Serie

Jetzt sucht er das Glück in Glücksburg

Wolfram Friedrich mit seinen Kindern Jonathan und Charlotte im Jahr 2016 nach einer Schwimmveranstaltung in Bad Zwischenahn. Foto: WF
+
Wolfram Friedrich mit seinen Kindern Jonathan und Charlotte im Jahr 2016 nach einer Schwimmveranstaltung in Bad Zwischenahn.
  • Andreas Dach
    VonAndreas Dach
    schließen

Was macht eigentlich Wolfram Friedrich? Der gebürtige Remscheider liebt den Triathlon

Von Andreas Dach

Remscheid? Nein, seine Heimat vergisst Wolfram Friedrich nicht. Schließlich wohnt seine Schwester Ricarda in der Metropole des Bergischen Landes. Zudem gibt es noch ein paar Freunde von früher, zu denen er Kontakt hält. So überraschte es nicht wirklich, dass der mittlerweile 61-Jährige beim nicht angekündigten Anruf des RGA-Sports ins Plaudern geriet. Der Wahl-Hamburger erinnerte sich nur zu gerne. An die Zeit in der Alexander-von-Humboldt-Schule, wo er seine Mittlere Reife machte. An die Samstage, an denen man sich am Kringel vor dem Tschibo mit den Kumpels traf. An das Jobben im Café Fritz in der Martin-Luther-Straße. An die Ausbildung bei AEG Elotherm. Und schließlich an das Fachabitur in Neuenkamp. Stationen seines Lebens. Stationen eines Sportlers.

Was bei der Aufzählung fehlte: Wolfram Friedrich hat sich früh der Leichtathletik verschrieben. Dem Ausdauersport. Beim Remscheider TV ist er in seiner Kindheit bei Trainer Helmut Degenhardt mit dem Laufen in Berührung gekommen und hat gemerkt: Je weiter es geht, desto besser.

„In Berlin habe ich damals Blut geleckt!“

Wolfram Friedrich, Triathlet

Ein Faible, das er bis heute nicht abgelegt hatt, da er als Ehemann und zweifacher Vater in Hamburg lebt und arbeitet. Er wollte Ingenieur werden – wie sein Vater. Deshalb ließ er auf seine Bundeswehrzeit (1982 bis 1984) ein Studium im Wirtschaftsingenieurwesen in Wilhelmshaven folgen. Dort, im Nordwesten der Republik, kam er über einen Bekannten so richtig mit dem Laufsport in Kontakt. Der erste Marathon? Den absolvierte Wolfram Friedrich 1986 in Berlin – in einer Zeit von 4:46 Stunden. „Damals“, sagt er heute, „habe ich Blut geleckt.“ Und nennt wie zum Beweis den Bremen-Marathon, der nur ein halbes Jahr später folgte. Seine Zeit: 3:14 Minuten. Eine Verbesserung um mehr als anderthalb Stunden. Unfassbar.

Ja, wenn der Remscheider etwas will, dann schafft er das auch. Fast jedenfalls. Er wollte mehr, wollte weiter. Und entdeckte den Triathlon für sich. Erste Mitteldistanz 1988, erste Langdistanz 1989. Im holländischen Almere kam nach 11:47 Stunden ins Ziel. Und es wäre sogar noch eine deutlich bessere Zeit möglich gewesen, wenn er sich nicht auf der Schwimmdistanz (3,8 Kilometer) unterkühlt hätte. Er musste erst einmal eine Pause einlegen, ehe es weiter aufs Rad (180 km) und auf die Beine (42,195 km) ging.

In seinem Kopf „pocherte“ Hawaii. Es ist der Traum eines jeden Triathleten, sich einmal dafür zu qualifizieren. Friedrich sah sich gerüstet, als es für ihn vor genau 30 Jahren in Roth um die Qualifikation ging. Doch es wurde nichts draus. Er musste eine lange Pause einlegen, weil er sich nach 90 Kilometern auf dem Rad übergab. „Ich hatte mich nur mit Flüssigem ernährt“, weiß er noch genau. „Das war ein Fehler. Ich hätte das besser mal beim Training ausprobiert.“ So kam er „erst“ nach 12:14 Stunden ins Ziel. Nix, Hawaii!

Wolfram Friedrich fuhr sein Programm drastisch herunter, blieb sportlich, nahm an Wettbewerben teil. Aber nicht mehr so ambitioniert. „In der Zwischenzeit habe ich künstliche Hüftgelenke bekommen“, schildert er. Um 30 Jahre danach sein Triathlon-Comeback zu feiern. Wieder Almere, wieder Holland, wieder die Langdistanz. Um perfekt vorbereitet zu sein, hatte der Ehemann und Vater eines Jungen und eines Mädchens eigens seinen Urlaub in Neuseeland fürs Radtraining genutzt. In den drei Wochen fuhr er 1400 Kilometer. Irre!

Umso kurioser, dass er ausgerechnet beim Radfahren in Almere die Segel streichen musste. Nach 92 Kilometern auf der windanfälligen Strecke ging „nichts mehr“, wie er sagt. „Wenn dein Puls bei 160 ist, hat das keinen Zweck mehr.“

Doch Friedrich ist hartnäckig, bleibt dran. Zwar war das Jahr 2020 überwiegend coronabedingt von Absagen geprägt, doch nun schaut er nach vorne. Die Langdistanz soll es noch einmal sein In Glücksburg. 2021. Der in Hamburg-Norderstedt als Einkäufer tätige Friedrich spart durch seine Arbeit im Homeoffice viel Zeit. „Ich habe rund anderthalb Stunden täglich mehr zur Verfügung“, berichtet. Die nutzt er (zusätzlich) zum Training. Wenn schon nicht auf Hawaii, dann will er das große Triathlon-Glück halt noch einmal in Glücksburg erleben. Und wird sich irgendwann daran erinnern, wie ihn die gute Förderung beim RTV auf den sportlichen Weg gebracht hat.

„Jetzt werde ich doch noch berühmt“, sagte er lächelnd, als das RGA-Gespräch sich dem Ende zuneigte. Um abschließend noch ein paar Namen zu nennen, die ihm wichtig sind und waren. Von Freunden und einer Freundin aus guten alten Remscheider Zeiten, die er erwähnt wissen möchte: Hans-Ulrich „Wülli“ Wüllenweber, Erhard „Nenno“ Krumm, Ulrich Rücker (vom Café Fritz) und Vera Julius. Machen wir gerne, Wolfram Friedrich.

Persönlich

Wolfram Friedrich pendelt zurzeit regelmäßig zwischen Hamburg und Esens. Dort betreut er seinen mittlerweile 92-jährigen Vater, der den Herbst seines Lebens in einem Altenwohnstift verbringt und sein Haus in Esens verlassen musste. Wolfram Friedrich wechselt sich bei der Betreuung mit seiner Schwester Ricarda ab, die ebenfalls in einem festen Turnus aus Remscheid nach Ostfriesland ins elterliche Haus kommt.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Born und Dhünn machen es arg spannend
Born und Dhünn machen es arg spannend
Born und Dhünn machen es arg spannend
Zweitvertretungen geht es um die Freundschaft
Zweitvertretungen geht es um die Freundschaft
Zweitvertretungen geht es um die Freundschaft
Wegen Tönnies platzt Lars Althoff der Kragen
Wegen Tönnies platzt Lars Althoff der Kragen
Wegen Tönnies platzt Lars Althoff der Kragen
FCR zieht mühelos ins Halbfinale ein
FCR zieht mühelos ins Halbfinale ein
FCR zieht mühelos ins Halbfinale ein

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare