Analyse

Impfquote wird im Sport zum sensiblen Thema

Ein kleiner Pieks für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit – das sieht in den Mannschaften aber nicht jeder so. Archivfoto: Roland Keusch
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Ein kleiner Pieks für einen Menschen, ein großer Schritt für die Menschheit – das sieht in den Mannschaften aber nicht jeder so. Archivfoto: Roland Keusch
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    VonFabian Herzog
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Analyse: Innerhalb der Mannschaften im RGA-Gebiet herrscht aber größtenteils Einigkeit

Vor genau einem Jahr spitzte sich die Coronalage in Remscheid und Umgebung immer mehr zu. Der steigende Inzidenzwert führte damals in der Sportlandschaft zu einer Absage nach der anderen, am ersten Oktober beispielsweise fiel der Saisonauftakt des Rollhockey-Bundesligisten IGR Remscheid aus. Auch in den Fußball- und den gerade erst gestarteten Handballligen kamen die Einschläge immer näher, die – wie man heute weiß – zum Abbruch der Saison auf Amateurebene führte.

In diesem Jahr ist die Situation eine andere, was eng mit der damals noch nicht existierenden Impfquote zusammenhängt. Diese nährt nicht nur die Hoffnung, der Normalität nach zwei abgebrochenen Spielzeiten wieder ein Stück näher zu kommen, sondern ist auch ein zum Teil heiß diskutiertes Thema. So sorgte Fußball-Landesligist SV Genc Osman Duisburg, Gegner des FCR und SV 09/35, jüngst für Aufsehen, weil er die 1. Mannschaft zur Impfung verpflichtete.

Aber wie stellt sich die Situation bei den hiesigen Sportvereinen dar? Wie hoch ist die Quote der Geimpften? Was für Hürden gab es dabei zu überwinden? Wir haben uns stichprobenartig mal umgehört und uns einen Überblick verschafft.

Fußball: Der Großteil scheint vollständig geimpft zu sein. „Bei uns sind es circa 90 Prozent“, berichtet Marcel Heinemann, Trainer des FCR, bei dem aber auf Nummer ganz sicher gegangen wird. „Zusätzlich werden alle vor jedem Training getestet.“ Eine Pflicht, sich gegen Corona impfen zu lassen, gibt es nicht. Aber eine Empfehlung, ausgesprochen von Präsident Ralf Niemeyer. Beim SV 09/35 Wermelskirchen nähert man sich der 100 Prozent, wie Trainer Sebastian Pichura berichtet: „Nur noch ein Spieler fehlt. Aber das ist ein ganz sensibles Thema.“

Marco Menge, Coach des Bezirksligisten Dabringhauser TV, sagt: „Wir nehmen keinen Einfluss darauf. Das soll jeder für sich machen. Ich denke, unsere Quote liegt bei 75 Prozent.“ Ähnlich sieht es Erdal Demir, Trainer des SC Ayyildiz: „Für mich ist das ein privates Ding. Wenn einer das nicht möchte, bleibt er mein Spieler. Aber die meisten sind bei uns geimpft.“ Weit vorne in diesem Ranking liegt der SSV Dhünn. „Bei uns sind alle durchgeimpft“, sagt Trainer Kristian Fischer. Auch der SSV Bergisch Born kommt mittlerweile auf 100 Prozent, wofür der Verein selbst gesorgt hat, indem er dank einer Ärztin, deren Kind im Jugendbereich spielt, im Vereinsheim an drei Terminen ein mobiles Impfzentrum installiert hat. „Gezwungen wurde aber niemand“, betont SSV-Coach Sascha Odina.

Auch nicht die B-Junioren des Vereins. Doch selbst diese – und das, obwohl es erst seit Mitte August die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) für 12- bis 17-Jährige gibt – wollen nichts dem Zufall überlassen und sind schon „zu über der Hälfte“ geimpft, wie Trainer Christian Bernhard erzählt.

Handball: Gar kein Thema war die Impfung gegen das Coronavirus beim Drittligisten Bergische Panther. „In unserer Sportart ist das alternativlos“, meint Coach Marcel Mutz, der aber niemandem Vorschriften gemacht hat. „Die Jungs hatten alle selber den Drang, sich impfen zu lassen.“ Auch, weil der Deutsche Handball-Bund vor jedem Drittligaspiel einen 3G-Nachweis verlangt.

HGR-Trainer Alex Zapf ist von dem Thema eher genervt.

Schwierig gestaltet sich das Thema beim Handball-Regionalligisten HG Remscheid. „Das ist jedem selbst überlassen“, sagt Trainer Alexander Zapf, aus dessen 16-Mann-Kader zwei Spieler gegen eine Impfung sind. Diese müssen sich für jedes Training und jedes Spiel testen lassen, was der Coach höchstselbst überprüfen muss. Zapf, der als Politik-Lehrer eine klare Haltung hat, sagt: „Ich akzeptiere das. Aber prall ist es nicht.“

Football: Beim Amboss haben sich fast alle schon den Zweifach-Pieks abgeholt. „Keiner will noch einmal so ein Jahr wie 2020 erleben“, begründet der Vorsitzende Christian Müller. Ein weiterer Grund, warum die Quote beim Oberligisten „90 Prozent oder mehr“ betrage, sei unter anderem die Anreise zu Auswärtsspielen. „Das Busunternehmen schreibt die 3G-Regel vor“, berichtet Müller.

Für Amboss-Chef Christian Müller gibt´s keine Alternative.

Judo: Beim RTV sind alle aus 1. und 2. Mannschaft geimpft. „Als Hallensportler sind wir ja besonders sensibilisiert“, sagt Manager Cedric Pick. Bei den Kampftagen in der 2. Bundesliga waren alle unmittelbar Beteiligten zudem verpflichtet, einen aktuellen Test vorzulegen. Das bedeutete zwar einen zusätzlichen und für die ausländischen Kämpfer sogar finanziellen Aufwand, wurde aber „ohne Druck“ von allen mitgetragen. „Es gab keine Gegenbewegung“, sagt Pick. „Zum Glück.“

Sportkegeln: Komplette Einigkeit herrschte bei der Bundesliga-Frauen des RSV Samo. „Ich glaube, die ganze Abteilung ist durchgeimpft“, sagt Spielerin Maike Killadt. Wobei ein Vereinsmitglied sich quergestellt habe und seitdem nicht mehr gesehen war. . .

Maike Killadt und die Sportkeglerinnen sind durchgeimpft.

Rollhockey: Keinen Ausreißer gibt es bei der IGR Remscheid. „Das war allen sofort klar“, erzählt Timo Meier, der Trainer der 1. Mannschaft. „Schließlich wollten wir ja so schnell wie möglich in den geregelten Trainings- und Spielbetrieb zurückkehren.“ Aber was, wenn einer der Leistungsträger eine Impfung abgelehnt hätte? Meier: „Dann hätte er nicht mehr bei uns gespielt.“

Rubrik

Immer dienstags greifen wir spezielle Themen auf und haken nach. Gibt es Fragen, welche unbeantwortet sind? Oder Dinge, die eingeordnet werden müssen? Dem nehmen wir uns ausführlich an. In dieser Woche geht es um den Schutz vor dem Coronavirus und die Impfquote in den verschiedenen Sportarten und Mannschaften.

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