Interview der Woche

„Ich hatte immer meine eigene Technik“

Fabian Selbach hat Mitte Mai seine lange sportliche Karriere beim Rollhockey-Bundesligisten IGR Remscheid beendet.
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Fabian Selbach hat Mitte Mai seine lange sportliche Karriere beim Rollhockey-Bundesligisten IGR Remscheid beendet.
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Mit 28 Jahren hat sich Fabian Selbach beim Rollhockey-Bundesligisten IGR Remscheid verabschiedet.

Von Peter Kuhlendahl

Die beiden Pokalendspiele Mitte Mai waren Ihre letzten Auftritte im Trikot des Rollhockey-Bundesligisten IGR Remscheid. Warum beenden Sie mit 28 Jahren bereits Ihre Karriere?

Fabian Selbach: Im letzten halben Jahr hat sich so viel in meinem Leben verändert, dass ich einfach diesen Schritt machen musste. Ich habe den Sport immer zu 100 Prozent gemacht. Das ging und geht einfach nicht mehr.

Lassen Sie uns an Ihren Veränderungen teilhaben?

Selbach: Im Herbst wurde unser Sohn Theo geboren. Ich habe als Lehrer am Leibnitz-Gymnasium angefangen. Wir haben ein Haus gekauft. Und uns einen Hund angeschafft. Montags, dienstags und donnerstags Training. Samstags die Spiele. Das passte einfach nicht mehr.

Wie haben Ihre Teamkollegen reagiert? Und wann haben Sie Ihre Entscheidung verkündet?

Selbach: Der eine oder andere hat schon gemerkt, dass was im Busch war. Sie haben es mitbekommen, dass ich mit den Umständen nicht glücklich war. Eigentlich wollte ich es offiziell nach den Pokalendspielen machen. Doch dann habe ich es bereits nach dem Aus im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft in Herringen verkündet.

Warum da bereits?

Selbach: Nach der dramatischen Niederlage im zweiten Spiel in Herringen hat das Trainergespann Timo Meier und Marcus Franken in der Kabine erklärt, dass für sie am Saisonende Schluss sei. Es war totenstill in der Kabine. Als Timo dann fragte, ob noch jemand was sagen wolle, konnte ich mich einfach nicht mehr zurückhalten.

Es gab Stimmen, die meinten, dass es unglücklich gewesen sei, die Entscheidungen vor den Pokalendspielen zu verkünden. Wie sehen Sie das?

Selbach: Das sehe ich gar nicht so. Nach dem Aus im DM-Halbfinale konnte keiner mehr sagen, jetzt versuchen wir es im nächsten Jahr gemeinsam wieder. So konnten wir alle zusammen den Fokus auf den Pokal richten. Es war dann natürlich schade, dass es nicht geklappt hat.

Das ist jetzt schon ein paar Tage her. Haben Sie bereits realisiert, dass es der Abschied für Sie war?

Selbach: Im Moment fühlt es sich eher an wie ein normales Saisonende, wenn es in die Sommerpause geht. So richtig bewusst dürfte es mir werden, wenn die Jungs wieder in die Vorbereitung auf die neue Spielzeit einsteigen.

Wird man Sie in der neuen Bundesligasaison in der Halle sehen? Und bleiben Sie dem Rollhockey irgendwie verbunden?

Selbach: Natürlich werde ich mir das eine oder andere Spiel anschauen. Ansonsten aber erstmal gar nichts machen. Ich habe zum Beispiel auch meinen Posten als Online-Redakteur für die Bundesliga aufgegeben. Wenn unser Sohn Theo mit dem Rollhockey anfängt, wird der Kontakt wieder enger.

Wie sind Sie überhaupt zum Rollhockey gekommen?

Selbach: Mit rund viereinhalb Jahren. Da gab es im Kindergarten einen Aushang. Ich habe es ausprobiert und bin dabei geblieben.

Und die Erfolge haben sich schnell eingestellt...

