Wintersport

Klein träumt von den Olympischen Spielen

Der Burscheider Moritz Klein in Aktion. Hier zeigt er sein Können im sogenannten Slopestyle-Parcours. Foto: Manuel Lindner
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Der Burscheider Moritz Klein in Aktion. Hier zeigt er sein Können im sogenannten Slopestyle-Parcours.
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Der 19-jährige Burscheider mischt bei den besten Freestyle-Skifahrern der Welt mit

Von Peter Kuhlendahl

Er wohnt in Burscheid bei seinen Eltern, ist in Leverkusen zur Schule gegangen, hat dort Abitur gemacht und studiert in Aachen Geografie. Dieser Teil der Vita von Moritz Klein unterscheidet ihn kaum von vielen anderen 19-Jährigen. Doch da ist auch noch der Freestyle-Skifahrer Moritz Klein, der für den oberbayerischen Verein SC Miesbach im Einsatz ist, Anfang März sein Europa-Cup-Debüt gefeiert, sich für die Weltcup-Saison 2020/21 qualifiziert hat und von den Olympischen Spielen 2026 träumt.

„Na klar werde ich immer wieder gefragt, wie ich das als jemand aus dem Flachland geschafft habe“, meint Klein mit einem Augenzwinkern. Eine gewisse „Mitschuld“ daran hat seine Mutter. „Die hat mich mit zwei Jahren beim Winterurlaub in den Alpen zum ersten Mal auf Skier gestellt“, erzählt der Burscheider. Dem „normalen“ Skisport blieb er dann viele Jahre treu. Zudem spielte er bei Clubs in Leverkusen Fußball und Handball.

Vor sieben Jahren entsteht die Begeisterung fürs Trickskifahren

Erst 2014 sah er dann die Freestyler, die auch als Trickskifahrer bezeichnet werden, auf den Pisten. „Das fand ich total cool und wollte das auch ausprobieren“, blickt Moritz Klein zurück. Doch beim Ausprobieren blieb es nicht. Es wurde seine ganz große sportliche Leidenschaft.

Obwohl die Ausübung seiner Sportart mit einigen Hindernissen versehen war. Mal eben auf die Pisten in die Alpen zu fahren war nicht immer möglich. In NRW gibt es zwar die eine oder andere Skihalle. „Aber Freestyle kann man da nicht betreiben. In Neuss ist die Anlage wieder zurückgebaut worden“, erzählt Klein, der dann bis in die Niederlande ausweichen musste. In Landgraaf, ein paar Kilometer nördlich von Aachen, gibt es eine entsprechende Halle. „Da bin ich damals mit öffentlichen Verkehrsmitteln hin. Drei Stunden Hinfahrt, drei Stunden Rückfahrt. Der Tag war dann rum.“ Außerdem ging es, wann immer es möglich war, auf die Pisten in die Alpen.

Moritz Klein hofft, dass er bald wieder auf den Gletschern trainieren kann.

Ein weiteres Problem war und ist, dass die Sportart, obwohl längst olympisch, in Deutschland ein stiefmütterliches Dasein fristet. Auch innerhalb des nationalen Skiverbandes. So gibt es unterhalb der Topfahrer keine Kader oder Ranglisten, in denen man sich empfehlen kann. 2018 bekam Klein dann Kontakt mit den Aktiven des Nationalteams. Schließlich befolgte er deren Rat und schloss sich dem bayerischen Team in Miesbach an.

Auf drei Disziplinen des Freestyle-Skiings hat sich der Burscheider nun spezialisiert. Das ist die Half Pipe, in der Sprünge und verschiedene Manöver gezeigt werden. Beim Big Air geht es um möglichst spektakuläre Sprünge von einer Schanze. Außerdem ist er noch in einem sogenannten Slopestyle-Parcours aktiv, den man mit einem Skatepark vergleichen kann. Hier geht es unter anderem über Schanzen und Geländer.

„Ich werde zunächst weiter im Europa-Cup starten.“

Moritz Klein, Freestyle-Skifahrer

Dass man sportlich so richtig fit sein muss, liegt auf der Hand. Außerdem ist man vor Verletzungen nicht gefeit. „Natürlich muss man richtig trainiert sein. Aber Stürze bleiben nicht aus“, sagt Klein, der sich zum Beispiel bereits zweimal in der jüngsten Vergangenheit das Schlüsselbein gebrochen hat.

Eine besondere Herausforderung ist auch die Corona-Pandemie und der sportliche Lockdown. Aktuell hält er sich im heimischen Burscheid fit. Klein nutzt dort die Trainingspläne der schweizer Nationalmannschaft, die er bekommen hat.

Vor wenigen Wochen konnte er seine ersten Erfahrungen auf dem großen internationalen Parkett sammeln. In der Skisaison 2019/20 hatte er sich für den Europa-Cup qualifiziert. Anfang März feierte er dann seine Premiere im schweizerischen Leysin. Dort und bei einem weiteren Auftritten sammelte er dann so viele Punkte, dass er sich nun für den Freeski-Weltcup für die Saison 2021/22 qualifiziert hat.

„Ich werde allerdings zunächst weiter im Europa-Cup starten“, betont Klein, der selbstkritisch genug ist, um zu wissen, dass er sich mit den Besten der Welt noch nicht messen kann. Und auch die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking sind noch kein Thema. Wohl aber die Spiele 2026, die in Italien stattfinden. Und auch die Weltmeisterschaften in zwei Jahren.

Kurzfristige Ziele gibt es aktuell. Moritz Klein hofft, dass er im Sommer auf dem Gletscher wieder mit dem Training im Schnee beginnen kann. Und dann könnte auch die Anfahrt kürzer werden. „Ich überlege, die Uni zu wechseln und nach Bayern zu gehen.“ Die Vita des 19-Jährigen würde dann um einen weiteren Aspekt erweitert werden.

Freestyle-Skiing

Fünf Geschicklichkeits-Disziplinen des alpinen Wintersports werden im Freestyle-Skiing zusammengefasst. Es ist das Springen (Aerials) von einer Schanze mit einer fast senkrecht nach oben weisenden Absprungfläche, dem Fahren über einer Buckelpiste (Moguls), der Half Pipe, dem Big Air (große Schanze) und dem Slopestyle (Parcours). Teile des Freestyle-Skiing sind seit 1992 olympisch.

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