Interview

Kajak-Profi verzichtet gern auf Socken

Kein Bild etwa aus dem Sommer, sondern von Anfang Dezember: Man kann sich vorstellen, warum Neno Postic wieder in seine Heimat gegangen ist. Foto: NP
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Kein Bild etwa aus dem Sommer, sondern von Anfang Dezember: Man kann sich vorstellen, warum Neno Postic wieder in seine Heimat gegangen ist.
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Neno Postic, der Ex-Trainer des SV 09/35 Wermelskirchen, ist nach Kroatien zurückgekehrt.

Von Fabian Herzog

Vor gut einem halben Jahr sind Sie von Wermelskirchen aus zurück nach Kroatien gekehrt. Die wichtigste Frage derzeit vorab: Wie geht es Ihnen?

Neno Postic: Mir geht es super. Um mich herum sind auch alle gesund, trotz der nun hier ebenfalls anziehenden Corona-Zahlen. Aktuell kommen täglich rund 4000 neue Fälle dazu – und Kroatien ist ja nur ein kleines Land. Deswegen wurde der Lockdown hier jetzt auch verschärft. Wir machen aber das Beste draus und bereiten alles für die nächste Saison vor.

Sie sprechen aber nicht vom Sport, sondern von der Tourismus-Branche. Was genau machen Sie in Kroatien?

Postic: Ich betreibe mit meinem Bruder eine Pension im Dorf Banjol, wo meine Mutter herstammt. Wir hatten vor anderthalb Jahren die Idee und sie nun endlich umgesetzt. Wir haben auf einem Grundstück von 2000 Quadratmetern drei Apartments samt Pool, in denen wir bis zu 17 Personen unterbringen können.

Wo liegt das Dorf denn genau und wie muss man sich die Gegend vorstellen?

Postic: Banjol liegt auf der Insel Rab in der nördlichen Adria. Sie wird die grüne Insel genannt, weil 70 Prozent der Fläche Vegetation sind. Hier ist es sehr schön, eine typische Mittelmeergegend eben mit langer Geschichte.

Vermutlich auch mit angenehmem Klima.

Postic: Naja, was soll ich sagen? Seit meiner Ankunft hier Mitte Mai hatte ich bislang noch keine Socken an (lacht). Und der Umzugskarton mit der Jacke ist auch noch auf dem Speicher. Momentan haben wir tagsüber 20 bis 25 Grad. Für Menschen, die nicht so auf Hitze stehen, ist es hier in dieser Jahreszeit wirklich phänomenal.

Und was macht man dann dort?

Postic: Man kann hier wunderbar wandern. Pilze sammeln. Wir fahren gerne auch aufs Meer und fischen, haben uns gerade erst ein Boot gekauft. Eine tolle Sache. Außerdem kann ich meinem zweiten Hobby neben dem Fußball nachgehen: dem Grillen. Ich habe in Deutschland schon diverse Kurse besucht und werde das jetzt auch hier anbieten.

Wenn Sie so erzählen, fällt es nicht schwer nachzuvollziehen, warum Sie Deutschland, dem Bergischen und eben Wermelskirchen den Rücken gekehrt haben. Was waren Ihre Gründe?

Postic: Ich musste einfach raus und wollte nicht erst wieder in meine Heimat zurückkehren, wenn ich mich kaum noch bewegen kann. Ich will vom Boot springen können, mit dem Mountainbike meine Runden drehen und mit dem Kajak fahren. Darin bin ich übrigens Profi (lacht).

Fiel es Ihnen denn in sportlicher Hinsicht nicht schwer?

Postic: Doch, natürlich. Aber auch da war es einfach genug. Ich war müde und habe mit dem SV 09/35 eigentlich alles erreicht. Vom Niederrheinpokalsieg mit der C-Jugend 2013 über den Landesliga-Aufstieg, der für mich einem Wunder glich, bis zum Kreispokalsieg in diesem Jahr. Den hat zwar im Endeffekt Pich (Trainer Sebastian Pichura, Anmerkung der Redaktion) mit der Mannschaft gewonnen, aber irgendwie war ich auch ein bisschen dabei und fühle mich zu 20 Prozent daran beteiligt.

Die Verbindung zur Mannschaft ist sicherlich auch weiterhin groß.

Postic: Auf jeden Fall. Ich bin immer noch in der Whatsappgruppe des Teams, halte mich da aber zurück. Alleine durch meine Söhne Nico, Marin und Luca bin ich aber immer auf dem Laufenden. Ich habe sogar drei Spiele über das Internet sehen können und das Niederrheinpokalspiel gegen Essen am Radio verfolgt. Außerdem schreibe ich hin und wieder mit Umut (Demir), Sean (Soares), Furkan (Kücüktireli) oder Yannick (Klüppelberg). So lange diese Jungs Fußball spielen, werde ich Teil dieser Mannschaft sein.

In Ihrer neuen, alten Heimat gibt es doch sicherlich auch Fußballvereine. Ist da nichts für Sie dabei?

Postic: Der Fußball fehlt mir nicht wirklich. Auf unserer Insel gibt es einen B-Kreisligisten. Wir hatten auch schon lockeren Kontakt. Aber ich kann nicht nur zum Spaß trainieren. Da werden nach dem Training drei Kästen Bier getrunken. Das tue ich mir nicht an.

Gibt es denn Zukunftspläne, noch einmal zurückzukehren?

Postic: Ich wollte im Oktober mal vorbeikommen, ein paar Freunde besuchen und mir die Spiele gegen den FCR und RWE anschauen. Endlich mal oben auf der Tribüne schlaumeiern und meinen Senf von dort dazugeben (lacht). Aber das war wegen Corona nicht möglich. Wenn die Pandemie in den Griff bekommen wird, bleibe ich in Kroatien. Dann starten wir im Frühjahr richtig durch. Das macht mir viel Spaß. Aber wenn Corona noch zwei Jahre anhält, wer weiß, was dann passiert.

Zur Person

Kroatien: Am 15. Januar 1965 in Rijeka geboren, spielte Neno Postic bis zu den A-Junioren auf damals höchstmöglicher Ebene, musste aber schon mit 19 Jahren wegen Problemen am Sprunggelenk die Schuhe an den Nagel hängen.

Deutschland: 1994 kam er nach Wermelskirchen und arbeitete fortan 25 Jahre lang bei der Firma Jüscha.

SV 09/35: 1999 stieg Postic im Eifgen als Jugendtrainer ein und feierte große Erfolge. Von 2011 bis 2014 und 2018 bis 2020 trainierte er die Senioren des Vereins, dazwischen war er auch mal als Abteilungsleiter tätig.

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