Selbach: Im zweiten Jahr in der U9, der U11, der U14, der U17 und der U20 sind wir jeweils Deutscher Meister geworden. Aus dem aktuellen Bundesligateam waren da Max Richter und Moritz Kreidewolf dabei.

Wann kamen dann die ersten Einsätze in der Bundesliga?

Selbach: Nach meinen 16. Geburtstag war das damals erst möglich. Zunächst einmal war es überhaupt eine große Ehre, beim Bundesligateam mit zu trainieren. Es gab so viele Nachwuchsspieler, dass das nicht selbstverständlich war. Heute ist das leider anders. Da muss der Nachwuchs im Training ran, damit wir zum Beispiele Spielsituationen einüben können. Bevor ich dann aber in der 1. Mannschaft spielte, war ich erst zwei Jahre in der Regionalliga im Einsatz. Und in meinem ersten Jahr in der Bundesliga kam ich auf insgesamt 50 Minuten Einsatzzeit.

Dann sind Sie aber auf der Platte schnell zur Führungsperson geworden. Obwohl man Ihnen nachsagt, dass Sie nie der große Techniker gewesen sind...

Selbach (lacht): Sagen wir es mal so. Ich hatte immer meine eigene Technik. Herringens Torhüter Timo Tegethoff hat mich nach dem Pokalspiel mit den Worten, es war immer ekelhaft gegen Dich zu spielen, verabschiedet. Ich habe immer versucht, alle mitzureißen. Dies war auch gerade unter der Regie von Timo an der Bande meine Rolle.

Ihr größter Erfolg dürfte genau sechs Jahre zurückliegen...

Selbach: Allerdings. Das war der Pokalsieg in Herringen. Die Umstände, die damals zum Sieg geführt haben, waren unglaublich. Wir lagen im zweiten Spiel schnell 0:3 zurück und haben dann 7:3 gewonnen.

Es gab aber auch Enttäuschungen in Ihrer Karriere.

Selbach. Na klar. Das waren die knapp verlorenen Endspiele um den Pokal und die Deutsche Meisterschaft. Aber auch in der Jugend. Ich war damals für die U20-Nationalmannschaft für die Weltmeisterschaft nominiert. Die sollte in Uruguay stattfinden. Dann gab es Probleme um die Austragung. Iserlohn stand als Ersatzort fest und alles war organisiert. Aber der Weltverband wollte doch wieder nach Südamerika. Alle Europäer haben dann abgesagt,und wir haben eine Art EM in Frankreich gespielt.

Wie sehen Sie die Zukunft des Rollhockeys?

Selbach: Das ist so eine unglaublich tolle Sportart. Allerdings könnte es sehr eng werden. Es muss sich dringend etwas ändern, sonst kann in zehn Jahren alles vorbei sein.

Was muss sich ändern?

Selbach: Jeder Verein muss dringend mit einem nachhaltigen Konzept für die Nachwuchsarbeit ran. Remscheid und auch Cronenberg sind da Vorbilder. Das negative Beispiel ist Iserlohn. Da gab es einen Sponsor, der Profis aus Südeuropa geholt hat. Als der Geldgeber weg war, waren die Spieler weg. Es gab keinen Nachwuchs und das Team zog sich aus der Bundesliga zurück.

Was raten Sie konkret den Clubs?

Selbach: Die Nachwuchs-Arbeit im Rollhockey war Thema meiner Bachelorarbeit. Ich bin damals zum Beispiel mit dem Thomas Beck, dem jetzigen 2. Vorsitzenden der IGR, in die Kindergärten in Remscheid und haben Werbung gemacht. Am Ende hatten sich fast 20 Kinder bei der IGR angemeldet.

Zur Person

Fabian Selbach wurde am 21. Mai 1994 in Lennep geboren. Dort lebt er mit Ehefrau Julia und Sohn Theo. Seit Herbst vergangenen Jahres unterrichtet er die Fächer Mathematik und Sport am Leibniz-Gymnasium in Remscheid. Frühere Berufsziele waren außerdem Polizist oder Journalist.

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