatte mich gefragt.“ Entspannung suchen die Kolks in südlichen Ländern wie Ägypten oder zuletzt Portugal: „Meine Frau liebt Sommer, Sonne, Sand und Meer.“

Persönlich

Knut Kolk wurde am 11. April 1968 in Wermelskirchen geboren. Aus dem Handballer, der hobbymäßig unterwegs war, ist ein Schiedsrichter geworden, der es bis in die Regionalliga geschafft hat. Früher pfiff er für den RTV, mittlerweile für die TG Burg. Ein weiteres großes Hobby ist das Laufen. Strecken von 20 oder 30 Kilometern absolviert der 52-Jährige, ohne mit der Wimper zu zucken. Mit Ehefrau Brigitte gönnt er sich gerne etwas, war unter anderem beim Konzert von André Rieu in Maastricht.

In der vergangenen Woche in unserer RGA-Serie "An der frischen Luft mit...": Rainer Sondern - Auch der 90. soll groß gefeiert werden

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