Interview der Woche

Isa Hacisalihoglu ist unser Mann in Rom

Isa Hacisalihoglu mit neuem T-Shirt und seiner notwendigen App, in welche seine Eintrittskarte integriert ist. Foto: Andreas Dach
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Isa Hacisalihoglu mit neuem T-Shirt und seiner notwendigen App, in welche seine Eintrittskarte integriert ist.
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Der Remscheider Schiedsrichter weilt mit Bruder und Kumpels beim EM-Eröffnungsspiel in Italien.

Von Andreas Dach

An diesem Donnerstag machen Sie sich mit Ihrem Bruder und zwei Freunden auf den Weg nach Rom, sehen dort das EM-Eröffnungsspiel zwischen Italien und der Türkei. Wie groß ist die Vorfreude?

Isa Hacisalihoglu: Sehr, sehr groß. Wie waren vor fünf Jahren schon bei der Europameisterschaft in Frankreich. Nachdem es uns damals trotz der 0:3-Niederlage der Türkei gegen Spanien in Nizza großartig gefallen hat, waren wir uns einig, dass wir wieder so etwas machen wollen.

Da bot sich dann diese Begegnung besonders an. Die nächsten beiden Spiele der türkischen Mannschaft gegen Wales und die Schweiz finden in Aserbaidschan statt. Das wäre mit dem Auto wahrscheinlich ein wenig zu weit gewesen?

Hacisalihoglu: So ist es. Wir wollen neben dem Fußballspiel Italien und viele seiner Sehenswürdigkeiten genießen. Los geht es am späten Donnerstag in Velbert, wo wir durch meinen Cousin Hakan einen Neunsitzer zur Verfügung gestellt bekommen. Idealerweise in Rot, der Farbe der Türkei. Am Montagabend wollen wir zurück sein, nachdem wir voraussichtlich 3500 Kilometer hinter uns gebracht haben. Auf dem touristischen Programm stehen unter anderem Pisa und die Toskana auf dem Hinweg, Florenz und Venedig auf dem Rückweg.

Der Hauptgrund für Ihre Fahrt ist aber eindeutig die Fußball-EM. War es sehr schwierig, an die Tickets zu kommen?

Hacisalihoglu: Sagen wir es mal so, einfach war es nicht. Der erste Verkäufer, mit dem wir es auf eBay Kleinanzeigen zu tun bekommen haben, wollte uns verarschen. Wir sollten ihm das Geld überweisen, er wollte uns vorher aber nicht in einer Video-Schalte die Tickets zeigen.

Und wie hat es dann schließlich geklappt?

Hacisalihoglu: Ich habe einen Aufruf über Facebook gestartet. Darauf hat sich dann Tassilo Rabe vom VfB Marathon gemeldet. Er hat den Kontakt zu einem Freund hergestellt, der zwei Karten zu verkaufen hatte. Zwei weitere haben wir dann doch noch über eBay Kleinanzeigen bekommen. Wir haben sie persönlich in Ratingen abgeholt.

Klingt kompliziert. Aber was tut man nicht alles für den Fußball . . .

Hacisalihoglu: Wir wollten unbedingt fahren und wieder Spaß haben. Wegen der Pandemie konnten wir uns halt erst sehr, sehr kurzfristig um Karten bemühen. Umso glücklicher sind wir nun. Dass ich mit meinem Bruder Ertugrul in einem anderen Block sitze als unsere Freunde Genco Toprak und Özgür Keser – das müssen wir in Kauf nehmen.

Was trauen Sie der Türkei zu, die eine richtig gute Qualifikation gespielt hat?

Hacisalihoglu: Das Ziel ist es, die Vorrunde zu überstehen. Wenn wir gegen Gastgeber Italien ein Unentschieden schaffen würden, wäre ich sehr zufrieden. Das Zeug dazu haben wir. Einige unserer Topspieler spielen bei großen Vereinen, bringen viel Erfahrung mit. Es wird spannend.

Wie viele Zuschauer sind bei der Partie im Stadion?

Hacisalihoglu: 16 000, die zu unterschiedlichen Zeiten in die jeweiligen Blöcke gelassen werden. Mein Bruder und ich müssen beispielsweise zwischen 18 und 18.30 Uhr ins Stadion kommen. Danach würde man uns nicht mehr reinlassen. Wir müssen die komplette Zeit über FFP2-Masken tragen und dürfen unsere Plätze auch während der Halbzeitpause nicht verlassen.

Aber jubeln dürfen Sie?

Hacisalihoglu: Ich hoffe sehr, dass wir etwas zu jubeln bekommen . . .

Was gibt es ansonsten bei Ihrer Tour zu beachten?

Hacisalihoglu: Für Italien brauchen wir einen Antigentest, der nicht älter als 48 Stunden sein darf. Am Donnerstag um 9 Uhr lassen wir uns testen, damit es passt. Und nachts zwischen 0 und 5 Uhr herrscht Ausgangssperre. Deshalb werden wir auf dem Hinweg unterwegs in unserem Kleinbus pennen müssen. In Rom haben wir für zwei Tage ein Hotel gebucht. Sonntags machen wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zurück nach Hause. Über Florenz und Venedig.

In Rom treffen Sie einen Remscheider Schiedsrichterkollegen.

Hacisalihoglu: Ja, Vincenzo Tarantino ist auch in Italien. Er fliegt aber nach Rom. Wir haben uns schon verabredet, wollen uns unbedingt sehen. Allerdings halten wir zu unterschiedlichen Mannschaften . . .

Werden Sie und Ihre Mitfahrer türkische Trikots tragen?

Hacisalihoglu: Trikots nicht, aber ganz neue T-Shirts, die wir gerade erst gekauft haben. Fahnen nehmen wir auch mit.

Dann steht einem großen Fußballfest quasi nichts mehr im Wege. Sie müssen nur aufpassen, dass die Eintrittskarten nicht verloren gehen.

Hacisalihoglu: Die Tickets haben wir in unseren Handys in einer App. Den Barcode ans Lesegerät halten, und schon sind wir im Stadion. Das hoffen wir jedenfalls . . .

Persönlich

Serkan Hacisalihoglu wurde am 24. April 1985 in Remscheid geboren. Der gelernte Einzelhandelskaufmann ist verheiratet und hat mit seiner Frau Suna einen Sohn (Mert, 6). Seit acht Jahren ist der langjährige Fußballer (unter anderem 1. Spvg. Remscheid, SV 09/35 und FCR) bei Safetonet tätig, einem Mobilfunkanbieter im Allee-Center. Bereits im Alter von 15 Jahren hat er seine Schiedsrichter-Laufbahn begonnen, pfeift mittlerweile für den SC Heide in der Bezirksliga.

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