Interview

Judo-Weltmeister freut sich auf den RTV

Die Medaillen, die Alexander Wieczerzak in den Händen hält, müssen nicht zwangsläufig die letzten in seiner Judo-Karriere sein. Der Neuzugang des RTV hat noch große Ziele. Foto: Paco Lozano
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Die Medaillen, die Alexander Wieczerzak in den Händen hält, müssen nicht zwangsläufig die letzten in seiner Judo-Karriere sein. Der Neuzugang des RTV hat noch große Ziele.
  • Andreas Dach
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Gespräch mit Alexander Wieczerzak, der zum Bundesliga-Aufsteiger nach Remscheid wechselt

Die Frage sei erlaubt: Was treibt einen Judo-Weltmeister von 2017 an, in der kommenden Saison für einen Bundesliga-Aufsteiger zu kämpfen? Der RTV hat Sie gerade als Neuzugang gemeldet.
Alexander Wieczerzak: Das ist echt eine gute Frage. Auf jeden Fall ist der RTV der einzige Verein, mit dem ich gesprochen habe. Ich habe von Beginn an das Gefühl gehabt, mit Manager Cedric Pick auf einer Wellenlänge zu sein. Mit meiner neuen Aufgabe in Remscheid kann ich mich identifizieren. Darin finde ich mich wieder. Cedric ist in den Gesprächen Feuer und Flamme gewesen, hat mir auch nahegebracht, was für eine krass gute Pressearbeit in Remscheid geleistet wird. Das Paket stimmt, und ich habe das Gefühl, den Verein zu verstehen.
Wie haben Sie sich über den Club, den Kader und die Entwicklung schlau gemacht?
Wieczerzak: Zunächst einmal war es mir ganz wichtig, mit dem KSV Esslingen als abgebendem Verein zu sprechen und ihn über das Interesse zu informieren, bevor ich mich in intensivere Gespräche mit dem RTV begeben habe. Natürlich hatte ich mich über die Anfrage gefreut, mir aber keine großen Gedanken gemacht. Doch Cedric Pick ist hartnäckig geblieben, sodass ich dann in Betracht gezogen habe, den Kontakt zu intensivieren. Das war eher so ein schleichender Prozess. Sicher begünstigt, durch meinen Nationalmannschaftskollegen Kalle Frey, der mit seinem Bruder Johannes für Remscheid kämpft und mich gefragt hat, ob ich nicht Bock hätte.
Wie wir seit einigen Tagen wissen – Sie haben Bock. Was ist mit dem neu zusammengestellten Kader aus Ihrer Sicht möglich?
Wieczerzak: Gleich im ersten Jahr die Finalrunde zu erreichen, wäre der Hammer, wäre der Wahnsinn. Es wird gewiss zu Beginn kein leichter Weg. Wir müssen von Verletzungen verschont bleiben und um jeden einzelnen Sieg richtig kämpfen. Spätestens im darauffolgenden Jahr können wir dann ganz weit nach vorne kommen. Da bin ich mir sicher.
Sie leben in Köln, trainieren dort im Olympia-Stützpunkt. Hat auch die Nähe zu Remscheid Ihre Entscheidung für den RTV begünstigt?
Wieczerzak: Bestimmt ist das auch ein nicht zu unterschätzender Aspekt. Bei meinen letzten Vereinen habe ich immer stundenlang im Auto gesessen. Insofern ist das Bergische Land nun eine andere Hausnummer, die mir sehr entgegenkommt. Als Nationalmannschaftskämpfer ist es verpflichtend, in einem Olympia-Stützpunkt zu trainieren. Ich bin halt schon länger in Köln, fühle mich wohl.
Ist es schon absehbar, wie viele Kämpfe Sie für das JUDOTEAM des RTV in der kommenden Saison bestreiten werden beziehungsweise können?
Wieczerzak: Das lässt sich nicht seriös beantworten. Das Nationalteam hat grundsätzlich Vorrang. Insofern muss man abwarten, ob es Überschneidungen gibt und wie viele es sein werden. Wo bei durch Corona und aktuell gerade Omikron ohnehin nichts planbar ist.
René Endres, Geschäftsführer des JUDOTEAMS, hat gesagt, dass Sie noch einmal richtig angreifen wollen.
Wieczerzak: Genau so ist das. Mein großes Ziel ist die Teilnahme an den Olympischen Spielen 2024 in Paris. Das habe ich für mich klar definiert. Ich werde Gas geben und habe richtig Bock darauf.
Durch Ihre Erfolge in der Vergangenheit wissen Sie, wie gut sich solche Momente anfühlen.
Wieczerzak: Mein WM-Gewinn 2017 war das Allerkrasseste. Ich bin als 124. der Weltrangliste an den Start gegangen und war plötzlich ganz oben auf dem Treppchen. Dass ich sieben Jahre zuvor bereits Junioren-Weltmeister geworden bin, habe ich nicht so bewusst wahrgenommen. Da war ich vielleicht noch etwas zu jung, um das so richtig einzuordnen.
Gibt es irgendwelche Besonderheiten, auf die man Sie unbedingt ansprechen sollte?
Wieczerzak: Meine Besonderheit ist meine Familie, die ich sehr schätze und die mir wichtig ist. Zudem reise ich unglaublich gerne. Ich kann gerade erst von einem Wettkampf aus Japan zurückgekehrt sein und habe am nächsten Tag schon wieder Lust, ins Flugzeug zu steigen, um irgendwo im Ausland Urlaub zu machen.
Aber Köln ist ja auch reizvoll. Schließlich leben Sie dort gemeinsam mit Ihrer Partnerin Katharina.
Wieczerzak: Ja, unbedingt. Sie ist übrigens Ärztin und verantwortet die Covid-Studie für Leistungssportler an der Deutschen Sporthochschule.

Zur Person

Alexander Wieczerzak (r.) bringt nationale und internationale Klasse mit zum Judoteam des Remscheider TV.

Alexander Wieczerzak wurde am 22. März 1991 in Frankfurt am Main geboren. Der 30-jährige Judokämpfer kann bislang auf eine bemerkenswerte Karriere verweisen. Bei Welt- und Euromeisterschaften stand er mehrfach auf dem Treppchen. Bisheriger Höhepunkt war die Goldmedaille, die er im Jahr 2017 völlig überraschend in Budapest gewonnen hat. Seit 2012 ist er Mitglied der Nationalmannschaft. Der 1,82 Meter große Athlet lebt mit seiner Partnerin (einer Ärztin) in Köln und trainiert dort im Olympiastützpunkt. Zu seinen sportlichen Stationen gehören der JC Rüsselsheim, der JC Wiesbaden, der TSV München-Großhadern und das Hamburger Judoteam. Zuletzt ist Wieczerzak für den Deutschen Vizemeister TSV Esslingen auf die Matte gegangen. Von dort kommt er nun zu Bundesliga-Aufsteiger RTV-JUDOTEAM. Dort hält man große Stücke auf den Athleten der Gewichtsklasse bis 91 kg.

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