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Jammern und Trübsal sind verboten

Christian Müller hat schon viele Ämter des AFC Amboss bekleidet – vom Jugend-Trainer bis zum  Vorsitzenden. Archiv-Foto: Holger Battefeld
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Christian Müller hat schon viele Ämter des AFC Amboss bekleidet – vom Jugend-Trainer bis zum  Vorsitzenden.
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Der Vorsitzende Christian Müller führt die Amboss-Footballer umsichtig durch die Corona-Krise.

Von Andreas Dach 

Seien Sie ehrlich: Haben Sie schon bereut, im November 2019 das Amt des Vorsitzenden beim AFC Amboss übernommen zu haben? Stichwort: Corona.

Christian Müller: Nee, nee, das habe ich nicht. Obwohl ich zugeben muss, dass uns die Entwicklung ab Mitte März schon einiges verhagelt hat. Wir hatten schon viel Arbeit in die Vorbereitung auf die neue Saison gesteckt, hatten Visionen. Dann wurde nicht nur uns sehr schnell klar, dass coronabedingt eine spannende und anstrengende Zeit auf uns zukommt.

Werden Sie bitte konkreter.

Müller: Nun, man denke nur an die Sponsorengeschichten. Einige Zusagen, die wir im Vorfeld der bevorstehenden Saison bekommen hatten, konnten nicht gehalten werden. Wenn man ums Überleben kämpft und zum Teil Kurzarbeit angemeldet hat, verändern sich halt Dinge. Dafür haben wir größtes Verständnis, mussten und müssen deshalb andere Wege gehen. Zu dem Zeitpunkt herrschte bei uns eine große Verunsicherung. Erst recht als wir ein Trainingslager in Hessen absagen mussten. Freitags sollte es losgehen, am Abend zuvor habe ich die Mannschaft und den Trainerstab informiert, dass es nicht stattfinden kann.

Und noch einmal: Sie haben es rückblickend nicht bereut, Chef des AFC Amboss geworden zu sein?

Müller: Wir könnten jammern und uns selbst leid tun. Damit ist aber niemandem geholfen. Man kann aus solch einer schwierigen Situation als Verein auch wachsen. Das tun wir gerade in dieser Phase des Übergangs. Es gilt, Programme und Ideen zu entwickeln. Schließlich muss und soll es weitergehen.

Lernt man auch seine Mitstreiter in solch besonderen Augenblicken besser kennen?

Müller: Es ist einfach so, dass man in Krisenzeiten noch enger zusammenrückt. Auch wenn man bezüglich der Perspektiven zunächst einmal ein paar Abstriche machen und die Visionen modifizieren muss, so bleibt doch die immens wichtige Aufgabe, auch und gerade in Coronazeiten das Vereinsleben zu fördern.

Wie bewerten Sie den Stand der Dinge beim AFC Amboss? Vielleicht bezogen auf die Seniorenmannschaft in der Verbandsliga.

Müller: Wir haben gerade einen dreiwöchigen Trainingslauf hinter uns. Wir wollten die Zeit nutzen, um Erfahrungen zu sammeln. Es galt für den Ablauf, enorm viele Vorgaben und Empfehlungen zu berücksichtigen. Alle mussten mit Mundschutz zum Platz kommen, das Equipment musste regelmäßig desinfiziert werden. Dazu musste alle unterschreiben, dass sie die Verhaltensregeln vorher gelesen haben. Übrigens jeder mit seinem eigenen Kugelschreiber.

Hat alles gut funktioniert?

Müller: Wir werten gerade die gesammelten Erfahrungswerte aus. Auf jeden Fall sind alle sehr vorsichtig gewesen. Wobei es auch einfacher ist, solche Dinge mit Erwachsenen durchzuziehen. Wenn du solche Dinge von der U10 einforderst, ist das so, als solltest du eine Tüte Mücken hüten.

Jetzt steht erst einmal eine Pause an.

Müller: Genau, am 3. August fangen die Erwachsenen dann offiziell mit dem Training an. Der Nachwuchs startet zehn Tage später. Wir sind gespannt, ob und wie sich die Vorgaben bis dahin verändern. Momentan ist es ja so, dass du inklusive der Trainer nur mit 30 Mann auf den Platz darfst. So konnten wir nie mit dem kompletten Team trainieren.

Viel sieht danach aus, dass man den Fokus nun auf April 2021 richten sollte.

Müller: Wir gehen davon aus, dass dann die Spielzeit 2021/2022 beginnen wird. Darauf bereiten wir uns vor.

Schafft man es, Spieler und Trainer so lange bei Laune zu halten? Oder anders gefragt: Kann es nicht passieren, dass Einzelne abspringen werden?

Müller: Das alles ist ein Novum für uns. Sowas hat noch niemand von uns erlebt. Aber es ist schön, dass die erforderliche Weitsicht bei den meisten vorhanden ist. Zu Beginn der Pandemie hatten wir schon Sorgen, dass sich Mitglieder abmelden könnten. Aber dazu ist es nicht gekommen. Wir sind in einem guten Dialog.

Womit wir wieder bei einem positiven Vereinsleben sind.

Müller: Eben. Es liegt an uns, genau dieses Vereinsleben immer weiter zu fördern. Wir planen perspektivisch ein Fest, in welchem wir die nicht stattgefundene Saison feiern wollen. Es nutzt doch nichts, Trübsal zu blasen.

Die Unterstützung des Vereins beim Blutspendemarathon am 10. August in der Sporthalle Hackenberg gehört auch zu den verbindenden Momenten.

Müller: Das DRK hat uns angesprochen, und wir helfen gerne. Wir sind mit 12 oder 13 Leuten für den kompletten Ablauf zuständig. Viele von uns nehmen sich sogar einen Tag frei, um mitmachen zu können. Wir sehen uns als Verein in der Verpflichtung, der Region etwas zurückzugeben.

Zur Person

Christian Müller wurde am 16. März 1972 in Wuppertal geboren. Mit Ehefrau Ramona hat er eine Tochter (Anika, 18). Der 1. Vorsitzende der Amboss-Footballer arbeitet seit 25 Jahren als Ergotherapeut in der Stiftung Tannenhof, ist dort für zwei Fachstationen zuständig. Als aktive Footballer hat er es bis in die 2. Bundesliga gebracht (Bergische Löwen, Solingen Hurricanes), 1999 hat er mit sechs Mitstreitern den AFC Amboss gegründet.

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