Schwimmen

Ist das Kind happy, ist es die Mama auch

Moana Schöll in ihrem Element: Im Wasser fühlt sich die neunjährige Allgäuerin am wohlsten. Foto: Christian Balaun
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Moana Schöll in ihrem Element: Im Wasser fühlt sich die neunjährige Allgäuerin am wohlsten.
  • Andreas Dach
    VonAndreas Dach
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Die Schwimm-DM der Behinderten in Remscheid schreibt ganz außergewöhnliche Geschichten

Soeben hatte Moana Schöll noch am Finale der Deutschen Meisterschaften der Behinderten im Sportbad am Park über 200 Meter Freistil teilgenommen. Das bislang größte sportliche Erlebnis der neunjährigen Paraschwimmerin, die aus dem Allgäu stammt und schon einige Minuten später mit ihrer Mutter Meike im Auto gen Heimat saß. Vom Remscheider Schützenplatz ging es ab ins Stillachtal, das sich an Oberstdorf anschließt. Viele Kilometer unter turbulenten Bedingungen. „Das sind die Momente, in denen man sich fragt, ob man eigentlich bekloppt ist“, gibt die Mama ehrlich zu, die mit ihrem Kind um kurz nach Mitternacht wohlbehalten zu Hause angekommen ist. Heizung ausgefallen, Motor überhitzt, Öl und Kühlerflüssigkeit nachgefüllt, die Tochter in die dicke Winterjacke der Mutter eingekuschelt – nur ein paar der nicht geplanten Tätigkeiten, welche Meike Schöll neben dem sicheren Steuern ihres Gefährts zu verrichten hatte. Sie selbst sei trotz der Sitzheizung „fast erfroren“.

Was das alles mit der von der SG Remscheid liebevoll ausgerichteten DM zu tun hat, die drei Tage dauerte? Nun, es zeigt eindrucksvoll, welche Strapazen Eltern auf sich nehmen, um ihren Kindern eine tolle sportliche Entwicklung zu ermöglichen. Wie eben im Fall der Familie Schöll.

Mal nicht im Schwimmbad, sondern in den heimischen Bergen: Moana Schöll und ihre Mutter Meike.

Bereits vor wenigen Wochen war die gebürtige Norddeutsche mit ihrer Tochter schon einmal in Remscheid gewesen. Damals wegen des BRSNW-Cups. 670 Kilometer hin – mit Zwischenstopp in Aschaffenburg. Nach den Wettkämpfen 670 Kilometer zurück. Gottlob mit funktionierender Heizung.

Irgendwie macht das alles ja auch Spaß!

Meike Schöll, Mutter der Paraschwimmerin

Schon beim Babyschwimmen hatte sich Moana Schölls besondere Affinität zum Wasser angedeutet. „Sie hat nur gelacht“, schildert die Mama die Erinnerungen an die ersten Wasserkontakte. Daraus ist mehr geworden. Bis hin zur ersten Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften. Das Mädchen aus dem Allgäu leidet unter einer Radiusaplasie. Die Speiche der rechten Hand fehlt komplett. Dazu ist die Handwurzel unterentwickelt. Die Arme sind ungleich lang. Innerhalb von sechs Jahren musste die Kleine vier Operationen über sich ergehen lassen. Und ist trotzdem immer ein fröhliches Mädchen geblieben. Wozu neben der liebevollen Begleitung durch die Eltern vor allem der Sport maßgeblich beiträgt.

Noch kann die Neunjährige nicht wirklich einschätzen, was für großartige Leistungen sie zeigt. Bei den süddeutschen Meisterschaften. Bei den baden-württembergischen Meisterschaften. Jetzt bei den Deutschen Meisterschaften. Moana Schöll ist einfach nur glücklich in ihrem Element Wasser. „Einen Urlaub, ohne die Möglichkeit zu schwimmen, brauchen wir erst gar nicht zu buchen“, berichtet die Mama. Da würde die junge Allgäuerin Protest einlegen, die zweimal pro Woche in Immenstadt trainiert. Dazu turnt sie gerne, geht zum Langlauftraining, pflegt ihre Freundschaften, darf die Ergotherapie nicht vernachlässigen – organisatorisch sollte schon alles fluppen bei den Schölls.

Das tut es. Schon am frühen Morgen nach der Rückkehr aus dem Allgäu klingelt der Wecker im Hause Schöll. „Da hat der Alltag bei uns um 6 Uhr wieder begonnen“, schildert Mutter Meike. Die Familie ist in der Hausverwaltung für 17 Ferienwohnungen verantwortlich. Das schlaucht. „Ein bis zwei Tage hängen mir diese gewaltig anstrengenden Wochenenden noch nach“, gibt die 49-Jährige zu. „Aber irgendwie macht es ja auch alles Spaß, und ich bin halt ein Organisationsfreak.“ Wenn dann noch ein paar Pötte guten Allgäuer Kaffees dazukommen . . .

Moana Schöll besucht in der Grundschule in Oberstdorf die vierte Klasse und muss sich bald entscheiden. Gymnasium oder Mittelschule? Die Familie wird eine gute Lösung finden. „Bei uns ist alles ein Geben und Nehmen“, sagte Meike Schöll. „Ich investierte so viel Zeit in meine Tochter, weil sie mir unendlich viel zurückgibt und der Schwimmsport sie glücklich macht.“ Vielleicht irgendwann ja auch wieder einmal im Remscheider Sportbad am Park . . .

Wettbewerbe

Moana Schöll aus Oberstdorf hat bei den Deutschen Schwimm-Meisterschaften der Behinderten im Sportpark am Park an folgenden Wettbewerben teilgenommen: 50 Meter Brust, 50 Meter Rücken, 100 Meter Lagen, 50 Meter Freistil, 100 Meter Freistil, 200 Meter Freistil. In letztgenannter Disziplin hat sie als Nachrückerin das Finale erreicht.

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